Archiv für die Kategorie „Wirtschaft“

Unternehmensführung 2.0 – was ich von Zappos lerne

Sonntag, 29. August 2010

Dass ich Urlaub hatte, merke ich immer in erster Linie an der Anzahl gelesener Bücher. Denn im wirklichen Leben komme ich viel zu wenig dazu.

Fünf Bücher waren es dieses Mal.
Und besonders das Zappos-Buch „delivering happiness“ hat mich sehr beeindruckt.
Und bei mir einen ähnlichen Aha-Effekt ausgelöst wie vor ein paar Jahren die Starbucks-Story „pour your heart into it“.

Was kann und sollte man von Zappos lernen?

Hier meine persönlichen Top-five, die ich aus dem Buch abgeleitet habe:

1. Kundenservice ist kein notwendiges Übel, sondern der beste USP, den sich ein Unternehmen aussuchen kann
2. Ein gutes Produkt wird erst durch das Herzblut der Mitarbeiter zu einem echten Erfolg
3. Ein Unternehmen kann durch eine ehrliche und offene Kommunikation nach innen und außen nur gewinnen
4. Jedes Unternehmen braucht eine einzigartige Unternehmenskultur, die von Mitarbeitern und Führungskräften gleichermaßen gelebt wird
5. Das Büro eines Unternehmens ist viel mehr als nur ein Arbeitsplatz

Mal schauen, wann ich die Gelegenheit bekomme, diese Erkenntnisse selbst auf ein Unternehmen anwenden zu können :-)

Die Zukunft der Frauen – inspired by DLD Women

Samstag, 12. Juni 2010

Viele sehr beeindruckende Frauen haben diese Woche auf dem DLD Women von Burda in München sehr wahre Sachen gesagt, über die es sich lohnt ein bisschen nachzudenken und zu schreiben.
Moderiert wurde der Event durch Maria Furtwängler.
Maria Furtwängler
Eine unglaublich beeindruckende Frau, die so vielseitig und aktiv ist, dass man neidisch werden kann. Und das war auch gleich die erste Erkenntnis des Kongresses. Ich habe mich selber, aber auch viele andere Frauen dabei erwischt, wie man bei einer erfolgreichen, attraktiven, intelligenten, glücklich verheirateten Frau mit Kindern sofort anfängt den Haken zu suchen. „Die kann doch nicht glücklich sein, das ist doch alles nur Show.“ Oder: „Die wird doch sicherlich ihren Kindern nicht gerecht“. Oder: „Die Ehe ist doch mehr Schein als Sein und im Leben möchte ich nicht tauschen“.
Warum gönnen wir anderen Frauen nicht uneingeschränkt ihren Erfolg, ihr Leben, ihre Zukunft? Warum wollen wir immer ein Haar in der Suppe finden? Die Antwort ist wahrscheinlich ganz einfach: Weil wir uns selber besser fühlen wollen. Weil wir uns selber nicht eingestehen wollen, dass wir eigentlich neidisch sind. Weil wir tief im Inneren schwer beeindruckt sind, was diese Frauen leisten und Angst vor dem Vergleich mit uns selbst haben.
Männern gönnen wir alles. Wenn ein Mann mit seiner attraktiven Frau und seinen Kindern uns entgegen kommt und erzählt, dass er gerade befördert wurde, gratulieren wir und bewundern ihn. Denn wir sehen ihn nicht als Konkurrenz oder benchmark. Frauen hingegen beurteilen wir in erster Linie kritisch und suchen krampfhaft nach Fehlern und Schwächen.

Dann kam der Auftritt von Antonella Mei-Pochtler von der Boston Consulting Group in einer Podiumsdiskussion. Sie ist eine perfekte Mischung aus intelligent, witzig, charmant und unglaublich attraktiv.

Antonella Mei-Pochtler

Und das Beste an ihr: Sie ist schonungslos ehrlich.

“Women can get to the top, but do they want to go there”?
“Wenn Du als Frau Karriere machen möchtest, musst Du bereit sein, viel zu opfern.”

