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Open communication rocks

Montag, 20. Juni 2011

Es war schon immer mein Ziel – wenn nicht sogar Traum – ein Unternehmen so zu führen, dass man gegenüber Mitarbeitern, dem Managementteam und den Gesellschaftern offen, ehrlich und transparent kommuniziert. Die Dinge beim Namen nennt. Einfach sagt wie es ist. Nicht um den heißen Brei herumredet.
Das klingt zunächst mal ziemlich cool, modern und idealistisch.

Ist es auch.

Wenn man es konsequent macht, dann gewinnt man mit open communication Vertrauen und Respekt. Ist glaubwürdig, greifbar, ehrlich und menschlich.

Das ist aber weder einfach noch bequem.

Wie oft habe ich mich dabei erwischt, Dinge, die mich oder das Unternehmen in einem guten Licht erscheinen lassen, gerne offen kommunizieren zu wollen und die schwierigen Themen unter den Tisch fallen zu lassen.
Doch so funktioniert das leider nicht. Besonders Mitarbeiter merken, ob sie immer nur die halbe Geschichte bekommen. Und sie merken erst an unangenehmen, persönlichen oder kritischen Themen, dass man offene Kommunikation wirklich ernst nimmt.

Das Resultat offener Kommunikation ist nicht nur Vertrauen, Glaubwürdigkeit und Respekt. Es gibt auch viele Nebeneffekte.
Positiver und negativer Art.
Positive Effekte sind, dass die Gerüchteküche kleiner, der „Flurfunk“ deutlich unspannender und damit weniger ausgeprägt ist und die Unsicherheit sicherer wird. Es wird weniger gemutmaßt und mehr über Fakten gesprochen. Man beschäftigt sich mehr mit der Gegenwart und Zukunft als mit der Vergangenheit. Und Menschen fühlen sich ernst genommen und geben den Vertrauensvorschuss, den offene Kommunikation mit sich bringt, dem Unternehmen im Idealfall in Form von Loyalität und Motivation zurück.
Negative Auswirkungen sind, dass manchmal gerade erst offene Kommunikation zu Unsicherheit führt, weil man unangenehme Wahrheiten hört, über die man sich sonst gar keine Gedanken gemacht hätte. Außerdem wäre es leichter, wenn es verschiedene Abstufungen von offener Kommunikation geben dürfte, um jedem die verdauliche Menge an Offenheit zu geben, die er am besten verträgt. Das wäre aber nicht offen, sondern eingeschränkt oder abgestuft offen.

Natürlich ist offene Kommunikation nicht wahllos auf jedes Unternehmen gleichermaßen anwendbar. Natürlich müssen börsennotierte Unternehmen mit offener Kommunikation anders umgehen als kleine Startups. Aber die Grundidee, die hinter offener Kommunikation steht, nämlich sich zu trauen die Wahrheit zu sagen, sollte für jeden guten Unternehmer die Basis seines Handelns sein.

Um offen kommunizieren zu können und als Mitarbeiter mit offener Kommunikation umgehen zu können braucht es ein gesundes Maß an Kritikfähigkeit, Selbstreflexion und Selbstbewusstsein. Und man muss bereit sein, Verantwortung zu tragen. Für das was man sagt und für das, was es in Menschen auslöst. Die Wahrheit ist häufig schonungsloser und schmerzhafter als eine Variante, Veränderung oder Abschwächung der Wahrheit. Die Abschwächung ist kurzfristig für Alle angenehmer. Aber sie holt einen ein. Und tut dann mehr weh und wirkt wesentlich länger nach.

Offene Kommunikation ist übrigens keine Bringschuld des Managements gegenüber den Mitarbeitern, sondern eine gegenseitige Pflicht. Die Mitarbeiter sind gleichermaßen aufgefordert, offen ihre Probleme, Wünsche, Kritik, Zweifel und Verbesserungsvorschläge zu kommunizieren. Und werden dafür gelobt und nicht bestraft. Offene Kommunikation darf aber nicht als Automatismus falsch verstanden werden, dass sich alles, was man an- oder ausspricht auch ändert oder berücksichtigt wird. Es wird diskutiert, evaluiert und abgewogen. Und danach wird entschieden. Wie bei jedem anderen Thema auch.

Bei Young Internet haben wir „open communication rocks“ zu einem unserer vier zentralen Unternehmenswerte gemacht, um die Wichtigkeit dieses Grundsatzes für das Unternehmen zu unterstreichen.

