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The Big Five for Life – was wirklich im Leben zählt!

Sonntag, 4. September 2011

Während meines Urlaubs habe ich ein Buch gelesen, welches mich schwer beeindruckt hat: The Big Five for Life. Danach habe ich es bei facebook und Twitter empfohlen und wahrscheinlich jedem, den ich getroffen habe, davon erzählt. Dann habe ich 65 Exemplare für alle Mitarbeiter von Young Internet bestellt und jedem am ersten Tag nach meinem Urlaub eines in die Hand gedrückt. Und dann habe ich weitere 20 Exemplare bestellt und schenke sie jetzt guten Freunden und Bekannten – mit persönlicher Widmung natürlich:-) – in der Hoffnung, dass sie das Buch genauso inspirierend, motivierend und beeindruckend finden wie ich.

The Big Five for Life

Und obwohl sich der Ein oder Andere von Euch sicherlich bereits fragt, ob ich an den Erlösen des Buches beteiligt bin (nein) oder eine Affäre mit dem Autor habe (nein), kommt nun auch noch ein Blogpost zum Buch und zwar aus drei Gründen:

  1. Weder auf facebook, noch auf Twitter, sondern nur im persönlichen Gespräch, konnte ich bisher sagen, was mich an dem Buch eigentlich so begeistert hat. Damit das auch all diejenigen hören bzw. nachlesen können, die mich in letzter Zeit nicht persönlich getroffen haben, fasse ich meine highlights hier zusammen.
  2. Ich erwische mich immer noch mehrmals täglich dabei, wie ich die wichtigsten Erkenntnisse des Buches für mich wiederhole, nachlese oder mir vor Augen führe, deshalb hilft es vor allem mir selbst, wenn ich sie jetzt einfach mal aufschreibe und für mich ordne.
  3. Es interessiert mich natürlich brennend, was Eure Meinung zu dem Buch ist, welche Gedanken Ihr beim Lesen hattet und welche Ideen und Konzepte, die in dem Buch vorgestellt werden Ihr großartig und welche unsinnig oder zu idealistisch findet. Daher bietet dieser Blogpost eine Möglichkeit zur Diskussion.

Als ich unseren Mitarbeitern das Buch geschenkt habe, habe ich das mit der Aufforderung verknüpft, mir nach dem Lesen die Ideen oder Konzepte zu nennen, die sie am liebsten bei Young Internet einführen oder leben würden. Die ersten Antworten habe ich bereits bekommen und ganz vorne steht der Wunsch, ab jetzt ein Mal pro Quartal ein Buch geschenkt zu bekommen. Für mich ist dieser Wunsch eine win-win-win-Situation. Die Mitarbeiter gewinnen, denn sie bekommen alle 3 Monate ein spannendes Buch geschenkt. Ich gewinne, denn ich liebe es anderen Menschen Bücher zu empfehlen, die mich selber begeistert haben. Und unser Unternehmen gewinnt, denn die Bücher, die wir verschenken werden natürlich Bücher sein, welche uns fachlich oder menschlich weiterbringen und damit zu besseren und motivierteren Arbeitskräften machen.

Ich werde nicht versuchen, die im Buch hervorragend beschriebenen leadership-Qualitäten, Methoden und Ideen jetzt in komprimierter und schlechter Qualität widerzugeben, sondern lediglich darauf eingehen, was mich besonders beeindruckt, motiviert und inspiriert hat und warum:

