Archiv für die Kategorie „working mum“

Die Zukunft der Frauen – inspired by DLD Women

Samstag, 12. Juni 2010

Viele sehr beeindruckende Frauen haben diese Woche auf dem DLD Women von Burda in München sehr wahre Sachen gesagt, über die es sich lohnt ein bisschen nachzudenken und zu schreiben.
Moderiert wurde der Event durch Maria Furtwängler.
Maria Furtwängler
Eine unglaublich beeindruckende Frau, die so vielseitig und aktiv ist, dass man neidisch werden kann. Und das war auch gleich die erste Erkenntnis des Kongresses. Ich habe mich selber, aber auch viele andere Frauen dabei erwischt, wie man bei einer erfolgreichen, attraktiven, intelligenten, glücklich verheirateten Frau mit Kindern sofort anfängt den Haken zu suchen. „Die kann doch nicht glücklich sein, das ist doch alles nur Show.“ Oder: „Die wird doch sicherlich ihren Kindern nicht gerecht“. Oder: „Die Ehe ist doch mehr Schein als Sein und im Leben möchte ich nicht tauschen“.
Warum gönnen wir anderen Frauen nicht uneingeschränkt ihren Erfolg, ihr Leben, ihre Zukunft? Warum wollen wir immer ein Haar in der Suppe finden? Die Antwort ist wahrscheinlich ganz einfach: Weil wir uns selber besser fühlen wollen. Weil wir uns selber nicht eingestehen wollen, dass wir eigentlich neidisch sind. Weil wir tief im Inneren schwer beeindruckt sind, was diese Frauen leisten und Angst vor dem Vergleich mit uns selbst haben.
Männern gönnen wir alles. Wenn ein Mann mit seiner attraktiven Frau und seinen Kindern uns entgegen kommt und erzählt, dass er gerade befördert wurde, gratulieren wir und bewundern ihn. Denn wir sehen ihn nicht als Konkurrenz oder benchmark. Frauen hingegen beurteilen wir in erster Linie kritisch und suchen krampfhaft nach Fehlern und Schwächen.

Dann kam der Auftritt von Antonella Mei-Pochtler von der Boston Consulting Group in einer Podiumsdiskussion. Sie ist eine perfekte Mischung aus intelligent, witzig, charmant und unglaublich attraktiv.

Antonella Mei-Pochtler

Und das Beste an ihr: Sie ist schonungslos ehrlich.

“Women can get to the top, but do they want to go there”?
“Wenn Du als Frau Karriere machen möchtest, musst Du bereit sein, viel zu opfern.”

Sie hat nicht um den heißten Brei herumgeredet, sondern deutlich gesagt, dass der Mangel an weiblichen Führungskräften in Deutschland nicht nur daran liegt, dass Frauen keine Chance bekommen, sondern dass sie die Chance viel zu selten ergreifen (wollen). Weil sie merken, dass es „da oben“ ganz schön kalt und ungemütlich ist. Weil man seine Familie sehr wenig sieht. Weil man kaum noch Zeit für sich selbst hat. Und vor allem: weil man als Frau Alternativen hat, die ein Mann nicht hat.
In unserer Gesellschaft wird ein Mann nach wie vor hauptsächlich an seiner beruflichen Performance gemessen. Er ist erfolgreich und wird bewundert, wenn er im Job erfolgreich ist. Eine Frau hingegen hat neben der beruflichen Karriere Alternativen, um bewundert zu werden. Sie kann Mutter sein und sich um ihre Kinder kümmern. Sie kann eine perfekte Köchin sein. Sie kann einen wunderschönen Garten pflegen. Sie kann sich um ihre kranken Eltern kümmern. Und sie kann Karriere machen. Aber das ist eben nur eine Option neben vielen weiteren die sie hat.
Daher muss sie nicht Karriere machen.
Und sobald sie merkt, dass die Karriere immer mehr Zeit mit der Familie und Freunden frisst, entscheidet sie sich gegen einen weiteren Aufstieg und für mehr work-life balance.
Natürlich soll das nicht heißen, dass wir in Deutschland Chancengleichheit haben und dass jede Frau die Karriere machen möchte dieses auch darf. Natürlich gibt es die old-boys-networks, die „gläserne Decke“ und schlicht die Einstellung, dass man Frauen hohe Führungspositionen, gerade in der Wirtschaft, weniger zutraut als Männern. Aber es liegt eben auch an den Frauen selbst.

Silvana Koch-Mehrin war ebenfalls da und hat mir sehr gut gefallen. Sie hat eine sehr sympathische, unaufgeregte und klare Art und schafft es komplizierte oder festgefahrene Sachverhalte (wie z.B. die Frauenquote) sehr anschaulich zu erklären.

