Warum ich für Alice Schwarzer schwarz sehe

11. November 2010 | Schlagworte: , , , , , | 5 Kommentare »

Die Feminismus-Debatte zwischen Alice Schwarzer und Kristina Schröder diese Woche hat sicherlich so manchen verwundert oder nachdenklich gemacht. Und Viele haben sich bestimmt auch gefragt, worum es hier eigentlich geht? Da streitet sich die wohl prominenteste Feministin Deutschlands mit einer der erfolgreichsten Frauen in der Politik unseres Landes um die Rolle der Frau.

Ich nehme das mal zum Anlass, um klar Stellung zu beziehen. Das ist gefährlich, mag einseitig, überspitzt oder verallgemeinernd wirken. Ich mache es aber trotzdem. Weil ich es darf und Frau Schröder offensichtlich nicht. Und weil es mir die Chance gibt, diese Thematik hoffentlich sachlich und unideologisch mit Euch zu diskutieren ohne die Polemik politischer Coleur oder die Sensationslust der Medien.

Meine Meinung ist klar: Alice Schwarzer hat ein harmloses, vernünftiges und keinesfalls polarisierendes Interview von Kristina Schröder dafür missbraucht PR in eigener Sache zu machen. Ein „offener Brief“ an die Familienministerin! Und warum? Weil Frau Schröder gesagt hat, dass sie feministische Thesen über die sexuelle Unterwerfung der Frau nicht nachvollziehen kann? Und weil sie gesagt hat, dass wir Frauen an der Lohnungerechtigkeit ein Stück weit selbst Schuld sind? Und weil sie die Frauenquote ablehnt?

Wohl kaum.

Der wahre Grund hinter dieser Debatte ist viel mehr das Hauptproblem von Frauen untereinander: Dass sie einander beneiden und sich so wahnsinnig schwer tun, die Leistung anderer Frauen anzuerkennen und ihnen den Erfolg oder Ruhm zu gönnen. Sie gehen mit anderen Frauen viel härter ins Gericht als mit Männern.

Da haben wir eine 32-jährige intelligente und hübsche Familienministerin und  jede Frau in Deutschland sollte stolz sein, dass es so ist. Aber nein, was machen Frauen in diesem Land? Kritisieren, dass sie keine Kinder hat und Familienministerin ist. Als ob man Hartz IV Empfänger sein müsste, um Arbeitsminister werden zu können. Werfen ihr Inkompetenz (Alice Schwarzer), angewandten Spaltungsirrsin (Renate Künast), und Ahnungslosigkeit (Manuela Schwesig) vor.

Und warum?

Weil Alice Schwarzer & Co. sich nicht eingestehen wollen, dass die jungen und modernen Frauen kein feministisches Manifest mehr benötigen, um im Leben zu bestehen, sondern ihren Weg selbstbewusst, unideologisch und unverkrampft gehen wollen. Weil sie nicht wahrhaben können, dass heutzutage hinter starken und erfolgreichen Frauen in der Regel eher mutige, partnerschaftliche und starke Männer als Feministinnen stehen.  Jahrzehntelang hatten sie etwas für das (bzw. wogegen) sie kämpfen konnten. Das Patriarchat, Ungleichheit, Ungerechtigkeit, Unterdrückung. Und plötzlich müssen sie feststellen, dass die jungen Frauen nicht mehr mitkämpfen wollen. Natürlich liegt der Vorwurf der „Undankbarkeit“ dann nahe. Der häufigste Vorwurf lautet daher, dass wir jungen und unabhängigen Frauen uns auf den Errungenschaften des Feminismus ausruhen, diese für selbstverständlich nehmen und vergessen wem wir diese zu verdanken haben.

Ok, kann ich nachvollziehen. Ihr habt toll gekämpft, danke.

