Social Media für B2B-Unternehmen – was ist wirklich sinnvoll?

20. Januar 2011 | Schlagworte: , , , , , , , , , | 6 Kommentare »

Seit Wochen habe ich hier nichts geschrieben. So viele Themen sind in meinem Kopf gewesen, aber bei keinem habe ich mich wirklich kompetent oder berufen gefühlt, darüber zu schreiben. Und es waren einfach auch noch so viele andere Themen in meinem Kopf, über die ich nicht schreiben wollte, so dass ich eine regelrechte Schreibblockade hatte. Heute war der Relaunch von Panfu in 12 Ländern und nachdem dieser nun erfolgreich live gegangen ist, habe ich wieder Platz frei für andere Gedanken.

Beim Thema Social Media für B2B-Unternehmen fühle ich mich auch nicht kompetent, aber ich habe zumindest eine klare Meinung. Und die stelle ich gerne zur Diskussion.

Der Grund, warum ich über dieses Thema schreibe ist, dass ich von vielen Unternehmen angesprochen wurde, die keine Endverbraucher als Kunden haben, sondern in erster Linie andere Unternehmen oder Händler. Und deren Marken beim Endverbraucher so gut wie nicht bekannt sind. Und auch nicht bekannt sein müssen. Trotzdem fragen sich diese Unternehmen natürlich, ob nicht auch sie transparenter und präsenter im Internet sein müssten? Und vor allem wie sie das richtig anstellen? Und ob das überhaupt Sinn macht? Und wenn ja, welchen?

Meine Antwort ist: Ja.

Ja, es macht Sinn, wenn sich auch B2B- Unternehmen mit mehr als einer Standard-Unternehmenswebsite im Netz präsentieren. Und zwar nicht, weil man das heutzutage macht, sondern weil auch sich für sie genauso wie für jedes B2C-Unternehmen Mitarbeiter, potentielle Mitarbeiter, Presse, Öffentlichkeit und Kunden interessieren. Und da sich Social Media in den seltensten Fällen als echte Vertriebsmaschinerie eignet, sondern in erster Linie der Kommunikation mit der Öffentlichkeit dient und im besten Fall Vertrauen in ein Unternehmen stärkt und Neugier für dieses weckt, sollte Social Media nicht allein B2C-Unternehmen vorenthalten sein.

Nur machen bei B2B-Unternehmen viel weniger Social Media Kanäle, Tools oder Instrumente Sinn (oder wie immer man facebook, Twitter, Flickr, Youtube, foursquare, Blogs etc. nennen möchte). In meinen Augen sogar nur eins: Das Unternehmens-Blog.

Twitter macht für ein B2B-Unternehmen überhaupt keinen Sinn. Denn auf Twitter sind zwar viele Multiplikatoren und Meinungsmacher, aber was nutzt es einem, wenn man kein Produkt hat, welches sich am Ende per word-of-mouth verbreiten kann.

Für facebook gilt im Prinzip dasselbe. Auch hier werden weder zukünftige Mitarbeiter, noch B2B-Kunden, noch die Presse sich ein Bild über das Unternehmen machen. Denn es wird verdammt schwierig sein eine B2B-facebook-Seite wirklich zum Leben zu erwecken und am Leben zu halten, wenn man eine beim Endverbraucher unbekannte Marke/unbekanntes Unternehmen ist. Denn das wird kaum jemanden interessieren.

Für Flickr, Youtube, foursquare und alle weiteren “Endverbraucher-Tools” gilt dasselbe. Wie soll ein Textilfabrikant oder ein Chiphersteller von foursquare profitieren, wenn maximal die eigenen Mitarbeiter in die Lager- oder Fabrikhalle einchecken und dafür dann auch sicherlich nichts umsonst bekommen.

Was bleibt ist ein Unternehmens-Blog. Nichts Neues werdet Ihr denken, aber definitiv etwas Neues für B2B-Unternehmen. (Ich nehme alle Werbe-, Online- und Social-Media-Agenturen aus, die sich hauptberuflich mit diesem Thema beschäftigen).

Denn mit einem Unternehmens-Blog haben unbekannte, kleine oder große, schwer einzuschätzende hidden champions, die großartige Chance ihrem Unternehmen ein Gesicht zu geben. Und Kompetenz auszustrahlen. Und ein Thema zu besetzen. Und sympathisch zu sein.