Silvana Koch-Mehrin

Sie hat sich eindeutig für die Frauenquote ausgesprochen und zwar aus zwei sehr nachvollziehbaren Gründen. Zum Einen hat sie gesagt, dass es in allen Bereichen der Wirtschaft und besonders in der Politik sehr viele unausgesprochene Quoten gibt. Da gibt es regionale Quoten in der Besetzung von Regierungen, Kabinetten und Arbeitsgruppen. Da gibt es Quoten der unterschiedlichen politischen Familien. Quoten der fachlichen Zusammensetzung von Ministerien. Aber immer wenn es zu einer Quote zur Ausgeglichenheit von Männern und Frauen kommt, schreien alle. Inklusive der Frauen. Sie ist also entweder dafür alle Quoten abzuschaffen (was in ihren Augen unmöglich ist). Oder einfach ganz unaufgeregt eine Frauenquote einzuführen. Ihr zweites Argument war, dass die Erkenntnis, dass mehr Frauen in Politik und Wirtschaft das Land entscheidend voranbringen würden, schon sehr lange da ist, aber es viel zu lange braucht und auch noch brauchen wird, wenn sich dieser Zustand „von alleine“ ändern soll. Die Quote würde einen längst akzeptierten Vorsatz endlich zum Leben erwecken und am Ende allen helfen. Denn Frauen in Führungspositionen zu befördern ist ein business case und kein Ausdruck des Mitleids.

Doris Dörrie sprach über „how to cook your life“. Darunter konnte ich mir erst nichts vorstellen und hätte auch nie gedacht, dass es einer der besten Auftritte des gesamten Kongresses werden würde.
War es aber. Sie hat mich unheimlich beeindruckt und den Nagel bei mehreren Punkten genau auf den Kopf getroffen!

Doris Dörrie

Einer ihrer Kernsätze war (er hängt übrigens schon als reminder an meinem Laptop und am Kühlschrank und am Spiegel im Badezimmer): Das Gras wächst auch ohne mich.
In ihren Augen, wollen Frauen immer alles managen. Ihren Mann, ihre Kinder, ihre Eltern, ihre Freunde, den Haushalt, den Job, die Kollegen, alles. Sie fühlen sich für alles und jeden verantwortlich und wachen bereits morgens mit der latenten Panik auf, dass sie versagen werden. Weil sie sich viel zu viel aufladen. Und erschwerend kommt hinzu, dass das eigentlich niemand in der Form von ihnen erwartet, sondern sie sich den Druck komplett selber machen. Erstaunlicherweise ist das private und berufliche Umfeld genauso glücklich, wenn mal ein Zahnarzttermin vergessen wurde, eine Präsentation erst eine halbe Stunde später erstellt wird oder der Blumenstrauß zum Geburtstag der Großtante einfach mal nicht rechtzeitig ankommt. Und plötzlich gelangt man zu der Erkenntnis: Das Gras wächst auch ohne mich. Und die kann sehr befreiend sein.
Denn auch ich verfalle ständig dem eigen auferlegten Druck alles perfekt managen zu wollen. Statt Geburtsanzeigen für meinen zweiten Sohn im Internet zu drucken, schreibe ich sie alle mit der Hand. Statt das Haus mal zwei Stunden im Chaos versinken zu lassen, räume ich lieber alles während des Mittagsschlafs unseres 5-wochen-alten Sohnes auf. So wacht er dann rechtzeitig auf, wenn alles sauber ist und ich habe mich nicht erholt. Und statt einfach mal einen Sonntag zu Hause zu bleiben, verabrede ich mich und meine Familie mit Freunden und Verwandten, damit wir uns auch bloß nicht erholen. Und seit Doris Dörrie ist mir jetzt sehr bewusst: Meine Freunde und Familie hätten sich auch über gedruckte Geburtsanzeigen gefreut bzw. sie hätten den Unterschied gar nicht bemerkt. Zwei Stunden Chaos bei uns zu Hause stört auch niemanden außer mir selbst. Und ein Sonntag zu Hause macht meine Familie sogar glücklicher als das ständige Hetzen von einem Treffen zum nächsten.

Der DLD Women war natürlich noch viel mehr als das, was ich hier zusammengefasst habe. Aber er war für mich in erster Linie mehr als nur ein Business-Networking-Kongress, sondern hat mich wirklich um einige wichtige Erkenntnisse reicher gemacht.

Kind & Karriere – wieso ich keine Rabenmutter bin.

Montag, 16. November 2009

Soll ich wirklich über dieses Thema schreiben? Irgendwie kann man da nur verlieren.  Auf der anderen Seite gibt es wahrscheinlich kein Thema, welches Frauen in Deutschland mehr bewegt als die Frage, ob man Kind und Karriere unter einen Hut bekommen kann, darf, muss, möchte.