1. Big five for life

Zentral ist sicherlich die Idee, dass jeder von uns seine Big Five for life definieren sollte, um für sich herauszufinden, was ihm wirklich wichtig im Leben ist und was er erreichen möchte. Setzt Euch mal hin und überlegt, was die fünf Dinge sind, die dazu führen, dass Ihr am Ende Eures Lebens sagt – das war genau das Leben, was ich führen wollte! Kreist im Kalender alles ein, was zur Erreichung dieser Ziele beiträgt und fragt Euch bei den anderen Einträgen für wen ihr sie macht und warum sie so viel Platz in Eurem Leben einnehmen, wenn sie nicht dazu beitragen, eines Eurer fünf Ziele zu erreichen. Die fünf Ziele, die man für sich definiert, müssen nicht unmittelbar umsetzbar sein, aber man sollte bereits heute damit beginnen die Weichen zu stellen, um sie irgendwann zu erreichen. So ist zum Beispiel eins meiner Big Five for Life die Weltreise, die ich 2013/2014 machen möchte. Es dauert noch bis wir sie antreten, aber sie ist schon heute auf meinem Radar und fester Bestandteil meiner Pläne.

2. Museum Day

Die Idee, dass für jeden von uns am Ende unseres Lebens ein Museum gebaut wird, in dem die durchschnittlich 28.200 Tage unseres Lebens mit Videos, Fotos und Texten dargestellt werden, finde ich sehr cool. Und zwar in erster Linie deshalb, weil es alle Pläne und Ziele auf sehr anschauliche Weise auf den einzelnen Tag herunterbricht. An jedem Morgen an dem man aufsteht beginnt ein neuer Tag, der irgendwann im eigenen Museum ausgestellt wird. Dieser Gedanke motiviert mich sehr, dass an jedem Tag zumindest eine Sache passiert sein sollte, die diesen Tag spannend und lebenswert gemacht hat.

3. „People matter“ ist ein profit-driver

Häufig werden das Schaffen einer Unternehmenskultur, Unternehmenswerte, Visionen, eine Mission und Mitarbeiterentwicklung als soft skills, weiche Faktoren oder nice-to-haves abgetan und belächelt. Mit der Begründung sie seien nicht unmittelbar ergebnisrelevant und damit Luxus und im schlimmsten Fall sogar Zeitverschwendung.

Das Gegenteil ist der Fall.

Den Mitarbeiter (Menschen) in den Mittelpunkt der Überlegungen rund um die Zukunftsfähigkeit und den Erfolg eines Unternehmens zu stellen ist meiner Meinung nach der Schlüssel zum Erfolg, um den Ertrag zu steigern. Und mit Sicherheit kein soft factor. Wenn Menschen sich ernst genommen fühlen, gefördert und gefordert werden, Teil einer Unternehmenskultur sind, die menschlich ist, dann ist das Ergebnis, dass sie motiviert, produktiv, proaktiv sind und Freude an ihrer Arbeit haben. Das wiederum führt dazu, dass sie konzentrierter arbeiten, 120% geben, ihre Ideen in das Unternehmen einbringen und mehr Output generieren. Und dass sie bleiben wollen. So sinkt die Fluktuation, das Knowhow bleibt im Unternehmen und es entsteht eine Kontinuität, von der Kunden, Kollegen und Kooperationspartner profitieren. Und besonders profitiert das Unternehmen selbst und sein betriebswirtschaftliches Ergebnis. Denn bei konstanten Kosten wird die Produktivität und damit der Umsatz gesteigert. Damit ist für mich die Schaffung einer Unternehmenskultur, welche auf Output und Motivation ausgerichtet ist, ein echter business case und mit Sicherheit kein überflüssiger soft factor.

Und ein zweiter Gedanke des Buches passt zu dieser Erkenntnis: Culture and success roll downhill. Mit anderen Worten: Die Unternehmenskultur und der Erfolg eines Unternehmens hängen vom Management ab und es ist ihre Verantwortung ein Unternehmen so zu formen, dass die Mitarbeiter ihr Bestes geben können und wollen. Wenn ein Unternehmen nicht erfolgreich ist oder Mitarbeiter jenseits ihres Gehalts keine Motivation haben bei einem Unternehmen zu arbeiten, dann liegt das einzig und allein am Management. Nicht an den Mitarbeitern. Es ist Aufgabe des Managements eine Kultur zu schaffen, die motiviert, antreibt und zum Erfolg führt.