Sie hat nicht um den heißten Brei herumgeredet, sondern deutlich gesagt, dass der Mangel an weiblichen Führungskräften in Deutschland nicht nur daran liegt, dass Frauen keine Chance bekommen, sondern dass sie die Chance viel zu selten ergreifen (wollen). Weil sie merken, dass es „da oben“ ganz schön kalt und ungemütlich ist. Weil man seine Familie sehr wenig sieht. Weil man kaum noch Zeit für sich selbst hat. Und vor allem: weil man als Frau Alternativen hat, die ein Mann nicht hat.
In unserer Gesellschaft wird ein Mann nach wie vor hauptsächlich an seiner beruflichen Performance gemessen. Er ist erfolgreich und wird bewundert, wenn er im Job erfolgreich ist. Eine Frau hingegen hat neben der beruflichen Karriere Alternativen, um bewundert zu werden. Sie kann Mutter sein und sich um ihre Kinder kümmern. Sie kann eine perfekte Köchin sein. Sie kann einen wunderschönen Garten pflegen. Sie kann sich um ihre kranken Eltern kümmern. Und sie kann Karriere machen. Aber das ist eben nur eine Option neben vielen weiteren die sie hat.
Daher muss sie nicht Karriere machen.
Und sobald sie merkt, dass die Karriere immer mehr Zeit mit der Familie und Freunden frisst, entscheidet sie sich gegen einen weiteren Aufstieg und für mehr work-life balance.
Natürlich soll das nicht heißen, dass wir in Deutschland Chancengleichheit haben und dass jede Frau die Karriere machen möchte dieses auch darf. Natürlich gibt es die old-boys-networks, die „gläserne Decke“ und schlicht die Einstellung, dass man Frauen hohe Führungspositionen, gerade in der Wirtschaft, weniger zutraut als Männern. Aber es liegt eben auch an den Frauen selbst.

Silvana Koch-Mehrin war ebenfalls da und hat mir sehr gut gefallen. Sie hat eine sehr sympathische, unaufgeregte und klare Art und schafft es komplizierte oder festgefahrene Sachverhalte (wie z.B. die Frauenquote) sehr anschaulich zu erklären.

Silvana Koch-Mehrin

Sie hat sich eindeutig für die Frauenquote ausgesprochen und zwar aus zwei sehr nachvollziehbaren Gründen. Zum Einen hat sie gesagt, dass es in allen Bereichen der Wirtschaft und besonders in der Politik sehr viele unausgesprochene Quoten gibt. Da gibt es regionale Quoten in der Besetzung von Regierungen, Kabinetten und Arbeitsgruppen. Da gibt es Quoten der unterschiedlichen politischen Familien. Quoten der fachlichen Zusammensetzung von Ministerien. Aber immer wenn es zu einer Quote zur Ausgeglichenheit von Männern und Frauen kommt, schreien alle. Inklusive der Frauen. Sie ist also entweder dafür alle Quoten abzuschaffen (was in ihren Augen unmöglich ist). Oder einfach ganz unaufgeregt eine Frauenquote einzuführen. Ihr zweites Argument war, dass die Erkenntnis, dass mehr Frauen in Politik und Wirtschaft das Land entscheidend voranbringen würden, schon sehr lange da ist, aber es viel zu lange braucht und auch noch brauchen wird, wenn sich dieser Zustand „von alleine“ ändern soll. Die Quote würde einen längst akzeptierten Vorsatz endlich zum Leben erwecken und am Ende allen helfen. Denn Frauen in Führungspositionen zu befördern ist ein business case und kein Ausdruck des Mitleids.

Doris Dörrie sprach über „how to cook your life“. Darunter konnte ich mir erst nichts vorstellen und hätte auch nie gedacht, dass es einer der besten Auftritte des gesamten Kongresses werden würde.
War es aber. Sie hat mich unheimlich beeindruckt und den Nagel bei mehreren Punkten genau auf den Kopf getroffen!

