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Warum ich als Hausfrau ein Total-Ausfall bin

Montag, 1. Februar 2010

Mein engeres Umfeld weiß es seit Jahren (oder Jahrzehnten). Ich will es jetzt erst langsam wahrhaben: Ich habe echte hausfrauliche Defizite.
Und ich trete heute den Beweis an, dass hausfrauliche Fähigkeiten nichts mit dem Geschlecht oder der Erziehung zu tun haben, sondern genetisch bedingt sind. Ich habe übrigens kein einziges Gen im Körper, dass sich für Hausarbeit zuständig fühlt. Die sind irgendwie alle mit anderen Sachen beschäftigt.

Hier nun also meine bestechende Argumentation:
Hausfrauliche Qualitäten sind nicht geschlechtsspezifisch: Meine Schwester und mein Mann sind absolute Outperformer auf diesem Gebiet. Mein Vater und ich hingegen absolute Total-Ausfälle. Damit ist das Argument schon mal entkräftet. Ging relativ schnell.

Hausfrauliche Fähigkeiten haben nichts mit der Erziehung zu tun: Meine Schwester und ich wurden absolut identisch erzogen. Meine Mutter hat sich immense Mühe gegeben, meiner Schwester und mir in jeden Ferien kochen, stricken, häkeln, nähen und bügeln beizubringen. Diese Investition hat sich bei meiner Schwester und mir im Durchschnitt absolut bezahlt gemacht. Meine Schwester ist ein absolutes Ass in all diesen Dingen und ich eine totale Niete.
Bei mir ist wirklich gar nichts hängen geblieben. Und gar nichts heißt gar nichts. Ich kann nicht ohne Rezept Pfannkuchen machen und über Stricken und Häkeln müssen wir gar nicht reden. Ich scheitere beim Annähen eines einfachen Knopfes und bügeln überlasse ich seit zehn Jahren der Reinigung. Selbst das Waschen unserer Wäsche macht mein Mann, da ich die Erlaubnis dafür entzogen bekommen habe, nachdem ich eine bunte Wäsche (im wahrsten Sinne des Wortes bunt: hellblaue Hemden, pinker Rock, rote Bluse, gelbes Oberteil, dunkelblauer Pulli) bei 40 Grad gewaschen habe und alles danach matsch-grau war.

Insofern könnt ihr vielleicht mein Glücksgefühl nachempfinden, welches ich während meiner Internatszeit in Schottland hatte. Dort gab es eine Waschmaschine für vierzig Mädels. Diese hatte ein einziges Waschprogramm, welches 30 Minuten dauerte und die Wäsche kalt wusch. Somit konnte man ohne Bedenken alle Farben, Formen und Stoffe zusammenwaschen, alles kam in Originalfarben wieder raus und man war nach 30 Minuten fertig. In diesen Zeiten gab es Momente, in denen ich mich wie die perfekte Hausfrau gefühlt habe.

Diese Momente sind seitdem sehr selten geworden.

Seit kurzem akzeptiere ich daher meinen Gen-Defekt und stehe nun auch öffentlich dazu. Und das Beste ist: Ich kann überhaupt nichts dafür! Meine Mutter hat alle zuständigen Gene an meine Schwester weitergereicht und mein Vater hatte nie welche. Argumentation abgeschlossen.