Es gab bereits viele Momente, in denen open communication zu großem Zusammenhalt im Team geführt hat, aber auch Tage an denen offene Kommunikation Unverständnis, Unsicherheit und Verärgerung ausgelöst hat. Diese Tage sind wichtig, denn sie machen einem immer wieder bewusst, dass offene Kommunikation kein Selbstläufer ist.

Denn wenn es einfach wäre, würde es ja jeder machen.

Young Internet – the kids company

Montag, 30. Mai 2011

Unser nagelneuer Unternehmensfilm über Young Internet, Panfu und Oloko ist da!
Zwei Wochen lang haben wir selber Interviews gefilmt, geschnitten, vertont und optimiert und nun ist er fertig. Definitiv ein must-see :-)
Der Film ist auf Englisch, da ca. 60% unserer Mitarbeiter nicht Deutsch sind und wir mit Panfu und Oloko in über 12 Ländern aktiv sind. Daher war Englisch wie immer der kleinste gemeinsame Nenner.

P.S. Leitet den Film gerne an jeden weiter, der gerade auf Jobsuche ist:-) Mehr Infos gibt es auf unserer Website.

Wer Zuwanderung stoppt wird Abwanderung ernten

Dienstag, 12. Oktober 2010

Wer zur Zeit über Zuwanderung und Integration spricht begibt sich auf ein Minenfeld. Denn jeder interpretiert das Thema so wie er es verstehen möchte und eine sachliche Diskussion ist kaum möglich. Ich möchte trotzdem darüber schreiben. Und zwar, weil mir das Thema Zuwanderung seit einigen Wochen mehr denn je am Herzen liegt. Und das liegt daran, dass bei Panfu zwanzig verschiedene Nationalitäten arbeiten und über die Hälfte unserer Mitarbeiter nicht aus Deutschland kommen.

Tendenz steigend.

Ich bin stolz darauf, dass wir bei Panfu nicht über Integration reden, sondern sie leben. Mein großer Wunsch ist, dass internationales, multikulturelles Arbeiten in Deutschland nicht die Ausnahme, sondern die Regel wird. Weil es ein Mehrwert für alle Beteiligten ist.

Denn ohne Zuwanderer wäre unser Unternehmen nicht da, wo es heute ist. Ohne unsere ausländischen Fachkräfte hätten wir kaum eine IT, kein Business Intelligence department, kaum Graphiker und nur wenig Game Designer.

Zuwanderung und Integration sind in einem solchen Arbeitsumfeld keine abstrakten Themen, sondern unser tägliches Leben. Bei zwanzig verschiedenen Nationalitäten hat man keinen Integrations-Masterplan. Man beschließt einfache Dinge, die Integration begünstigen. Nämlich, dass die Unternehmenssprache Englisch ist, damit die Fachkräfte sofort losarbeiten können. Und dass es zwei Mal pro Woche Deutschunterricht im Büro gibt. Alles weitere entsteht von selbst.

Alle bei uns im Unternehmen wissen, dass es nur miteinander geht und keiner sieht unsere bunte Mitarbeiter-Mischung als Risiko. Sondern allein als Chance. Denn diese Mischung bietet uns Allen die Möglichkeit mitten in Deutschland international arbeiten zu können. Wir Deutschen müssen nicht auswandern, um die Vorteile von internationalen teams erleben zu dürfen, dafür durften und wollten unsere ausländischen Mitarbeiter zuwandern. Ein absoluter Traum. Nicht nur für uns.

Denn stellt Euch folgende headline vor:

Hochqualifizierte Menschen wandern nach Deutschland ein und hochqualifizierte Deutsche wandern nicht mehr ins Ausland ab.

Der bestcase für Deutschland. Und leider in keinster Weise die Realität.

Denn im vergangenen Jahr wanderten 721.000 Menschen nach Deutschland ein, zugleich zogen aber 734.000 fort.

Und obwohl die Fakten auf der Hand liegen, dass wir – nicht nur aufgrund des Geburtenrückgangs – qualifizierte Zuwanderung brauchen, wird Zuwanderung von Herrn Seehofer pauschal abgetan mit den Worten:

“Es ist doch klar, dass sich Zuwanderer aus anderen Kulturkreisen, wie aus der Türkei und arabischen Ländern, insgesamt schwerer tun. Daraus ziehe ich auf jeden Fall den Schluss, dass wir keine zusätzliche Zuwanderung aus anderen Kulturkreisen brauchen.”

Das ist in dreierlei Hinsicht dumm.

Erstens senden wir damit das Signal an ausländische Fachkräfte „Wir wollen Euch nicht mehr“. Damit schaden wir leider nur uns selbst, denn uns gehen wertvolle Ressourcen verloren und andere Ländern nehmen diese Fachkräfte mit offenen Armen auf.