Wenn z.B. ein Textilunternehmen, welches beinahe ausschließlich technische Gewebe, Funktions- und Objektstoffe produziert ein solches Blog hätte, dann würden neue Mitarbeiter, Kunden sowie jeder, den dieses Thema interessiert, eine Anlaufstelle haben, bei der man mehr über das Unternehmen hinter den Kulissen erfährt als irgendwo sonst. Die Mitarbeiter müssten die Blogposts natürlich selbst verfassen. Das sollte keine Agentur machen. Man würde 6-10 Mitarbeiter auswählen, die gerne schreiben und Spaß an einem solchen Blog hätten. Sie würden ca. zwei Mal pro Woche bloggen, so dass jeder alle 3-5 Wochen an der Reihe wäre. Sie würden Fotos ihrer Büros posten, ein Video eines Messebesuchs drehen, über die Trends der Branche schreiben, Mitarbeiter des Unternehmens vorstellen, von Geschäftsreisen berichten, den Produktionsprozess darstellen und vieles mehr. So ein Blog wäre im Minimum ein sehr starkes Recruiting-Instrument, welches eine deutliche Differenzierung zu anderen Unternehmen darstellen würde. Im Maximum wäre es mehr wert als jede Hochglanz-Unternehmensbroschüre da das Blog authentisch, menschlich, offen, sympathisch, aktuell und lesenswert wäre.

Das leisten Unternehmensbroschüren in den seltensten Fällen.

Kinderleicht

15. Dezember 2010 | Schlagworte: , | 1 Kommentar »

Wie oft denke ich: wie unbeschwert unsere Kindheit war! Wir hatten wenig Pflichten und viele Freiheiten. Wenig Zwänge und viel Platz für Kreativität und Phantasie. Wir waren kleiner und die Probleme auch. Das Leben war einfach kinderleicht.

Noch öfter denke ich allerdings wie unnötig schwer wir Erwachsenen uns das Leben machen. Als Kind waren wir einfach wir selbst – ohne Agenda.

Wir waren ehrlich. Hauptsächlich weil wir gar nicht wussten wie unehrlich geht. Das war zwar häufig schonungslos, eventuell auch beleidigend und manchmal peinlich. Aber es war ehrlich. Und damit wusste jeder wo er stand.

Wir waren naiv. Einen Luxus, den wir uns als Erwachsene gar nicht mehr leisten können ohne gleich als dumm deklassiert zu werden. Naivität beinhaltet eine unendliche Freiheit und Unschuld. Man denkt nicht jedes Szenario zu Ende, man wägt nicht jede Handlung genau ab, man denkt nicht in Konsequenzen, sondern in Chancen. Und Möglichkeiten. Das ist sicherlich naiv, aber auch sehr erfrischend.

Wir haben uns getraut zu fragen. Und zwar alles. Lange “Warum”-Frageketten, die unsere Eltern bestimmt genervt, aber dazu geführt haben, dass wir zum Kern des Themas vorgedrungen sind. Und uns sicher waren, dass wir es verstanden hatten. Und uns nicht zu schade waren, noch zwei Mal (oder mehr) nachzufragen, wenn wir es noch nicht verstanden hatten. Wie oft erleben wir es heute als Erwachsene, dass wir es verlernt haben die richtigen Fragen zu stellen. Oder überhaupt welche.

Nach Podiumsdiskussionen und Vorträgen herrscht immer ein verschämtes Schweigen, weil jeder Angst hat sich mit seiner Frage zu blamieren und nicht eloquent und intelligent genug zu wirken. Außerdem ist es eigentlich schon peinlich genug zugeben zu müssen, dass man überhaupt eine Frage hat. Wenn man dann doch eine stellt ist es eher ein Statement oder eine Ergänzung zum Vortrag als eine wirkliche Frage. Denn die Blöße geben wir uns nicht.