Aber der Feminismus (wenn man ihn überhaupt so nennen möchte) hat sich verändert. Es geht heute viel mehr um den Anspruch, dass Mann und Frau die Chance haben, denselben Lebensweg zu gehen. Und nicht mehr um den Kampf gegen das Patriarchat. Die alten Thesen passen nicht mehr zu unserem heutigen Weltbild und wir können und wollen uns damit auch gar nicht mehr identifizieren. Wir sind stolze und selbstbewusste Frauen, nicht stolze und selbstbewusste Feministinnen.

Unser Geschlecht ist uns nicht mehr so wichtig, wir definieren uns über andere Dinge.

Natürlich gibt es diverse Voraussetzungen, die wir gerade in Deutschland noch verbessern müssen, um die Chancen für denselben Lebensweg von Männern und Frauen zu schaffen und das Potential von Frauen für unsere Gesellschaft und unser Wirtschaftsleben noch viel besser zu nutzen:

Mehr Kinderbetreuungsmöglichkeiten, mehr Akzeptanz für berufstätige Mütter, mehr Respekt unter Frauen unabhängig vom Lebensmodell, mehr Vertrauen in die Stärken und Kompetenzen von Frauen. Aber die lösen wir nicht mit politischen Richtlinien und Gesetzen für Lohngleichheit, Frauenquote und einer Verlängerung des Mutterschutzes.

Denn ich stimme Kristina Schröder absolut zu, wenn Sie sagt, dass Frauen eine Mitschuld daran tragen, dass sie weniger verdienen. „Viele Frauen studieren gerne Germanistik und Geisteswissenschaften, Männer dagegen Elektrotechnik – und das hat eben auch Konsequenzen beim Gehalt“. Doch die Wahl des Studiengangs ist nur ein Teil des Grundes für Lohnungleichgewicht. Ein viel gewichtigerer Grund ist, dass die meisten Frauen sich einfach unter Wert verkaufen. Ich verallgemeinere und überspitze jetzt mal ganz bewusst, um diesen Punkt ganz deutlich zu machen:

Eine Frau stellt ihr Licht gerade in Bewerbungs- , Beförderungs- und Gehaltsgesprächen permanent unter den Scheffel. Auf die Frage „Haben Sie einen solchen Job schon mal gemacht?“ antwortet sie viel zu ehrlich: „Nein, habe ich noch nicht, aber ich bin mir sicher, dass ich das nach einer intensiven Einarbeitungsphase mit parallelem Selbststudium evtl. hoffentlich vielleicht schaffen könnte“.

Ein Mann antwortet: „Ja“.

Nächstes Beispiel. Ein Mann und eine Frau haben bisher beide 48.000 Euro Bruttogehalt verdient und bewerben sich auf dieselbe Stelle. Im Gespräch wird die Frau gefragt: „Was möchten Sie verdienen?“ Ihre Antwort: „ Zur Zeit verdiene ich 48.000 Euro würde mich aber gerne ein bisschen steigern, wenn das ginge. Antwort: „Das geht leider nicht“. Darauf die Frau: „Kein Problem, Gehalt ist für mich auch nicht so wichtig, ich würde den Job dennoch gerne machen.“

Die Antwort des Mannes auf dieselbe Frage: 60.000 Euro.

Und schon verdient er 25% mehr als die Frau.

Sehr überspitzt, ich weiß, aber viel zu oft die Realität, wie ich in diversen Gesprächen mit Bewerbern oder im Freundes- und Bekanntenkreis schon oft mitbekommen habe.

Was ich mit dem Beispiel deutlich machen möchte? Wir müssen Frauen viel mehr helfen, sich selbst zu helfen (oder vor sich selbst zu schützen) als sie mit ideologischen Parolen zu indoktrinieren.

Der Kampf der traditionellen Feministinnen ist gekämpft.