Doris Dörrie

Einer ihrer Kernsätze war (er hängt übrigens schon als reminder an meinem Laptop und am Kühlschrank und am Spiegel im Badezimmer): Das Gras wächst auch ohne mich.
In ihren Augen, wollen Frauen immer alles managen. Ihren Mann, ihre Kinder, ihre Eltern, ihre Freunde, den Haushalt, den Job, die Kollegen, alles. Sie fühlen sich für alles und jeden verantwortlich und wachen bereits morgens mit der latenten Panik auf, dass sie versagen werden. Weil sie sich viel zu viel aufladen. Und erschwerend kommt hinzu, dass das eigentlich niemand in der Form von ihnen erwartet, sondern sie sich den Druck komplett selber machen. Erstaunlicherweise ist das private und berufliche Umfeld genauso glücklich, wenn mal ein Zahnarzttermin vergessen wurde, eine Präsentation erst eine halbe Stunde später erstellt wird oder der Blumenstrauß zum Geburtstag der Großtante einfach mal nicht rechtzeitig ankommt. Und plötzlich gelangt man zu der Erkenntnis: Das Gras wächst auch ohne mich. Und die kann sehr befreiend sein.
Denn auch ich verfalle ständig dem eigen auferlegten Druck alles perfekt managen zu wollen. Statt Geburtsanzeigen für meinen zweiten Sohn im Internet zu drucken, schreibe ich sie alle mit der Hand. Statt das Haus mal zwei Stunden im Chaos versinken zu lassen, räume ich lieber alles während des Mittagsschlafs unseres 5-wochen-alten Sohnes auf. So wacht er dann rechtzeitig auf, wenn alles sauber ist und ich habe mich nicht erholt. Und statt einfach mal einen Sonntag zu Hause zu bleiben, verabrede ich mich und meine Familie mit Freunden und Verwandten, damit wir uns auch bloß nicht erholen. Und seit Doris Dörrie ist mir jetzt sehr bewusst: Meine Freunde und Familie hätten sich auch über gedruckte Geburtsanzeigen gefreut bzw. sie hätten den Unterschied gar nicht bemerkt. Zwei Stunden Chaos bei uns zu Hause stört auch niemanden außer mir selbst. Und ein Sonntag zu Hause macht meine Familie sogar glücklicher als das ständige Hetzen von einem Treffen zum nächsten.

Der DLD Women war natürlich noch viel mehr als das, was ich hier zusammengefasst habe. Aber er war für mich in erster Linie mehr als nur ein Business-Networking-Kongress, sondern hat mich wirklich um einige wichtige Erkenntnisse reicher gemacht.

Gefangen im Dilemma?

Sonntag, 18. April 2010

Jetzt habe ich wieder viel zu lange nicht mehr gebloggt. Aber irgendwie hat man in diesem Schwangerschafts-Endspurt doch weniger Energie als man so denkt – insofern hoffe ich auf Euer Verständnis!

Was mir im Laufe der letzten Wochen aufgefallen ist, dass ich mich in meinem Blog bisher sehr wenig mit dem Thema Wirtschaft auseinandergesetzt habe – obwohl ich es studiert habe. Und es sehr spannend finde. Das möchte ich nun ändern.

Aktuell, wie Ihr vielleicht mitbekommen habt, findet in Mainz die größte Frequenzversteigerung in der Geschichte der Bundesrepublik statt. Ich habe mich in den letzten Wochen näher damit befasst, möchte aber nicht zu sehr ins Detail gehen, sondern mich auf etwas Theoretisches und dabei sehr Wesentliches fokussieren – die Grundlagen der Spieltheorie. Nicht erschrecken, dass dieser Post mal etwas tiefergeht als manche zuvor – daran ist der Mutterschutz Schuld und die Tatsache, dass ich zu viel Zeit habe. Bald bin ich wieder oberflächlicher, ich verspreche es :-)

Zum Hintergrund: Die letzte Frequenzversteigerung fand im Jahr 2000 statt. Damals ging es um die UMTS-Frequenzen, die wir heute alle nutzen, wenn wir mobil unterwegs sind und uns entweder via Handy oder Laptop ins Internet einwählen und so bequem von quasi jedem Punkt der Erde arbeiten können. Mir ist diese Mobilität und Flexibilität immens wichtig und zugleich auch der Grundstein für einen Kulturwechsel in der heutigen Arbeitswelt. Die jetzt stattfindende Auktion kann und wird das mobile Arbeiten (und somit auch Leben) noch zusätzlich erleichtern.

Insofern freue ich mich sehr auf die neue Technologie.

