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Gefangen im Dilemma?

Sonntag, 18. April 2010

Jetzt habe ich wieder viel zu lange nicht mehr gebloggt. Aber irgendwie hat man in diesem Schwangerschafts-Endspurt doch weniger Energie als man so denkt – insofern hoffe ich auf Euer Verständnis!

Was mir im Laufe der letzten Wochen aufgefallen ist, dass ich mich in meinem Blog bisher sehr wenig mit dem Thema Wirtschaft auseinandergesetzt habe – obwohl ich es studiert habe. Und es sehr spannend finde. Das möchte ich nun ändern.

Aktuell, wie Ihr vielleicht mitbekommen habt, findet in Mainz die größte Frequenzversteigerung in der Geschichte der Bundesrepublik statt. Ich habe mich in den letzten Wochen näher damit befasst, möchte aber nicht zu sehr ins Detail gehen, sondern mich auf etwas Theoretisches und dabei sehr Wesentliches fokussieren – die Grundlagen der Spieltheorie. Nicht erschrecken, dass dieser Post mal etwas tiefergeht als manche zuvor – daran ist der Mutterschutz Schuld und die Tatsache, dass ich zu viel Zeit habe. Bald bin ich wieder oberflächlicher, ich verspreche es :-)

Zum Hintergrund: Die letzte Frequenzversteigerung fand im Jahr 2000 statt. Damals ging es um die UMTS-Frequenzen, die wir heute alle nutzen, wenn wir mobil unterwegs sind und uns entweder via Handy oder Laptop ins Internet einwählen und so bequem von quasi jedem Punkt der Erde arbeiten können. Mir ist diese Mobilität und Flexibilität immens wichtig und zugleich auch der Grundstein für einen Kulturwechsel in der heutigen Arbeitswelt. Die jetzt stattfindende Auktion kann und wird das mobile Arbeiten (und somit auch Leben) noch zusätzlich erleichtern.

Insofern freue ich mich sehr auf die neue Technologie.

Zugleich hoffe ich, dass T-Mobile, Vodafone, E-Plus und O2, die Teilnehmer der Auktion, etwas aus den Geschehnissen von vor zehn Jahren gelernt haben. Ich bin jemand, und das werden alle, die mich besser kennen bestätigen, der sehr unternehmerisch denkt. Insofern versuche ich mich in die Rolle der vier Mobilfunkunternehmen zu versetzen – und nicht in die der Bundesnetzagentur, die ja eine staatliche Instanz darstellt und als Veranstalter der Frequenzaktion fungiert.
Meine Intention wäre es, mit so wenig Aufwand (=Geld) so viel wie möglich (=Frequenzspektrum) zu erreichen. In einer Auktion ist so etwas natürlich nicht leicht, da es ja gerade darum geht, andere zu überbieten. Im Rahmen meines Studiums habe ich mich eingehend mit dieser so genannten Spieltheorie beschäftigt. Bei der Spieltheorie geht es darum, mit den Mitteln der Mathematik abzuleiten, wie wir uns in Konfliktsituationen verhalten. Ein immens wichtiger Bestandteil der Spieltheorie ist das Gefangenendilemma.

Da ich Euch nicht langweilen möchte, ist es am Einfachsten, wenn Ihr Euch kurz diesen Clip (Ausschnitt aus dem Film „A beautiful Mind“) anschaut. Darin wird das Prinzip perfekt beschrieben.

Beim Gefangenendilemma geht es also darum, dass wenn alle Interessenten ein Ziel verfolgen, es sehr wahrscheinlich ist, dass entweder einer oder mehrere Interessenten komplett leer ausgeht und/oder alle (anderen) Interessenten einen überhöhten Preis zahlen müssen. So geschehen eben vor zehn Jahren. Nachzulesen bei Wikipedia:

Auch die Versteigerung der UMTS-Lizenzen in Deutschland dient als Beispiel. Es wurden zwölf Frequenzblöcke für UMTS versteigert, die entweder als 2er- oder 3er-Paket erworben werden konnten. Sieben Bieter (E-Plus/Hutchison, Mannesmann, T-Mobile, Group 3G, debitel, mobilcom und Viag Interkom) nahmen an der Versteigerung im August 2000 teil. Beachtenswert ist auch, dass – wie im theoretischen Original – Absprachen unter den Spielern, also der Mobilfunkanbieter, unterbunden wurden. Nach dem Ausscheiden von debitel nach der 126. Runde am 11. August 2000 waren zwölf Lizenzen für sechs Mobilfunkanbieter vorhanden, also zwei für jeden. Die Summe aller Lizenzen hat zu diesem Zeitpunkt 57,6 Mrd. DM betragen. Durch das Spekulieren der Mobilfunkanbieter auf ein Ausscheiden eines weiteren Anbieters und der Möglichkeit, drei Lizenzen zu erwerben, ging die Bieterschlacht jedoch weiter. In der 173. Runde, am 17. August 2000, gingen je zwei Lizenzen an die sechs verbliebenen Mobilfunkanbieter – ein Ergebnis also, das auch schon in der 127. Runde hätte erreicht werden können. Die Summe, die die Mobilfunkanbieter für alle Lizenzen zahlten, lag nun bei 98,8 Mrd. DM.

Jetzt könnte man sagen: Dann sollen sich T-Mobile, Vodafone, E-Plus und O2 doch absprechen, damit es nicht noch einmal zu solch einem Szenario kommt. Geht aber nicht. Der Mobilfunkmarkt untersagt Preisabsprachen – jeglicher Art.

Nun ist es mein Ziel – wie gesagt –, mobil und flexibel arbeiten und leben zu können. Das wird vor allem dann gelingen, wenn T-Mobile, Vodafone, E-Plus und O2 jetzt ihr Pulver nicht in der Frequenzaktion verschießen, sondern anschließend über genug Mittel verfügen, um in den Ausbau des Netzes investieren zu können. Denn die Frequenzen an sich sind mir egal, ich möchte nach dieser Auktion im ICE, auf der Fähre nach Juist und beim Zahnarzt online sein. Und das zu einem guten Preis, der besonders dann gut sein wird, wenn möglichst viele Wettbewerber im Rennen bleiben.

Insofern hoffe ich, dass sich die bietenden Parteien im Vorfeld der Auktion mit dem Gefangenendilemma beschäftigt haben und sich nicht wieder blind überbieten – wie vor zehn Jahren. Denn das hat am Ende nur dem Staat etwas gebracht.