Nun ist es an jeder einzelnen Frau, das für sie Beste und Meiste aus ihrem Leben herauszuholen. Denn Chancengleichheit definiert sich heutzutage für mich darüber, dass wir Frauen alleine entscheiden dürfen, welchen Weg wir gehen wollen. Ohne Regeln, ohne Vorschriften, ohne Grenzen. Keiner sagt mehr, wie es sein muss. Ob wir uns für Karriere, Familie oder beides entscheiden, liegt in unserem eigenen Ermessen. Die große Herausforderung besteht lediglich darin, dass wir einander diesen Freiraum lassen. Und ihn akzeptieren, respektieren und hoffentlich sogar bewundern.

Das fällt bisher eher den Frauen schwer. Nicht den Männern.

Wer Zuwanderung stoppt wird Abwanderung ernten

12. Oktober 2010 | Schlagworte: , , , , , , | 1 Kommentar »

Wer zur Zeit über Zuwanderung und Integration spricht begibt sich auf ein Minenfeld. Denn jeder interpretiert das Thema so wie er es verstehen möchte und eine sachliche Diskussion ist kaum möglich. Ich möchte trotzdem darüber schreiben. Und zwar, weil mir das Thema Zuwanderung seit einigen Wochen mehr denn je am Herzen liegt. Und das liegt daran, dass bei Panfu zwanzig verschiedene Nationalitäten arbeiten und über die Hälfte unserer Mitarbeiter nicht aus Deutschland kommen.

Tendenz steigend.

Ich bin stolz darauf, dass wir bei Panfu nicht über Integration reden, sondern sie leben. Mein großer Wunsch ist, dass internationales, multikulturelles Arbeiten in Deutschland nicht die Ausnahme, sondern die Regel wird. Weil es ein Mehrwert für alle Beteiligten ist.

Denn ohne Zuwanderer wäre unser Unternehmen nicht da, wo es heute ist. Ohne unsere ausländischen Fachkräfte hätten wir kaum eine IT, kein Business Intelligence department, kaum Graphiker und nur wenig Game Designer.

Zuwanderung und Integration sind in einem solchen Arbeitsumfeld keine abstrakten Themen, sondern unser tägliches Leben. Bei zwanzig verschiedenen Nationalitäten hat man keinen Integrations-Masterplan. Man beschließt einfache Dinge, die Integration begünstigen. Nämlich, dass die Unternehmenssprache Englisch ist, damit die Fachkräfte sofort losarbeiten können. Und dass es zwei Mal pro Woche Deutschunterricht im Büro gibt. Alles weitere entsteht von selbst.

Alle bei uns im Unternehmen wissen, dass es nur miteinander geht und keiner sieht unsere bunte Mitarbeiter-Mischung als Risiko. Sondern allein als Chance. Denn diese Mischung bietet uns Allen die Möglichkeit mitten in Deutschland international arbeiten zu können. Wir Deutschen müssen nicht auswandern, um die Vorteile von internationalen teams erleben zu dürfen, dafür durften und wollten unsere ausländischen Mitarbeiter zuwandern. Ein absoluter Traum. Nicht nur für uns.

Denn stellt Euch folgende headline vor:

Hochqualifizierte Menschen wandern nach Deutschland ein und hochqualifizierte Deutsche wandern nicht mehr ins Ausland ab.

Der bestcase für Deutschland. Und leider in keinster Weise die Realität.

Denn im vergangenen Jahr wanderten 721.000 Menschen nach Deutschland ein, zugleich zogen aber 734.000 fort.

Und obwohl die Fakten auf der Hand liegen, dass wir – nicht nur aufgrund des Geburtenrückgangs – qualifizierte Zuwanderung brauchen, wird Zuwanderung von Herrn Seehofer pauschal abgetan mit den Worten:

“Es ist doch klar, dass sich Zuwanderer aus anderen Kulturkreisen, wie aus der Türkei und arabischen Ländern, insgesamt schwerer tun. Daraus ziehe ich auf jeden Fall den Schluss, dass wir keine zusätzliche Zuwanderung aus anderen Kulturkreisen brauchen.”

Das ist in dreierlei Hinsicht dumm.