4. Director of first impression

Eine Idee, die mich besonders fasziniert hat, ist es einen “Director of first impression” zu haben. Das bedeutet, dass sich eine Person damit beschäftigt, sich in alle stakeholder des Unternehmens hineinzuversetzen und herauszufinden, wie das Unternehmen ihnen gegenüber auftritt bzw. in Zukunft auftreten möchte. Wie wird ein Kunde behandelt, wenn er beim Unternehmen anruft? Wie, wenn er eine Email schreibt? Was ist der erste Eindruck eines Besuchers, der im Büro vor Ort ist? Wie spricht das Unternehmen mit Kooperationspartnern? Wie behandelt es Dienstleister? Wie geht es auf seine Kunden ein? Das sind die Fragen, die sich der “Director of first impression” stellt und das sind die Situationen in die er sich regelmäßig begibt. Um sicherzustellen, dass das Unternehmen sich seines Fremdbildes bewusst ist und sich gegenüber allen Anspruchsgruppen so verhält, dass es zur Unternehmenskultur passt und ein konsistentes und damit glaubwürdiges und vertrauenserweckendes Bild nach außen und innen abgibt.

5. Always write the ending first

“We either write the ending we want, and then create a life that gets us there, or we end up living someone else´s story, and having an ending that pales compared to the one we would have written for ourselves”.

Dieser Gedanke ist cool, denn er zwingt einen, sich seiner Ziele bewusst zu werden und die eigenen Träume zu Ende zu denken. Wie soll etwas sein, wenn es fertig ist? Auf welches Leben möchte man gerne eines Tages zurück blicken? Was macht einen wirklich glücklich? Natürlich bin ich der Meinung, dass man auch Raum für Glück und Zufall in seinem Leben lassen sollte und sich die Flexibilität erhalten sollte, Pläne anzupassen oder zu verändern. Denn das wird sich sowieso nicht vermeiden lassen. Aber das Ende zuerst zu schreiben ist eigentlich nichts anderes als sich heute schon das Museum vorzustellen, welches am Ende unseres Lebens für uns gebaut wird und sich seiner Big Five bewusst zu werden, um herauszufinden, was uns wirklich glücklich macht. Und vor allem was nicht.

An dieser Stelle zwinge ich mich aufzuhören.

Ich denke es ist offensichtlich, dass dieses Buch zum Nachdenken anregt. Egal, ob man das Buch überzogen, inspirierend, weltfremd, motivierend, idealistisch, beeindruckend oder abgehoben findet, es ist auf keinen Fall Zeitverschwendung, es zu lesen.

Happy reading!

Starke Frauen im Portrait

Donnerstag, 9. Dezember 2010

Am Wochenende kam mir eine Idee. Eine sehr gute wie ich finde.

Hier die Kurzvariante:

Erster Gedankengang: Ich liebe mein Blog. Ich liebe Videoposts. Ich liebe meine Flip. Ich nutze sie viel zu wenig.

Zweiter Gedankengang: Ich bewundere starke Frauen. Ich kenne viele. Ich weiß viel zu wenig über sie.

Resultat: Ich werde ab sofort in unregelmäßigen Abständen starke Frauen in meinem Blog portraitieren. Und zwar in Video-Interview-Form. Erstens macht mir das bestimmt Monsterspaß. Zweitens macht es ihnen hoffentlich Monsterspaß. Und drittens bin ich der festen Überzeugung, dass diese Videos für Euch ein absoluter Hingucker werden.

“Stark” ist für mich dabei ein Synonym für persönlich, offen, unerwartet, lebensnah, verletzlich, lebensfroh, authentisch, cool, erfolgreich, aufopfernd, kreativ, engagiert, euphorisch, nachdenklich – bewundernswert. Frauen mit all ihren Facetten eben. Ich könnte auch einfach “Frauen im Portrait” sagen. Ich finde aber “stark” irgendwie stark. Was nicht heißen soll, dass Frauen nicht auch schwach sein dürfen und sollen. Oder schwach machen dürfen. Das ist dann aber auch wieder stark.

