Artikel-Schlagworte: „to-do-Liste“

Ent-Mülling my life

Montag, 22. Februar 2010

Wie viele Ratgeber gibt es, die das Aufräumen, Ausmisten und Vereinfachen des eigenen Lebens empfehlen. Unzählige! Keinen von diesen habe ich gelesen. Und dennoch verspüre ich seit zwei Wochen einen unheimlichen Drang mein Leben aufzuräumen, zu sortieren und zu entmüllen. Mich frei zu machen von Dingen, die Zeit kosten, aber keinen Mehrwert stiften. Mich zu entlasten von Themen, ToDos und Gewohnheiten, die man viel zu lange nicht mehr hinterfragt hat.

Ent-Mülling-Aktion No. 1: Ich habe am gestrigen Tag meinen Kleiderschrank halbiert. Also den Inhalt. Alles, was ich seit mehr als zwei Jahren nicht mehr getragen habe war fällig. Und das war ganz schön viel. Nun kommt begünstigend sicherlich die Tatsache dazu, dass man im Walross-ähnlichen Zustand der Spät-Schwangerschaft sowieso glaubt viele Micro-Oberteile, Minis und hautenge Kleider nie mehr tragen zu können. Aber auch unabhängig davon ist es ein absoluter Traum wie luftig jedes Regal gerade wirkt und wie viel Platz für neue Einkäufe plötzlich da ist!

Ent-Mülling-Aktion No. 2: Ich habe mich in den letzten Tagen gezwungen meine heißgeliebte ToDo-Liste und meinen Emailaccount von unten abzuarbeiten. Oben stehen immer die spannenden und aktuellen Dinge, auf die man richtig Lust hat. Unten liegen die fiesen Ladenhüter. Und an die habe ich mich herangetraut. Was für ein befreiendes Gefühl, dass die nun endlich weg sind.

Ent-Mülling-Aktion No. 3: Dieses war ein besonders schwerer Schritt als sparsame Ost-Westfälin und Betriebswirtschaftlerin mit dem Schwerpunkt Finanzen, Buchhaltung und Controlling. Ich habe die Buchhaltung der GmbH meines Mannes an ein externes Buchhaltungsbüro übergeben. Unglaublich, oder? Wo es doch solchen Spaß gemacht hat, sich die Sonntage damit zu versauen äh zu versüßen Belege zu sortieren und Kassenbücher zu füllen. Sie ist jetzt einfach weg. Und ich verspüre nicht wirklich eine Leere in meinem Leben. Viel mehr beängstigt mich jetzt das Gefühl, was ich mit diesen ganzen freien Sonntagen jetzt machen soll :-)

Ent-Mülling-Aktion No. 4: Leider ist auch Foursquare meinem Aufräum-Wahn zum Opfer gefallen. Und zwar hauptsächlich deshalb, weil es mich mehr belastet als glücklich gemacht hat.
Jedes Mal, wenn ich auf mein Iphone gesehen habe und einfach ganz gemütlich hätte twittern oder Bild lesen können, verspürte ich den Druck einchecken zu müssen. Im Büro, im Supermarkt, beim Arzt, im Restaurant, zu Hause, bei Freunden und irgendwann sogar im Stau, Taxi oder auf der Alster. Das Erste, das ich beim Betreten einer „location“ gedacht habe war: Hilfe, ich muss noch einchecken! Meistens habe ich dann eingecheckt, um irgendwelche travelpoints oder new-venue-points zu bekommen oder meinen Bürgermeister-Status zu verteidigen. Und danach fühlte ich mich meistens nicht besser. Ich bekam keinen Kaffee umsonst, wenn ich im Coffeeshop war, traf keine netten, interessanten Leute, die zufällig gerade in meiner Nähe waren und war mit meiner bescheidenen Anzahl von Ortswechseln noch nicht mal unter den Top 10. Warum das Ganze also?
Sicherlich ist Foursquare noch ein rising star, der seine glorreiche Zukunft noch vor sich hat. Sicherlich muss man neuen Diensten und Apps Zeit geben, ihre Daseinsberechtigung zu begründen. Aber dieses Mal einfach nicht meine Zeit. Nicht aus Trotz, nicht aus Frust, nicht aus Pseudo-Radikalität. Sondern einfach, weil ich es unheimlich befreiend finde, dass ich ab jetzt irgendwo reinkommen kann ohne das Gefühl eines verpassten Fliegers in mir zu tragen, weil ich vergessen habe einzuchecken. That´s all.