Erstens senden wir damit das Signal an ausländische Fachkräfte „Wir wollen Euch nicht mehr“. Damit schaden wir leider nur uns selbst, denn uns gehen wertvolle Ressourcen verloren und andere Ländern nehmen diese Fachkräfte mit offenen Armen auf.

Zweitens haben wir einen akuten Fachkräftemangel in Deutschland und die bessere Förderung der inländischen Ressourcen kann maximal eine begleitende Maßnahme aber keine Lösung sein. Schon gar keine kurzfristige.

In der heutigen Weltkompakt steht dazu sehr treffend:

Eklatant zeigt sich der Mangel bei Ingenieuren und IT-Spezialisten. Selbst im Krisenjahr 2009, so klagt der Verein Deutscher Ingenieure, konnten 34.000 Ingenieurstellen nicht besetzt werden. 3,4 Milliarden Euro habe dies der Gesamtwirtschaft gekostet. In Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik fehlten nach Angaben des Instituts der deutschen Wirtschaft im Juni 2010 bereits 65.000 Fachkräfte. Es mangelt aber nicht nur an Hochqualifizierten für die Industrie, Engpässe gibt es nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit auch bei Ärzten und Altenpflegern, bei Lehrern, Elektrikern und in den Metallberufen.

Nach einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags beklagen 70 Prozent der Unternehmen Probleme bei der Besetzung von Stellen. Der Mangel dürfte sich noch verschärfen. Wegen des Geburtenrückgangs geht das Arbeitskräftepotenzial bis zum Jahr 2030 um sechs Millionen Menschen zurück. Nötig seien mindestens netto 500.000 mehr Menschen pro Jahr, um unsere Wirtschaftskraft zu sichern, meint Zimmermann vom DIW.

Drittens bezieht sich Seehofer auf einen Zustand, den es gar nicht gibt: den massenhaften Andrang von ausländischen Arbeitskräften. Wir haben kein Zuwanderer-, sondern ein Abwanderer-Problem. Und das lösen wir nicht, in dem wir Zuwanderung unterbinden.

Viel mehr muss die Politik aufpassen, dass ihre Aussagen zum Stopp der Zuwanderung nicht zur Auswanderung führen. Denn wenn Jobs freibleiben, weil wir sie mit Menschen aus Deutschland nicht besetzen können und mit Menschen aus dem Ausland nicht besetzen wollen, gefährdet das unsere Unternehmen und den Wirtschaftsstandort. Denn dann wandern Unternehmen ab und finden ihre Mitarbeiter im Ausland. Vor allem auch qualifizierte deutsche Mitarbeiter.

Denn die dürfen in andere Ländern einwandern.

Beiträge zu diesem Thema in den Medien:

Der ZDF-Beitrag über Panfu zu diesem Thema: Zuwanderung von Fachkräften

Der ARD-Beitrag über Panfu zur Zuwanderungsdebatte: Streit über Zuwanderung

Der Artikel in der Berliner Morgenpost zum Thema: Warum Deutschland Zuwanderer benötigt

Der Artikel in der Welt am Sonntag: Deutschlands gefährliche Zuwanderungslüge

Ökologische Intelligenz

26. September 2010 | Schlagworte: , , | 5 Kommentare »

Ausgelöst durch einen Freund, der mir erzählt hat, dass er zu Climate Partners wechselt, eine junge Frau, die ich auf der dmexco getroffen habe, die das Startup ecogood gründet, das Unternehmen Arktik und die Tatsache, dass unsere Gelbe-Sack-Beutel alle sind, habe ich mir am Wochenende Gedanken über meine Einstellung zu Umwelt und Nachhaltigkeit gemacht.

Ich bin jetzt einfach mal so selbstbewusst zu behaupten, dass ich nicht dumm und besonders auch im Bereich der emotionalen Intelligenz kein Totalausfall bin.