Zweitens haben wir einen akuten Fachkräftemangel in Deutschland und die bessere Förderung der inländischen Ressourcen kann maximal eine begleitende Maßnahme aber keine Lösung sein. Schon gar keine kurzfristige.

In der heutigen Weltkompakt steht dazu sehr treffend:

Eklatant zeigt sich der Mangel bei Ingenieuren und IT-Spezialisten. Selbst im Krisenjahr 2009, so klagt der Verein Deutscher Ingenieure, konnten 34.000 Ingenieurstellen nicht besetzt werden. 3,4 Milliarden Euro habe dies der Gesamtwirtschaft gekostet. In Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik fehlten nach Angaben des Instituts der deutschen Wirtschaft im Juni 2010 bereits 65.000 Fachkräfte. Es mangelt aber nicht nur an Hochqualifizierten für die Industrie, Engpässe gibt es nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit auch bei Ärzten und Altenpflegern, bei Lehrern, Elektrikern und in den Metallberufen.

Nach einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags beklagen 70 Prozent der Unternehmen Probleme bei der Besetzung von Stellen. Der Mangel dürfte sich noch verschärfen. Wegen des Geburtenrückgangs geht das Arbeitskräftepotenzial bis zum Jahr 2030 um sechs Millionen Menschen zurück. Nötig seien mindestens netto 500.000 mehr Menschen pro Jahr, um unsere Wirtschaftskraft zu sichern, meint Zimmermann vom DIW.

Drittens bezieht sich Seehofer auf einen Zustand, den es gar nicht gibt: den massenhaften Andrang von ausländischen Arbeitskräften. Wir haben kein Zuwanderer-, sondern ein Abwanderer-Problem. Und das lösen wir nicht, in dem wir Zuwanderung unterbinden.

Viel mehr muss die Politik aufpassen, dass ihre Aussagen zum Stopp der Zuwanderung nicht zur Auswanderung führen. Denn wenn Jobs freibleiben, weil wir sie mit Menschen aus Deutschland nicht besetzen können und mit Menschen aus dem Ausland nicht besetzen wollen, gefährdet das unsere Unternehmen und den Wirtschaftsstandort. Denn dann wandern Unternehmen ab und finden ihre Mitarbeiter im Ausland. Vor allem auch qualifizierte deutsche Mitarbeiter.

Denn die dürfen in andere Ländern einwandern.

Beiträge zu diesem Thema in den Medien:

Der ZDF-Beitrag über Panfu zu diesem Thema: Zuwanderung von Fachkräften

Der ARD-Beitrag über Panfu zur Zuwanderungsdebatte: Streit über Zuwanderung

Der Artikel in der Berliner Morgenpost zum Thema: Warum Deutschland Zuwanderer benötigt

Der Artikel in der Welt am Sonntag: Deutschlands gefährliche Zuwanderungslüge

Meine persönliche Bilanz der dmexco 2010

Donnerstag, 16. September 2010

Meine persönlichen Tops der dmexco 2010

  1. Die tolle Stimmung auf der Messe und die Tatsache, dass es wie ein Klassentreffen ist durch die Gänge zu laufen und viele bekannte Gesichter zu sehen
  2. Das Interesse an Panfu und die Vielzahl guter Kooperationsideen, welche wir hoffentlich zahlreich umsetzen werden
  3. Das IBIS-Hotel, welches fünf Minuten von der Messe entfernt ist und den großen Vorteil hatte, dass ich nicht auf ein Taxi angewiesen war, welches es nämlich grundsätzlich während der zwei Tage kaum gab
  4. Das Schnitzelessen im Gruber´s von Sven Schmidt und Daniel Grözinger
  5. Das Get-together von CFP am Mittwochabend
  6. Das Wiedersehen und Feiern mit meinen ehemaligen be2-Kollegen/Freunden
  7. Die OSK-Party wg. der schönen location
  8. Die OMClub-Party, weil ich mich wie auf meiner Abiparty gefühlt habe (und bis 6 Uhr morgens gefeiert habe…)
  9. Die neue Funktion „virtual handshake“ von Xing, die Visitenkarten überflüssig macht (vorausgesetzt der Gesprächspartner ist auf Xing) – leider habe ich das erst nach der Messe erfahren