Dabei gibt es eigentlich nichts Bewundernswerteres und Tiefgründigeres als Menschen, die die richtigen Fragen stellen. Und sich nicht zu schade sind, einfache Fragen zu stellen. Denn es sind die einfachen Fragen, an denen wir selber merken, ob wir ein Thema überhaupt verstanden haben. Denn einfache Fragen erlauben einfache Antworten. Und damit wird uns die Chance genommen uns hinter komplexen, verwirrenden und komplizierten Antworten zu verschanzen, weil wir tief im Inneren wissen, dass wir das Thema eigentlich selber noch nicht richtig durchdrungen haben. Wie oft möchte man seinem Gesprächspartner sagen “Erklär es doch bitte mal so, wie Du es einem 8-jährigen Kind erklären würdest”. Und wie oft trauen wir uns das nicht. Weil wir denken, dass es ein schlechtes Bild auf uns wirft.
Ich glaube ganz ehrlich, dass wir viel weniger Probleme im Privat- und Berufsleben hätten, wenn wir wieder mehr fragen würden. Und den Anspruch hätten, die Antworten auch zu verstehen. Und nicht schon mit dem Nicken beginnen würden, bevor die Antwort überhaupt angefangen hat. Doch dafür haben wir einfach unsere kindliche Unschuld verloren.

Wir waren intuitiv. Wir haben keinen Plan oder eine roadmap gemacht, um Themen, Probleme oder Aufgaben anzugehen. Sondern wir haben intuitiv gehandelt. Learning by doing. Nicht learning und dann doing. Wir waren unverkrampft und unverkopft. Und wir haben Einfachheit geliebt und Komplexität gemieden.

Es ist für uns als Erwachsene heute der größte Lerneffekt, wenn wir Kindern etwas in die Hand geben, um zu sehen, wie sie es bedienen und ob sie es bedienen können. Das fängt bei realen Produkten an und hört bei Webseiten auf. Steve Jobs’ neue Devise “mobile first” ist eigentlich nichts anderes als ein Aufruf zu mehr Einfachheit, intuitiver und übersichtlicher Bedienbarkeit. Etwas einfach darzustellen und intuitiv benutzbar zu machen ist viel schwerer als sich hinter künstlicher Komplexität zu verstecken. Es zu schaffen eine komplexe Anwendung auf einem kleinen Iphone-Bildschirm darzustellen und erlebbar zu machen ist eine große Leistung. Den Mut zu haben diese Einfachheit und Klarheit auf eine große Website zu übertragen ist dagegen echte Kunst. Die noch von viel zu wenigen praktiziert wird.

Wie sehr wünsche ich mir manchmal, dass kindliche Denke bei Erwachsenen mehr als Stärke denn als Schwäche gesehen wird. Warum legen wir in Bewerbungsgesprächen nicht mehr Wert auf diese Eigenschaften? Warum zwingen wir uns bei Antworten nicht darauf kindlich einfach, klar und geradlinig zu antworten?

Die Welt am Sonntag hat eine Beilage, die sich “kinderleicht” nennt. Dort ist die Welt der Erwachsenen für Kinder dargestellt.

Vereinfacht.
Auf den Punkt gebracht.
So dass Kinder sie verstehen.

Ich habe ein Interview für diese Beilage gegeben, welches am Sonntag erscheint und gemerkt, wie ehrlich, selbstkritisch und transparent man wird, wenn man weiß, dass Kinder einen verstehen müssen. Wie schwer es ist sich nicht hinter aussagelosen Fachbegriffen zu verschanzen, sondern die Dinge beim Namen zu nennen. Ich bin sehr gespannt auf das Ergebnis am Sonntag.
Und ich nehme dieses Interview zum Anlass meinen Vorsatz für 2011 zu formulieren:

Ich möchte mich wieder mehr wie ein Kind benehmen und mehr in die kindliche Denke hineinversetzen.

Sollte eigentlich zu schaffen sein. Sollte eigentlich kinderleicht sein. Sollte man meinen.

Nachtrag: Hier der Artikel in der Welt am Sonntag.

Starke Frauen im Portrait

9. Dezember 2010 | Schlagworte: , , | 4 Kommentare »

Am Wochenende kam mir eine Idee. Eine sehr gute wie ich finde.

Hier die Kurzvariante:

Erster Gedankengang: Ich liebe mein Blog. Ich liebe Videoposts. Ich liebe meine Flip. Ich nutze sie viel zu wenig.

Zweiter Gedankengang: Ich bewundere starke Frauen. Ich kenne viele. Ich weiß viel zu wenig über sie.