Im Bereich der ökologischen Intelligenz – so nenne ich jetzt einfach mal die Fähigkeit und Einstellung sich ökologisch nachhaltig und sinnvoll zu verhalten – habe ich jedoch so meine Zweifel, ob ich da ein echter Out-performer bin. Bzw. ich weiß, dass ich keiner bin.

Woran merke ich das? Ein Geständnis:

  1. Wir haben im ganzen Haus keine Energiesparlampe und die Ankündigung, dass es bald keine richtigen Glühbirnen mehr geben würde, hat bei mir eher zu Hamsterkäufen geführt.
  2. Ich trenne den Müll in Hausmüll, Papier und Gelben Sack, aber ehrlich gesagt nur, weil mein strenger Mann aufpasst, dass ich das tue. Und weil man das eben macht. Und weil unsere Mülltonne sonst immer so schnell voll ist, wenn ich da auch noch Plastik reinwerfe. Wenn allerdings unsere Gelben Säcke alle sind, dann habe ich absolut kein schlechtes Gewissen alles in einen Mülleimer zu werfen. Ich empfinde das sogar als echte Komplexitätsverringerung in meinem Leben.
  3. Alle technischen Geräte in unserem Haushalt sind auf Standby und dass obwohl ich schon hundert Mal gehört habe, wie viel Strom es jährlich spart, wenn man alle Geräte ausschaltet. Trotzdem sind sie an.
  4. Ich fahre ein Auto, das ich schön finde, welches aber sicherlich nicht den nächsten Umweltpreis gewinnen wird. Mein Fahrrad finde ich übrigens auch schön, benutze es aber viel zu wenig.
  5. Wir haben eine Heizlampe über der Wickelkommode, ich habe ein Glätteeisen für meine Haare und wahrscheinlich noch zwanzig weitere technische Geräte im Haushalt, die definitiv in die Kategorie Strom-Fresser fallen.
  6. Bei einer CO2-Ausstoß-Analyse unseres Haushaltes müssten wir so einiges an Klimazertifikaten kaufen, um uns klimaneutral zu stellen.
  7. In Momenten, in denen ich ein schlechtes Gewissen über meinen Mangel an ökologischer Intelligenz habe, tröste ich mich mit dem Gedanken, dass die Amerikaner viel schlimmer sind.

Woran liegt das? Ein Erklärungsversuch:

Ich wurde 1979 geboren. Die 80er Jahre waren davon geprägt, dass ein ökologisches Bewusstsein Einzug in die Gesellschaft erhielt. Mein Mann, der diese Zeit – 1964 geboren – sehr aktiv miterlebt hat, beschreibt es als ein grünes Lebensgefühl, welches in dieser Zeit – gerade bei jungen Leuten – geprägt wurde. Man machte sich  Gedanken um die Nachhaltigkeit seines Handelns und fing an Verantwortung für Umweltthemen zu übernehmen. Grün-sein war kein Trend, sondern eine Überzeugung.

In dieser für Umweltbewusstsein wohl sehr prägenden Zeit war ich 0-10 Jahre alt und habe wenig von dem Thema mitbekommen. Mein Mann hingegen hat aus dieser Zeit Erinnerungen wie “die ersten autofreien Sonntage”, “Ölkrise”, “Leere Autobahnen”, “Bäume am Baggersee pflanzen” oder Helmut Schmidts mahnende Worte “Lasst Eure Autos stehen, 2005 geht uns das Öl aus”.

Als ich dann 15 Jahre aufwärts war und mich begann für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu interessieren, spielten weder “Die Grünen” noch die Umweltbewegung eine dominante Rolle. “Ökos” waren eher eine Randgruppe, die wir etwas wunderlich fanden. Themen wie die deutsche Einheit und die Anfänge der New Economy brannten sich viel mehr in meinen Kopf ein. Mein Vater war zwar ein großer Nutzer von Energiesparlampen und vertraute besonders im Winter eher auf Körpertemperatur denn auf Heizkörper. Ich glaube aber das war eher ostwestfälische Sparsamkeit als intrinsisches Umweltbewusstsein.