Meine persönlichen Flops

  1. Eine Stunde Verspätung mit dem ICE-Sprinter (!) am Mittwochmorgen. Rechtfertigt nicht wirklich den Aufschlag von 13,50 Euro.
  2. Kaum Handy- und Datenempfang auf dem Messegelände
  3. Die vielen Visitenkarten, die ich so gerne in elektronischer Form bekommen hätte
  4. Mein Iphone, welches ständig leer war (obwohl ich gar nicht telefonieren konnte)
  5. Die Akute Taxi-Unterversorgung
  6. Die langen Schlangen an der Garderoben-Abgabe
  7. Die Tatsache, dass sowohl Wodka Redbull als auch Cuba Libre bei beiden Parties ausverkauft war und ich Bier trinken musste.
  8. Zu wenig Schlaf (3 Stunden, um konkret zu sein)
  9. Die Tatsache, dass der DJ auf der Party mir nicht gehorcht hat
  10. Die traurige Wahrheit, dass ich keine bzw. kaum noch Stimme habe und mich anhöre wie eine Callcenter-Mitarbeiterin, die eher nachts arbeitet

Meine ersten 100 Stunden im neuen Job – ein erstes Fazit

Dienstag, 14. September 2010

Andere brauchen für ihr erstes Fazit 100 Tage. Ich gebe Euch bereits nach 100 Stunden ein Update. Ich bin eben von der ganz schnellen Sorte:-) Hier nun also meine Tops und Flops der letzten Woche.

In erster Linie war meine erste Woche geprägt von Speed-Dating. So habe ich die ersten vier Tage nahezu komplett damit verbracht, jeden einzelnen Mitarbeiter bei Young Internet persönlich in einem 20-minütigen Gespräch kennen zu lernen. Vom Abteilungsleiter bis zum Azubi. Jeden! Das war superspannend und aus meiner Sicht der beste Start in den neuen Job. Denn jetzt kenne ich alle Namen, alle Funktionen, alle Abteilungen, weiß was die Mitarbeiter toll finden und was sie stört. Habe in sehr kurzer Zeit ein sehr gutes Gefühl für das Unternehmen bekommen und freue mich nun noch mehr auf die Herausforderungen, die vor uns liegen.

Ein weiteres Top der Woche war definitiv, dass ich nicht wirklich wusste, was für eine tolle Stadt Berlin ist (und ich stehe wahrscheinlich immer noch ganz am Anfang dieser Erkenntnis). Ich komme dort morgens so gerne an, gehe dort abends so gerne Essen, liebe das weltoffene und großstädtische Lebensgefühl und freue mich, dass ich durch meine Pendelei best-of-both-worlds bekomme. Das heimische, vertraute, maritime Flair von Hamburg und die aufregende, pulsierende und internationale Atmosphäre von Berlin.

Was war noch toll?

Durchschlafen!

Ich kann Euch das Glücksgefühl nicht beschreiben, das man empfindet, wenn man nach 4 Monaten praktisch erstmalig wieder acht Stunden am Stück schlafen kann. Die Woche in Berlin war wie Urlaub! Wirklich! Zu wissen, dass John & Henry in Hamburg bei meinem Mann in besten Händen sind und ich einfach ins Bett fallen kann, ohne die 4-Uhr-morgens-Flasche zu fürchten, war wirklich paradiesisch. Ich bin so einfach glücklich zu machen…

Positiv überrascht war ich durch die Tatsache, dass mir die Zugfahrerei so gut wie gar nichts ausmacht. Ich finde es eigentlich ganz entspannend 1,5 Stunden im Zug zu sitzen, zu arbeiten, Zeitung zu lesen, zur Ruhe zu kommen und mir Gedanken über die Eindrücke des Tages zu machen. Das ist irgendwie echte Quality-time für mich. Might sound strange, ist aber so.

Natürlich gab es auch Flops.

Hauptflop ist, dass unsere Kinderfrau diese Woche komplett ausfällt und wir somit gleich mal zu Beginn meines neuen Jobs den Ernstfall proben. In diesen Momenten sind Schwiegereltern und Eltern einfach der absolute Fels in der Brandung.

Ein weiterer Flop war der Totalausfall meiner technischen Infrastruktur. Ich habe es in nur einer Woche geschafft, dass zwei Laptops und ein Telefon ihren Geist aufgegeben haben. Dass das bei mir panikartige Zustände auslöst, habe ich glaube ich schon mal durchblicken lassen. Gott sei Dank war die Woche durch das Offline-Speed-Dating gut gefüllt, so dass sich die Entzugserscheinungen in Grenzen hielten.

Alles in allem eine sehr schöne Woche.

In erster Linie auch deshalb, weil ich wieder mal gemerkt habe, dass ich erst mit Kindern und Job wirklich glücklich bin.