Vorsätze für das neue Jahr – Fluch oder Segen?

Montag, 4. Januar 2010

Jeder der mich gut kennt weiß, dass ich ein sehr großer Freund von to-do-Listen bin, die ich nicht nur akribisch schreibe, mehrmals am Tag aktualisiere, sondern auch sehr sorgfältig abarbeite.

Früher habe ich mich jedes Jahr am 31.12. hingesetzt und auf diesen to-do-Listen die Rubrik „Vorsätze für das neue Jahr“ neu befüllt. Das hat für mich überhaupt nicht funktioniert. Denn das große Problem war, dass man diese Punkte so schlecht abarbeiten konnte. „Mehr Sport machen“ konnte ich nicht Mitte Januar als erledigt abhaken. „Mehr Zeit für Freund, Freunde und Familie haben“ war auch ein Dauerbrenner, der so schlecht nach zwei Kinoabenden und Essenseinladungen abgehakt werden konnte. Es hat mich also total fertig gemacht, dass da Punkte an der Spitze meiner to-do-Liste standen, die ich einfach nicht erledigen konnte, sondern, die ich das ganze Jahr mitschleppen musste.

Also begann ich die Vorsätze am 31.12. in einen Briefumschlage zu stecken, zu versiegeln und erst nach einem Jahr wieder herauszuholen. Nach dem Motto: Wenn ich sie nicht sehe, belasten sie mich auch nicht, sind aber trotzdem da. Das Problem damit war, dass ich vergessen habe, was ich mir eigentlich vorgenommen hatte. So passierte es regelmäßig, dass ich am 31.12. des Folgejahres den Briefumschlag öffnete und so etwas wie „Italienisch lernen“ las, welches ich komplett vergessen hatte anzugehen. Außerdem kam hinzu, dass ich mir durch diese blöden Vorsätze immer mehr aufhalste, als ich tatsächlich schon ohne diese bewältigen konnte. Das Öffnen des Briefumschlags war damit ein einziger Frust, da ich meist keinen der aufgeführten Punkte erledigt, geschweige denn angegangen hatte. So war ich kurz davor, am 31.12. mit Rauchen anzufangen, damit ich mir für das Folgejahr das Aufhören vornehmen konnte und somit gleich am 1. Januar ein Erfolgserlebnis hatte. Das konnte aber auch nicht die Lösung sein.

Also traf ich eine große Entscheidung: Ich wusste, dass ich ohne Neujahrs-Vorsätze nicht leben konnte, wusste aber auch, dass mich diese Vorsätze völlig überforderten. Also benannte ich sie um. Sie hießen ab sofort „Wünsche für das neue Jahr“, erschienen nicht mehr auf der to-do-Liste und wurden für ein Jahr in die unterste Schublade meines Schreibtisches gelegt. Das Schöne an ihnen war und ist, dass ich nichts mehr dafür kann, wenn sie am Ende des Jahres nicht erledigt sind. Dann wurden meine Wünsche einfach nicht erhört. Es ist also auch nicht mehr schlimm, wenn ich vergesse, was ich mir eigentlich gewünscht habe, denn ein Wunsch ist ein Wunsch und kein to-do.

Seitdem geht es mir bestens. Ich habe ein ruhiges Gewissen, dass ich mir für das neue Jahr etwas gewünscht habe und kann mich dann in Ruhe zurücklehnen. So wie früher als Kind, wenn ich meinen Wunschzettel fürs Christkind mit der Schrift nach außen ans Fenster geklebt hatte und dann nur noch warten musste, dass meine Wünsche in Erfüllung gingen. Herrlich!