Folglich kann ich mir meine mangelhafte ökologische Intelligenz nur dadurch erklären, dass sie in meiner Kindheit und Jugend nicht wirklich angelegt wurde.

Doch eigentlich gab es doch gerade in den letzten Jahren genug Gelegenheit dieses Versäumnis nachzuholen? Seit ein paar Jahren erleben wir einen erneuten Boom für Themen wie Nachhaltigkeit, CO2-Bilanz und Umweltbewusstsein. Große Umweltkatastrophen verstärken die Erkenntnis, dass wir uns mehr Gedanken um unsere Umwelt machen sollten. Nachhaltigkeits-Fonds, Social Venture Funds und Sustainability-Kapitel in Geschäftsberichten sind zentraler Bestandteil unseres Wirtschaftslebens geworden.

Und obwohl es eigentlich keiner großen Überzeugung mehr bedürfte, dass wir knappe Ressourcen schonen, nachhaltig Wirtschaften und uns ökologisch sinnvoll verhalten müssen, springt der Funke bei mir – gerade in den kleinen Dingen des Alltags – leider nur sehr langsam über. Ob ich eine (negative) Ausnahme meiner Generation oder die Regel bin, kann ich schwer beurteilen.

Fakt ist, dass ich “ökologische Intelligenz” (noch) nicht auf meinen Lebenslauf schreiben kann. Und wenn ich es täte wäre es vergleichbar damit, dass ich auch viele Jahre lang bei Sprachen “Spanisch – fließend” geschrieben habe.

“No puedo hablar espanol” ist ungefähr alles was ich noch kann.

Meine persönliche Bilanz der dmexco 2010

16. September 2010 | Schlagworte: , , , | 2 Kommentare »

Meine persönlichen Tops der dmexco 2010

  1. Die tolle Stimmung auf der Messe und die Tatsache, dass es wie ein Klassentreffen ist durch die Gänge zu laufen und viele bekannte Gesichter zu sehen
  2. Das Interesse an Panfu und die Vielzahl guter Kooperationsideen, welche wir hoffentlich zahlreich umsetzen werden
  3. Das IBIS-Hotel, welches fünf Minuten von der Messe entfernt ist und den großen Vorteil hatte, dass ich nicht auf ein Taxi angewiesen war, welches es nämlich grundsätzlich während der zwei Tage kaum gab
  4. Das Schnitzelessen im Gruber´s von Sven Schmidt und Daniel Grözinger
  5. Das Get-together von CFP am Mittwochabend
  6. Das Wiedersehen und Feiern mit meinen ehemaligen be2-Kollegen/Freunden
  7. Die OSK-Party wg. der schönen location
  8. Die OMClub-Party, weil ich mich wie auf meiner Abiparty gefühlt habe (und bis 6 Uhr morgens gefeiert habe…)
  9. Die neue Funktion „virtual handshake“ von Xing, die Visitenkarten überflüssig macht (vorausgesetzt der Gesprächspartner ist auf Xing) – leider habe ich das erst nach der Messe erfahren

Meine persönlichen Flops

  1. Eine Stunde Verspätung mit dem ICE-Sprinter (!) am Mittwochmorgen. Rechtfertigt nicht wirklich den Aufschlag von 13,50 Euro.
  2. Kaum Handy- und Datenempfang auf dem Messegelände
  3. Die vielen Visitenkarten, die ich so gerne in elektronischer Form bekommen hätte
  4. Mein Iphone, welches ständig leer war (obwohl ich gar nicht telefonieren konnte)
  5. Die Akute Taxi-Unterversorgung
  6. Die langen Schlangen an der Garderoben-Abgabe
  7. Die Tatsache, dass sowohl Wodka Redbull als auch Cuba Libre bei beiden Parties ausverkauft war und ich Bier trinken musste.
  8. Zu wenig Schlaf (3 Stunden, um konkret zu sein)
  9. Die Tatsache, dass der DJ auf der Party mir nicht gehorcht hat
  10. Die traurige Wahrheit, dass ich keine bzw. kaum noch Stimme habe und mich anhöre wie eine Callcenter-Mitarbeiterin, die eher nachts arbeitet