Resultat: Ich werde ab sofort in unregelmäßigen Abständen starke Frauen in meinem Blog portraitieren. Und zwar in Video-Interview-Form. Erstens macht mir das bestimmt Monsterspaß. Zweitens macht es ihnen hoffentlich Monsterspaß. Und drittens bin ich der festen Überzeugung, dass diese Videos für Euch ein absoluter Hingucker werden.

“Stark” ist für mich dabei ein Synonym für persönlich, offen, unerwartet, lebensnah, verletzlich, lebensfroh, authentisch, cool, erfolgreich, aufopfernd, kreativ, engagiert, euphorisch, nachdenklich – bewundernswert. Frauen mit all ihren Facetten eben. Ich könnte auch einfach “Frauen im Portrait” sagen. Ich finde aber “stark” irgendwie stark. Was nicht heißen soll, dass Frauen nicht auch schwach sein dürfen und sollen. Oder schwach machen dürfen. Das ist dann aber auch wieder stark.

Ich möchte also die Chance nutzen, Frauen zu portraitieren, die mich weiterbringen. Die ich bewundere. Von denen ich mir eine Scheibe abschneiden kann. Denen ich viele Fragen stellen kann und interessante Antworten bekomme. Die ein Vorbild für mich sind. Jede auf ihre Art.

Denn ich bin der festen Überzeugung, dass role models uns in vielen Situationen helfen können. Haben sie dieselben täglichen Herausforderungen? Wem werden sie nicht gerecht? Wie gehen sie damit um? Haben sie Zweifel, Sorgen, Ängste? Wann fühlen sie sich unbesiegbar? Wie feiern sie Erfolge? Wie gehen sie mit Misserfolg um?

Themen gibt es also genug, Frauen gibt es genug. Ich kann also anfangen. Bald geht es los.

Und noch was: Ich kenne auch viele starke Männer. Und habe kein Problem auch sie vor die Kamera zu zerren. Denn auch von ihnen kann man unendlich viel lernen. Wiegt Euch also nicht in Sicherheit. Ich werde es tun.

Warum ich für Alice Schwarzer schwarz sehe

11. November 2010 | Schlagworte: , , , , , | 5 Kommentare »

Die Feminismus-Debatte zwischen Alice Schwarzer und Kristina Schröder diese Woche hat sicherlich so manchen verwundert oder nachdenklich gemacht. Und Viele haben sich bestimmt auch gefragt, worum es hier eigentlich geht? Da streitet sich die wohl prominenteste Feministin Deutschlands mit einer der erfolgreichsten Frauen in der Politik unseres Landes um die Rolle der Frau.

Ich nehme das mal zum Anlass, um klar Stellung zu beziehen. Das ist gefährlich, mag einseitig, überspitzt oder verallgemeinernd wirken. Ich mache es aber trotzdem. Weil ich es darf und Frau Schröder offensichtlich nicht. Und weil es mir die Chance gibt, diese Thematik hoffentlich sachlich und unideologisch mit Euch zu diskutieren ohne die Polemik politischer Coleur oder die Sensationslust der Medien.

Meine Meinung ist klar: Alice Schwarzer hat ein harmloses, vernünftiges und keinesfalls polarisierendes Interview von Kristina Schröder dafür missbraucht PR in eigener Sache zu machen. Ein „offener Brief“ an die Familienministerin! Und warum? Weil Frau Schröder gesagt hat, dass sie feministische Thesen über die sexuelle Unterwerfung der Frau nicht nachvollziehen kann? Und weil sie gesagt hat, dass wir Frauen an der Lohnungerechtigkeit ein Stück weit selbst Schuld sind? Und weil sie die Frauenquote ablehnt?

Wohl kaum.

Der wahre Grund hinter dieser Debatte ist viel mehr das Hauptproblem von Frauen untereinander: Dass sie einander beneiden und sich so wahnsinnig schwer tun, die Leistung anderer Frauen anzuerkennen und ihnen den Erfolg oder Ruhm zu gönnen. Sie gehen mit anderen Frauen viel härter ins Gericht als mit Männern.