Zugleich hoffe ich, dass T-Mobile, Vodafone, E-Plus und O2, die Teilnehmer der Auktion, etwas aus den Geschehnissen von vor zehn Jahren gelernt haben. Ich bin jemand, und das werden alle, die mich besser kennen bestätigen, der sehr unternehmerisch denkt. Insofern versuche ich mich in die Rolle der vier Mobilfunkunternehmen zu versetzen – und nicht in die der Bundesnetzagentur, die ja eine staatliche Instanz darstellt und als Veranstalter der Frequenzaktion fungiert.
Meine Intention wäre es, mit so wenig Aufwand (=Geld) so viel wie möglich (=Frequenzspektrum) zu erreichen. In einer Auktion ist so etwas natürlich nicht leicht, da es ja gerade darum geht, andere zu überbieten. Im Rahmen meines Studiums habe ich mich eingehend mit dieser so genannten Spieltheorie beschäftigt. Bei der Spieltheorie geht es darum, mit den Mitteln der Mathematik abzuleiten, wie wir uns in Konfliktsituationen verhalten. Ein immens wichtiger Bestandteil der Spieltheorie ist das Gefangenendilemma.

Da ich Euch nicht langweilen möchte, ist es am Einfachsten, wenn Ihr Euch kurz diesen Clip (Ausschnitt aus dem Film „A beautiful Mind“) anschaut. Darin wird das Prinzip perfekt beschrieben.

Beim Gefangenendilemma geht es also darum, dass wenn alle Interessenten ein Ziel verfolgen, es sehr wahrscheinlich ist, dass entweder einer oder mehrere Interessenten komplett leer ausgeht und/oder alle (anderen) Interessenten einen überhöhten Preis zahlen müssen. So geschehen eben vor zehn Jahren. Nachzulesen bei Wikipedia:

Auch die Versteigerung der UMTS-Lizenzen in Deutschland dient als Beispiel. Es wurden zwölf Frequenzblöcke für UMTS versteigert, die entweder als 2er- oder 3er-Paket erworben werden konnten. Sieben Bieter (E-Plus/Hutchison, Mannesmann, T-Mobile, Group 3G, debitel, mobilcom und Viag Interkom) nahmen an der Versteigerung im August 2000 teil. Beachtenswert ist auch, dass – wie im theoretischen Original – Absprachen unter den Spielern, also der Mobilfunkanbieter, unterbunden wurden. Nach dem Ausscheiden von debitel nach der 126. Runde am 11. August 2000 waren zwölf Lizenzen für sechs Mobilfunkanbieter vorhanden, also zwei für jeden. Die Summe aller Lizenzen hat zu diesem Zeitpunkt 57,6 Mrd. DM betragen. Durch das Spekulieren der Mobilfunkanbieter auf ein Ausscheiden eines weiteren Anbieters und der Möglichkeit, drei Lizenzen zu erwerben, ging die Bieterschlacht jedoch weiter. In der 173. Runde, am 17. August 2000, gingen je zwei Lizenzen an die sechs verbliebenen Mobilfunkanbieter – ein Ergebnis also, das auch schon in der 127. Runde hätte erreicht werden können. Die Summe, die die Mobilfunkanbieter für alle Lizenzen zahlten, lag nun bei 98,8 Mrd. DM.

Jetzt könnte man sagen: Dann sollen sich T-Mobile, Vodafone, E-Plus und O2 doch absprechen, damit es nicht noch einmal zu solch einem Szenario kommt. Geht aber nicht. Der Mobilfunkmarkt untersagt Preisabsprachen – jeglicher Art.

Nun ist es mein Ziel – wie gesagt –, mobil und flexibel arbeiten und leben zu können. Das wird vor allem dann gelingen, wenn T-Mobile, Vodafone, E-Plus und O2 jetzt ihr Pulver nicht in der Frequenzaktion verschießen, sondern anschließend über genug Mittel verfügen, um in den Ausbau des Netzes investieren zu können. Denn die Frequenzen an sich sind mir egal, ich möchte nach dieser Auktion im ICE, auf der Fähre nach Juist und beim Zahnarzt online sein. Und das zu einem guten Preis, der besonders dann gut sein wird, wenn möglichst viele Wettbewerber im Rennen bleiben.

Insofern hoffe ich, dass sich die bietenden Parteien im Vorfeld der Auktion mit dem Gefangenendilemma beschäftigt haben und sich nicht wieder blind überbieten – wie vor zehn Jahren. Denn das hat am Ende nur dem Staat etwas gebracht.