Artikel-Schlagworte: „Schwangerschaft“

Endspurt – wake me when it´s over!

Dienstag, 27. April 2010

Das dicke Ende!

So! Das wird jetzt mal so ein richtig nörgeliger, anstrengender und vor-Selbstmitleid-zerfließender Blogpost. Ich schöpfe mal so richtig aus den Vollen bevor ich dann in ein paar Wochen wieder viel zu fröhlich, euphorisch und gut gelaunt für diese Welt bin.

Die Ausgangslage ist die folgende:
Der Stichtag von Baby No. 2 war gestern. Und jede Frau da draußen, die schon mal den Stichtag passiert hat, ohne dass das Kind auf der Welt ist, die weiß in welchem pränatalem depressiven Delirium ich mich gerade befinde – und jeder Mann einer solchen Frau auch.

Es ist wie im Zug sitzen, in den Hamburger Hauptbahnhof einlaufen und kurz bevor man das Gleis erreicht bleibt der Zug stehen. Die Türen bleiben geschlossen und der Schaffner sagt durch, dass die Einfahrt in den Bahnhof auf unbestimmte Zeit verschoben ist. Dann fügt er noch hinzu, dass sich die Weiterfahrt um zehn Minuten oder zwei Wochen verzögern kann, das könne man noch nicht so genau sagen. Und er sagt noch, dass man sich doch bitte gedulden möge. Ach ja – und er entschuldigt sich natürlich noch für die Unannehmlichkeiten.

Wieso entschuldigt sich eigentlich bei mir keiner?

Nicht nur, dass ich wie die armen Menschen in dem Zug gerade auf unbestimmte Zeit vertröstet werde. Nein, ich muss diesen Wartezustand auch noch gekleidet in XXL-Zelten, mit Doppelkinn, Wasser in Armen, Beinen und Füßen und einem Bauch von hier bis zum Pluto und zurück ertragen. Und keiner entschuldigt sich!

Baby im Bauch bekommt nichts von meinem Leid hier draußen mit, sondern findet es herrlich, dass es so viel Platz hat und Essen rund um die Uhr ohne Anstrengung zum Nulltarif bekommt. Nur um dann auch richtig ausgeschlafen auf die Welt zu kommen. Toll.

John ist noch zu klein, um meinen Zustand zur Kenntnis zu nehmen und kommentiert ihn nur regelmäßig mit „Oh Mami dick“. Super!

Mein Mann heuchelt Mitleid, genießt aber heimlich die Ruhe vor dem Sturm und ist dankbar für jede Nacht, die er noch durchschlafen kann. Und findet mich in diesem Zustand natürlich angeblich so unglaublich unwiderstehlich. Yeah, right.

Und ich selber übe mich im hardcore-Verdrängen und reagiere auf diese Ungewissheit mit blindem Aktionismus und exzessivem Nestbau-Wahn.
Der Aktionismus zeichnet sich aus durch das komplette Durchbuchen eines Tages mit allen möglichen Terminen, die die Welt nicht braucht: So gehe ich morgen einfach mal zum Friseur. Nur um einen weiteren Termin im Kalender zu haben. Ist auch total sinnvoll, dass ich dorthin gehe, denn im Kreißsaal habe ich natürlich riesengroße Vorteile, wenn ich da topgestylt reingetragen, geschoben oder gerollt werde.

Der akute Nestbau-Wahnsinn ist seinerseits geprägt von Anschaffungen, Dekorationen, Montagen und Reparaturen jeglicher Art, die erstens kaum jemandem auffallen geschweige denn in irgendeiner Form nötig gewesen wären. Denn alles was wirklich wichtig ist, habe ich natürlich längst gekauft oder erledigt.
So kümmere ich mich zurzeit um Anschaffungen wie „Sonnenschutz für die Kinder für das Auto meines Mannes kaufen, in dem die Kinder niemals sitzen werden, da dort überhaupt keine Kindersitze sind“. Oder ich mache Lebensmittel-Hamsterkäufe als ob ab morgen ein Jahr lang Feiertag wäre. Wenn es jetzt schon irgendwo Stollen und Zimtsterne zu kaufen gäbe, seid sicher, ich hätte sie gekauft. Man kann ja nie wissen.

Was aber als Trost am Ende des Tages bleibt ist Mutter Natur. Denn die hat es ja Gott sei Dank so eingerichtet, dass ab der Geburt von Baby wahre Endorphin-Ströme in mir herum fließen und ich Aphrodisiaka und Glückshormone produziere, die die Erotik-Industrie nur so erblassen lassen.
Und plötzlich sind all diese Qualen vergessen, alles ist nur noch schön, das Glück perfekt, das Aussehen egal und die Welt bleibt stehen.

Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie sehr ich mir diesen Zustand gerade wünsche :-)