Da haben wir eine 32-jährige intelligente und hübsche Familienministerin und  jede Frau in Deutschland sollte stolz sein, dass es so ist. Aber nein, was machen Frauen in diesem Land? Kritisieren, dass sie keine Kinder hat und Familienministerin ist. Als ob man Hartz IV Empfänger sein müsste, um Arbeitsminister werden zu können. Werfen ihr Inkompetenz (Alice Schwarzer), angewandten Spaltungsirrsin (Renate Künast), und Ahnungslosigkeit (Manuela Schwesig) vor.

Und warum?

Weil Alice Schwarzer & Co. sich nicht eingestehen wollen, dass die jungen und modernen Frauen kein feministisches Manifest mehr benötigen, um im Leben zu bestehen, sondern ihren Weg selbstbewusst, unideologisch und unverkrampft gehen wollen. Weil sie nicht wahrhaben können, dass heutzutage hinter starken und erfolgreichen Frauen in der Regel eher mutige, partnerschaftliche und starke Männer als Feministinnen stehen.  Jahrzehntelang hatten sie etwas für das (bzw. wogegen) sie kämpfen konnten. Das Patriarchat, Ungleichheit, Ungerechtigkeit, Unterdrückung. Und plötzlich müssen sie feststellen, dass die jungen Frauen nicht mehr mitkämpfen wollen. Natürlich liegt der Vorwurf der „Undankbarkeit“ dann nahe. Der häufigste Vorwurf lautet daher, dass wir jungen und unabhängigen Frauen uns auf den Errungenschaften des Feminismus ausruhen, diese für selbstverständlich nehmen und vergessen wem wir diese zu verdanken haben.

Ok, kann ich nachvollziehen. Ihr habt toll gekämpft, danke.

Aber der Feminismus (wenn man ihn überhaupt so nennen möchte) hat sich verändert. Es geht heute viel mehr um den Anspruch, dass Mann und Frau die Chance haben, denselben Lebensweg zu gehen. Und nicht mehr um den Kampf gegen das Patriarchat. Die alten Thesen passen nicht mehr zu unserem heutigen Weltbild und wir können und wollen uns damit auch gar nicht mehr identifizieren. Wir sind stolze und selbstbewusste Frauen, nicht stolze und selbstbewusste Feministinnen.

Unser Geschlecht ist uns nicht mehr so wichtig, wir definieren uns über andere Dinge.

Natürlich gibt es diverse Voraussetzungen, die wir gerade in Deutschland noch verbessern müssen, um die Chancen für denselben Lebensweg von Männern und Frauen zu schaffen und das Potential von Frauen für unsere Gesellschaft und unser Wirtschaftsleben noch viel besser zu nutzen:

Mehr Kinderbetreuungsmöglichkeiten, mehr Akzeptanz für berufstätige Mütter, mehr Respekt unter Frauen unabhängig vom Lebensmodell, mehr Vertrauen in die Stärken und Kompetenzen von Frauen. Aber die lösen wir nicht mit politischen Richtlinien und Gesetzen für Lohngleichheit, Frauenquote und einer Verlängerung des Mutterschutzes.

Denn ich stimme Kristina Schröder absolut zu, wenn Sie sagt, dass Frauen eine Mitschuld daran tragen, dass sie weniger verdienen. „Viele Frauen studieren gerne Germanistik und Geisteswissenschaften, Männer dagegen Elektrotechnik – und das hat eben auch Konsequenzen beim Gehalt“. Doch die Wahl des Studiengangs ist nur ein Teil des Grundes für Lohnungleichgewicht. Ein viel gewichtigerer Grund ist, dass die meisten Frauen sich einfach unter Wert verkaufen. Ich verallgemeinere und überspitze jetzt mal ganz bewusst, um diesen Punkt ganz deutlich zu machen:

Eine Frau stellt ihr Licht gerade in Bewerbungs- , Beförderungs- und Gehaltsgesprächen permanent unter den Scheffel. Auf die Frage „Haben Sie einen solchen Job schon mal gemacht?“ antwortet sie viel zu ehrlich: „Nein, habe ich noch nicht, aber ich bin mir sicher, dass ich das nach einer intensiven Einarbeitungsphase mit parallelem Selbststudium evtl. hoffentlich vielleicht schaffen könnte“.

Ein Mann antwortet: „Ja“.