Meine ersten 100 Stunden im neuen Job – ein erstes Fazit

14. September 2010 | Schlagworte: , , , , | Keine Kommentare »

Andere brauchen für ihr erstes Fazit 100 Tage. Ich gebe Euch bereits nach 100 Stunden ein Update. Ich bin eben von der ganz schnellen Sorte:-) Hier nun also meine Tops und Flops der letzten Woche.

In erster Linie war meine erste Woche geprägt von Speed-Dating. So habe ich die ersten vier Tage nahezu komplett damit verbracht, jeden einzelnen Mitarbeiter bei Young Internet persönlich in einem 20-minütigen Gespräch kennen zu lernen. Vom Abteilungsleiter bis zum Azubi. Jeden! Das war superspannend und aus meiner Sicht der beste Start in den neuen Job. Denn jetzt kenne ich alle Namen, alle Funktionen, alle Abteilungen, weiß was die Mitarbeiter toll finden und was sie stört. Habe in sehr kurzer Zeit ein sehr gutes Gefühl für das Unternehmen bekommen und freue mich nun noch mehr auf die Herausforderungen, die vor uns liegen.

Ein weiteres Top der Woche war definitiv, dass ich nicht wirklich wusste, was für eine tolle Stadt Berlin ist (und ich stehe wahrscheinlich immer noch ganz am Anfang dieser Erkenntnis). Ich komme dort morgens so gerne an, gehe dort abends so gerne Essen, liebe das weltoffene und großstädtische Lebensgefühl und freue mich, dass ich durch meine Pendelei best-of-both-worlds bekomme. Das heimische, vertraute, maritime Flair von Hamburg und die aufregende, pulsierende und internationale Atmosphäre von Berlin.

Was war noch toll?

Durchschlafen!

Ich kann Euch das Glücksgefühl nicht beschreiben, das man empfindet, wenn man nach 4 Monaten praktisch erstmalig wieder acht Stunden am Stück schlafen kann. Die Woche in Berlin war wie Urlaub! Wirklich! Zu wissen, dass John & Henry in Hamburg bei meinem Mann in besten Händen sind und ich einfach ins Bett fallen kann, ohne die 4-Uhr-morgens-Flasche zu fürchten, war wirklich paradiesisch. Ich bin so einfach glücklich zu machen…

Positiv überrascht war ich durch die Tatsache, dass mir die Zugfahrerei so gut wie gar nichts ausmacht. Ich finde es eigentlich ganz entspannend 1,5 Stunden im Zug zu sitzen, zu arbeiten, Zeitung zu lesen, zur Ruhe zu kommen und mir Gedanken über die Eindrücke des Tages zu machen. Das ist irgendwie echte Quality-time für mich. Might sound strange, ist aber so.

Natürlich gab es auch Flops.

Hauptflop ist, dass unsere Kinderfrau diese Woche komplett ausfällt und wir somit gleich mal zu Beginn meines neuen Jobs den Ernstfall proben. In diesen Momenten sind Schwiegereltern und Eltern einfach der absolute Fels in der Brandung.

Ein weiterer Flop war der Totalausfall meiner technischen Infrastruktur. Ich habe es in nur einer Woche geschafft, dass zwei Laptops und ein Telefon ihren Geist aufgegeben haben. Dass das bei mir panikartige Zustände auslöst, habe ich glaube ich schon mal durchblicken lassen. Gott sei Dank war die Woche durch das Offline-Speed-Dating gut gefüllt, so dass sich die Entzugserscheinungen in Grenzen hielten.

Alles in allem eine sehr schöne Woche.

In erster Linie auch deshalb, weil ich wieder mal gemerkt habe, dass ich erst mit Kindern und Job wirklich glücklich bin.