Ich möchte. Und ich darf. Und ich kann. Aber ich muss nicht. Und das ist wahrscheinlich entscheidend für meine Einstellung zu diesem Thema. Denn ich bin der festen Überzeugung, dass jede Frau (und damit ihre Beziehung und die Kinder selber) maximal glücklich ist, wenn sie ihr eigenes Modell gewählt hat. Wenn sie den Weg geht, den sie selber gehen möchte und es nicht Anderen zu liebe tut. Glück und Zufriedenheit hängen für mich nicht davon ab, für welche Variante man sich entscheidet, sondern ob man 100% hinter seiner Entscheidung steht. Gegen alle Widerstände.

Eine Frau, die zu Hause bleibt, weil es irgendwer von ihr erwartet, obwohl sie eigentlich lieber arbeiten würde ist genauso unzufrieden wie diejenige, die arbeiten geht, um irgendwem etwas zu beweisen, obwohl sie am liebsten den ganzen Tag mit ihren Kindern zusammen wäre. Natürlich unterstelle ich mit der freien Auswahl der Optionen den Luxus, dass man nicht arbeiten muss, wenn man lieber zu Hause bleiben möchte. Natürlich gilt dieses für die Mehrzahl der Frauen in Deutschland nicht. Sie haben schlichtweg keine Wahl, ob sie arbeiten möchten oder nicht. Sie müssen.

Aber auf all diejenigen, die nicht müssen, trifft meine These zu. Glaube ich zumindest. Wenn fulltime mums, working mums missionieren wollen, dann kann das zwei Gründe haben. Entweder sind sie einfach so überzeugt von ihrem eigenen Modell, dass sie der Meinung sind, es wäre das Beste für jede Frau es ihnen nachzumachen. Oder – und das ist meiner Erfahrung nach häufiger der Fall – sie sind mit ihrer ausschließlichen Mutterrolle nicht zufrieden. Vielleicht weil diese sie nicht ausfüllt oder sie sich unterfordert fühlen. Vielleicht, weil ihnen ihr Umfeld zu wenig Wertschätzung entgegenbringt oder weil sie den Zeiten hinterher trauern, in denen sie selber erfolgreich im Berufsleben standen.

Wenn working-mums hingegen fulltime mums belächeln, dann offensichtlich, weil sie bei sich selbst etwas vermissen, sich überfordert fühlen, glauben ihren Kindern nicht gerecht zu werden, Angst haben, dass die häufige Abwesenheit zu Defiziten führt oder bedauern, dass immer die Nanny zum Turnen und Basteln geht und nie sie selbst. Und das lässt man dann eben am liebsten an Frauen aus, die das Leben führen, welches man zum Teil selber gerne hätte. Menschlich? Vielleicht. Erstrebenswert? Nein.

Ist man hingegen zufrieden, mit dem Weg, den man gewählt hat – egal ob fulltime mum, part-time mum oder working mum – hat man keinen Grund andere zu kritisieren oder zu beneiden. Denn man ist ganz einfach glücklich. Und freut sich über jeden, der es auch ist.

Ich bin glücklich. Als working mum. Denn ich liebe es zu arbeiten. Und ich liebe meine Familie. Für mich ist es das schönste Leben, morgens mit meinen Männern zu frühstücken, dann zehn Stunden zu arbeiten und abends noch 1-2 Stunden mit meinem Sohn zu verbringen. Wenn er dann um 20 Uhr ins Bett geht, habe ich Zeit für meinen Mann, Sport, noch mehr Arbeit oder Freunde. Nichts machen kann ich nicht. Ich kann es wirklich nicht. Ich muss einfach immer was machen. Insofern würde ich meinem Sohn stark auf den Keks gehen, wenn ich den ganzen Tag bei ihm wäre. Denn er müsste die ganze Zeit etwas machen. Und zwar wahrscheinlich sehr oft das, was ich gerade machen möchte. Und das würde ihm wenig Spaß machen. Oder gar keinen.

So hingegen komme ich abends nach Hause, habe viel erlebt und nutze die Zeit mit ihm, um zu entspannen und abzuschalten. Er ist mein perfekter Schutz vor mir selbst. Ohne ihn würde ich wahrscheinlich nie zur Ruhe kommen, würde immer viel zu lange arbeiten und hätte wenig Ausgleich. Durch ihn habe ich „best of both worlds“.

Für mich lässt sich die ganze Diskussion um dieses Thema hervorragend mit „leben – und leben lassen“ zusammenfassen. Wenn man für sich selbst das optimale Modell gefunden hat (was schwer genug ist), dann sollte man es keiner anderen Frau schwermachen ihren Weg zu gehen. Denn das macht einen selbst kein Stück glücklicher. Im Gegenteil.