Nächstes Beispiel. Ein Mann und eine Frau haben bisher beide 48.000 Euro Bruttogehalt verdient und bewerben sich auf dieselbe Stelle. Im Gespräch wird die Frau gefragt: „Was möchten Sie verdienen?“ Ihre Antwort: „ Zur Zeit verdiene ich 48.000 Euro würde mich aber gerne ein bisschen steigern, wenn das ginge. Antwort: „Das geht leider nicht“. Darauf die Frau: „Kein Problem, Gehalt ist für mich auch nicht so wichtig, ich würde den Job dennoch gerne machen.“

Die Antwort des Mannes auf dieselbe Frage: 60.000 Euro.

Und schon verdient er 25% mehr als die Frau.

Sehr überspitzt, ich weiß, aber viel zu oft die Realität, wie ich in diversen Gesprächen mit Bewerbern oder im Freundes- und Bekanntenkreis schon oft mitbekommen habe.

Was ich mit dem Beispiel deutlich machen möchte? Wir müssen Frauen viel mehr helfen, sich selbst zu helfen (oder vor sich selbst zu schützen) als sie mit ideologischen Parolen zu indoktrinieren.

Der Kampf der traditionellen Feministinnen ist gekämpft.

Nun ist es an jeder einzelnen Frau, das für sie Beste und Meiste aus ihrem Leben herauszuholen. Denn Chancengleichheit definiert sich heutzutage für mich darüber, dass wir Frauen alleine entscheiden dürfen, welchen Weg wir gehen wollen. Ohne Regeln, ohne Vorschriften, ohne Grenzen. Keiner sagt mehr, wie es sein muss. Ob wir uns für Karriere, Familie oder beides entscheiden, liegt in unserem eigenen Ermessen. Die große Herausforderung besteht lediglich darin, dass wir einander diesen Freiraum lassen. Und ihn akzeptieren, respektieren und hoffentlich sogar bewundern.

Das fällt bisher eher den Frauen schwer. Nicht den Männern.

Wer Zuwanderung stoppt wird Abwanderung ernten

12. Oktober 2010 | Schlagworte: , , , , , , | 1 Kommentar »

Wer zur Zeit über Zuwanderung und Integration spricht begibt sich auf ein Minenfeld. Denn jeder interpretiert das Thema so wie er es verstehen möchte und eine sachliche Diskussion ist kaum möglich. Ich möchte trotzdem darüber schreiben. Und zwar, weil mir das Thema Zuwanderung seit einigen Wochen mehr denn je am Herzen liegt. Und das liegt daran, dass bei Panfu zwanzig verschiedene Nationalitäten arbeiten und über die Hälfte unserer Mitarbeiter nicht aus Deutschland kommen.

Tendenz steigend.

Ich bin stolz darauf, dass wir bei Panfu nicht über Integration reden, sondern sie leben. Mein großer Wunsch ist, dass internationales, multikulturelles Arbeiten in Deutschland nicht die Ausnahme, sondern die Regel wird. Weil es ein Mehrwert für alle Beteiligten ist.

Denn ohne Zuwanderer wäre unser Unternehmen nicht da, wo es heute ist. Ohne unsere ausländischen Fachkräfte hätten wir kaum eine IT, kein Business Intelligence department, kaum Graphiker und nur wenig Game Designer.

Zuwanderung und Integration sind in einem solchen Arbeitsumfeld keine abstrakten Themen, sondern unser tägliches Leben. Bei zwanzig verschiedenen Nationalitäten hat man keinen Integrations-Masterplan. Man beschließt einfache Dinge, die Integration begünstigen. Nämlich, dass die Unternehmenssprache Englisch ist, damit die Fachkräfte sofort losarbeiten können. Und dass es zwei Mal pro Woche Deutschunterricht im Büro gibt. Alles weitere entsteht von selbst.

Alle bei uns im Unternehmen wissen, dass es nur miteinander geht und keiner sieht unsere bunte Mitarbeiter-Mischung als Risiko. Sondern allein als Chance. Denn diese Mischung bietet uns Allen die Möglichkeit mitten in Deutschland international arbeiten zu können. Wir Deutschen müssen nicht auswandern, um die Vorteile von internationalen teams erleben zu dürfen, dafür durften und wollten unsere ausländischen Mitarbeiter zuwandern. Ein absoluter Traum. Nicht nur für uns.