Ich möchte also die Chance nutzen, Frauen zu portraitieren, die mich weiterbringen. Die ich bewundere. Von denen ich mir eine Scheibe abschneiden kann. Denen ich viele Fragen stellen kann und interessante Antworten bekomme. Die ein Vorbild für mich sind. Jede auf ihre Art.

Denn ich bin der festen Überzeugung, dass role models uns in vielen Situationen helfen können. Haben sie dieselben täglichen Herausforderungen? Wem werden sie nicht gerecht? Wie gehen sie damit um? Haben sie Zweifel, Sorgen, Ängste? Wann fühlen sie sich unbesiegbar? Wie feiern sie Erfolge? Wie gehen sie mit Misserfolg um?

Themen gibt es also genug, Frauen gibt es genug. Ich kann also anfangen. Bald geht es los.

Und noch was: Ich kenne auch viele starke Männer. Und habe kein Problem auch sie vor die Kamera zu zerren. Denn auch von ihnen kann man unendlich viel lernen. Wiegt Euch also nicht in Sicherheit. Ich werde es tun.

Die Zukunft der Frauen – inspired by DLD Women

Samstag, 12. Juni 2010

Viele sehr beeindruckende Frauen haben diese Woche auf dem DLD Women von Burda in München sehr wahre Sachen gesagt, über die es sich lohnt ein bisschen nachzudenken und zu schreiben.
Moderiert wurde der Event durch Maria Furtwängler.
Maria Furtwängler
Eine unglaublich beeindruckende Frau, die so vielseitig und aktiv ist, dass man neidisch werden kann. Und das war auch gleich die erste Erkenntnis des Kongresses. Ich habe mich selber, aber auch viele andere Frauen dabei erwischt, wie man bei einer erfolgreichen, attraktiven, intelligenten, glücklich verheirateten Frau mit Kindern sofort anfängt den Haken zu suchen. „Die kann doch nicht glücklich sein, das ist doch alles nur Show.“ Oder: „Die wird doch sicherlich ihren Kindern nicht gerecht“. Oder: „Die Ehe ist doch mehr Schein als Sein und im Leben möchte ich nicht tauschen“.
Warum gönnen wir anderen Frauen nicht uneingeschränkt ihren Erfolg, ihr Leben, ihre Zukunft? Warum wollen wir immer ein Haar in der Suppe finden? Die Antwort ist wahrscheinlich ganz einfach: Weil wir uns selber besser fühlen wollen. Weil wir uns selber nicht eingestehen wollen, dass wir eigentlich neidisch sind. Weil wir tief im Inneren schwer beeindruckt sind, was diese Frauen leisten und Angst vor dem Vergleich mit uns selbst haben.
Männern gönnen wir alles. Wenn ein Mann mit seiner attraktiven Frau und seinen Kindern uns entgegen kommt und erzählt, dass er gerade befördert wurde, gratulieren wir und bewundern ihn. Denn wir sehen ihn nicht als Konkurrenz oder benchmark. Frauen hingegen beurteilen wir in erster Linie kritisch und suchen krampfhaft nach Fehlern und Schwächen.

Dann kam der Auftritt von Antonella Mei-Pochtler von der Boston Consulting Group in einer Podiumsdiskussion. Sie ist eine perfekte Mischung aus intelligent, witzig, charmant und unglaublich attraktiv.

Antonella Mei-Pochtler

Und das Beste an ihr: Sie ist schonungslos ehrlich.

“Women can get to the top, but do they want to go there”?
“Wenn Du als Frau Karriere machen möchtest, musst Du bereit sein, viel zu opfern.”