Denn stellt Euch folgende headline vor:

Hochqualifizierte Menschen wandern nach Deutschland ein und hochqualifizierte Deutsche wandern nicht mehr ins Ausland ab.

Der bestcase für Deutschland. Und leider in keinster Weise die Realität.

Denn im vergangenen Jahr wanderten 721.000 Menschen nach Deutschland ein, zugleich zogen aber 734.000 fort.

Und obwohl die Fakten auf der Hand liegen, dass wir – nicht nur aufgrund des Geburtenrückgangs – qualifizierte Zuwanderung brauchen, wird Zuwanderung von Herrn Seehofer pauschal abgetan mit den Worten:

“Es ist doch klar, dass sich Zuwanderer aus anderen Kulturkreisen, wie aus der Türkei und arabischen Ländern, insgesamt schwerer tun. Daraus ziehe ich auf jeden Fall den Schluss, dass wir keine zusätzliche Zuwanderung aus anderen Kulturkreisen brauchen.”

Das ist in dreierlei Hinsicht dumm.

Erstens senden wir damit das Signal an ausländische Fachkräfte „Wir wollen Euch nicht mehr“. Damit schaden wir leider nur uns selbst, denn uns gehen wertvolle Ressourcen verloren und andere Ländern nehmen diese Fachkräfte mit offenen Armen auf.

Zweitens haben wir einen akuten Fachkräftemangel in Deutschland und die bessere Förderung der inländischen Ressourcen kann maximal eine begleitende Maßnahme aber keine Lösung sein. Schon gar keine kurzfristige.

In der heutigen Weltkompakt steht dazu sehr treffend:

Eklatant zeigt sich der Mangel bei Ingenieuren und IT-Spezialisten. Selbst im Krisenjahr 2009, so klagt der Verein Deutscher Ingenieure, konnten 34.000 Ingenieurstellen nicht besetzt werden. 3,4 Milliarden Euro habe dies der Gesamtwirtschaft gekostet. In Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik fehlten nach Angaben des Instituts der deutschen Wirtschaft im Juni 2010 bereits 65.000 Fachkräfte. Es mangelt aber nicht nur an Hochqualifizierten für die Industrie, Engpässe gibt es nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit auch bei Ärzten und Altenpflegern, bei Lehrern, Elektrikern und in den Metallberufen.

Nach einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags beklagen 70 Prozent der Unternehmen Probleme bei der Besetzung von Stellen. Der Mangel dürfte sich noch verschärfen. Wegen des Geburtenrückgangs geht das Arbeitskräftepotenzial bis zum Jahr 2030 um sechs Millionen Menschen zurück. Nötig seien mindestens netto 500.000 mehr Menschen pro Jahr, um unsere Wirtschaftskraft zu sichern, meint Zimmermann vom DIW.

Drittens bezieht sich Seehofer auf einen Zustand, den es gar nicht gibt: den massenhaften Andrang von ausländischen Arbeitskräften. Wir haben kein Zuwanderer-, sondern ein Abwanderer-Problem. Und das lösen wir nicht, in dem wir Zuwanderung unterbinden.

Viel mehr muss die Politik aufpassen, dass ihre Aussagen zum Stopp der Zuwanderung nicht zur Auswanderung führen. Denn wenn Jobs freibleiben, weil wir sie mit Menschen aus Deutschland nicht besetzen können und mit Menschen aus dem Ausland nicht besetzen wollen, gefährdet das unsere Unternehmen und den Wirtschaftsstandort. Denn dann wandern Unternehmen ab und finden ihre Mitarbeiter im Ausland. Vor allem auch qualifizierte deutsche Mitarbeiter.

Denn die dürfen in andere Ländern einwandern.

Beiträge zu diesem Thema in den Medien:

Der ZDF-Beitrag über Panfu zu diesem Thema: Zuwanderung von Fachkräften

Der ARD-Beitrag über Panfu zur Zuwanderungsdebatte: Streit über Zuwanderung

Der Artikel in der Berliner Morgenpost zum Thema: Warum Deutschland Zuwanderer benötigt

Der Artikel in der Welt am Sonntag: Deutschlands gefährliche Zuwanderungslüge