Sie hat nicht um den heißten Brei herumgeredet, sondern deutlich gesagt, dass der Mangel an weiblichen Führungskräften in Deutschland nicht nur daran liegt, dass Frauen keine Chance bekommen, sondern dass sie die Chance viel zu selten ergreifen (wollen). Weil sie merken, dass es „da oben“ ganz schön kalt und ungemütlich ist. Weil man seine Familie sehr wenig sieht. Weil man kaum noch Zeit für sich selbst hat. Und vor allem: weil man als Frau Alternativen hat, die ein Mann nicht hat.
In unserer Gesellschaft wird ein Mann nach wie vor hauptsächlich an seiner beruflichen Performance gemessen. Er ist erfolgreich und wird bewundert, wenn er im Job erfolgreich ist. Eine Frau hingegen hat neben der beruflichen Karriere Alternativen, um bewundert zu werden. Sie kann Mutter sein und sich um ihre Kinder kümmern. Sie kann eine perfekte Köchin sein. Sie kann einen wunderschönen Garten pflegen. Sie kann sich um ihre kranken Eltern kümmern. Und sie kann Karriere machen. Aber das ist eben nur eine Option neben vielen weiteren die sie hat.
Daher muss sie nicht Karriere machen.
Und sobald sie merkt, dass die Karriere immer mehr Zeit mit der Familie und Freunden frisst, entscheidet sie sich gegen einen weiteren Aufstieg und für mehr work-life balance.
Natürlich soll das nicht heißen, dass wir in Deutschland Chancengleichheit haben und dass jede Frau die Karriere machen möchte dieses auch darf. Natürlich gibt es die old-boys-networks, die „gläserne Decke“ und schlicht die Einstellung, dass man Frauen hohe Führungspositionen, gerade in der Wirtschaft, weniger zutraut als Männern. Aber es liegt eben auch an den Frauen selbst.

Silvana Koch-Mehrin war ebenfalls da und hat mir sehr gut gefallen. Sie hat eine sehr sympathische, unaufgeregte und klare Art und schafft es komplizierte oder festgefahrene Sachverhalte (wie z.B. die Frauenquote) sehr anschaulich zu erklären.

Silvana Koch-Mehrin

Sie hat sich eindeutig für die Frauenquote ausgesprochen und zwar aus zwei sehr nachvollziehbaren Gründen. Zum Einen hat sie gesagt, dass es in allen Bereichen der Wirtschaft und besonders in der Politik sehr viele unausgesprochene Quoten gibt. Da gibt es regionale Quoten in der Besetzung von Regierungen, Kabinetten und Arbeitsgruppen. Da gibt es Quoten der unterschiedlichen politischen Familien. Quoten der fachlichen Zusammensetzung von Ministerien. Aber immer wenn es zu einer Quote zur Ausgeglichenheit von Männern und Frauen kommt, schreien alle. Inklusive der Frauen. Sie ist also entweder dafür alle Quoten abzuschaffen (was in ihren Augen unmöglich ist). Oder einfach ganz unaufgeregt eine Frauenquote einzuführen. Ihr zweites Argument war, dass die Erkenntnis, dass mehr Frauen in Politik und Wirtschaft das Land entscheidend voranbringen würden, schon sehr lange da ist, aber es viel zu lange braucht und auch noch brauchen wird, wenn sich dieser Zustand „von alleine“ ändern soll. Die Quote würde einen längst akzeptierten Vorsatz endlich zum Leben erwecken und am Ende allen helfen. Denn Frauen in Führungspositionen zu befördern ist ein business case und kein Ausdruck des Mitleids.

Doris Dörrie sprach über „how to cook your life“. Darunter konnte ich mir erst nichts vorstellen und hätte auch nie gedacht, dass es einer der besten Auftritte des gesamten Kongresses werden würde.
War es aber. Sie hat mich unheimlich beeindruckt und den Nagel bei mehreren Punkten genau auf den Kopf getroffen!

Doris Dörrie

Einer ihrer Kernsätze war (er hängt übrigens schon als reminder an meinem Laptop und am Kühlschrank und am Spiegel im Badezimmer): Das Gras wächst auch ohne mich.
In ihren Augen, wollen Frauen immer alles managen. Ihren Mann, ihre Kinder, ihre Eltern, ihre Freunde, den Haushalt, den Job, die Kollegen, alles. Sie fühlen sich für alles und jeden verantwortlich und wachen bereits morgens mit der latenten Panik auf, dass sie versagen werden. Weil sie sich viel zu viel aufladen. Und erschwerend kommt hinzu, dass das eigentlich niemand in der Form von ihnen erwartet, sondern sie sich den Druck komplett selber machen. Erstaunlicherweise ist das private und berufliche Umfeld genauso glücklich, wenn mal ein Zahnarzttermin vergessen wurde, eine Präsentation erst eine halbe Stunde später erstellt wird oder der Blumenstrauß zum Geburtstag der Großtante einfach mal nicht rechtzeitig ankommt. Und plötzlich gelangt man zu der Erkenntnis: Das Gras wächst auch ohne mich. Und die kann sehr befreiend sein.
Denn auch ich verfalle ständig dem eigen auferlegten Druck alles perfekt managen zu wollen. Statt Geburtsanzeigen für meinen zweiten Sohn im Internet zu drucken, schreibe ich sie alle mit der Hand. Statt das Haus mal zwei Stunden im Chaos versinken zu lassen, räume ich lieber alles während des Mittagsschlafs unseres 5-wochen-alten Sohnes auf. So wacht er dann rechtzeitig auf, wenn alles sauber ist und ich habe mich nicht erholt. Und statt einfach mal einen Sonntag zu Hause zu bleiben, verabrede ich mich und meine Familie mit Freunden und Verwandten, damit wir uns auch bloß nicht erholen. Und seit Doris Dörrie ist mir jetzt sehr bewusst: Meine Freunde und Familie hätten sich auch über gedruckte Geburtsanzeigen gefreut bzw. sie hätten den Unterschied gar nicht bemerkt. Zwei Stunden Chaos bei uns zu Hause stört auch niemanden außer mir selbst. Und ein Sonntag zu Hause macht meine Familie sogar glücklicher als das ständige Hetzen von einem Treffen zum nächsten.

Der DLD Women war natürlich noch viel mehr als das, was ich hier zusammengefasst habe. Aber er war für mich in erster Linie mehr als nur ein Business-Networking-Kongress, sondern hat mich wirklich um einige wichtige Erkenntnisse reicher gemacht.

Aller Anfang ist schwer…

Dienstag, 20. Oktober 2009

Schade, dass man ein Blog nicht mit dem zweiten Blogposting starten kann. Dann müsste man das erste nicht schreiben.

Was mache ich hier eigentlich? Als ob ich nicht schon genug zu tun hätte. Jetzt habe ich also auch noch ein Blog. Selbstgewähltes Schicksal.

Ich twitter, wenn ich Menschen erzählen möchte was und ob ich gefrühstückt habe. Und wenn ich links spannend finde. Oder irgendwas erlebe was ich kurz teilen möchte.

Ich schreibe bei facebook, damit meine Freunde immer wissen wo ich bin, was ich mache und wie ich gerade aussehe.

Ich schreibe ein Blog für meinen Sohn, weil ich es nicht so mit Tagebüchern und Fotoalbum-Kleben habe und damit meine Familie und Freunde an seinem Leben teilhaben können.

Ich aktualisiere mein Profil bei Xing, damit mich jeder beruflich kontaktieren kann.

Und nun habe ich ein Blog. Um meine Gedanken zu sortieren und auszuführen, die ich mir den ganzen Tag mache, aber nie aufschreibe. Um die Links zu kommentieren, die ich bei Twitter unkommentiert lasse. Um die Fotos zu beschreiben, die ich bei facebook einfach nur hochlade. Um Einblick zu geben in was mich bewegt, aufregt, freut, verärgert und beeindruckt. Um Menschen vorzustellen, die ich bewundere und von denen ich noch viel lernen kann. Reicht das als Begründung? Reicht das, um Euer Interesse zu wecken? Wenn nicht, dann lasst mich einfach mal machen. Mir fällt schon was ein.