Archiv für die Kategorie „Vorsätze“

Nomophobie – eine Selbsterkenntnis

Dienstag, 31. Juli 2012

out of order

Nomophobie heißt laut Wikipedia “No Mobile Phone – Phobia’” und bedeutet übersetzt “Kein-Handy-Angst”‘. Als Nomophobie bezeichnet man die Angst, mobil unerreichbar für soziale und geschäftliche Kontakte zu sein. Die Verunsicherung und Leere, die man spürt, wenn das Handy aus, kaputt oder unerlaubt ist. Die Abhängigkeit, die man verspürt. Das Gefühl, ohne sein Handy nicht leben zu können.

Ja, ich hatte Nomophobie.

Nicht im Endstadium, aber schon absolut kritisch.

Wenn es einen Fragebogen mit 10 Fragen gäbe „Wie erkenne ich, dass ich Nomophobie habe“, dann würde ich im negativen Sinne sicherlich stark an die Höchstpunktzahl heranreichen. 66% der Briten sind übrigens nomophob. Und wenn ich mich in Deutschland umschaue, vermute ich ähnliche Raten.

Sehr vielen von Euch mag das völlig absurd erscheinen. Nach dem Motto „Ist die gaga?“, „Wovon redet die?“, „Will die uns ernsthaft weißmachen, man könnte von seinem Handy abhängig sein?“

Viele andere werden sagen „Na, das wurde ja auch mal Zeit, dass die das merkt. Diese Erkenntnis hätte ich ihr aber auch schon vor Monaten wenn nicht Jahren mitteilen können, die Sucht war ja offensichtlich!“

Wie dem auch sei. Ihr Alle wisst, dass Erkenntnisse erst dann etwas wert sind, wenn man sie selber hat. Denn Menschen können noch so oft Bedenken äußern oder auf Missstände hinweisen, erst wenn man selber das Gefühl hat, dass etwas nicht stimmt oder man sich falsch verhält, ist man bereit etwas zu ändern.

An dem Punkt war ich vor ein paar Wochen.

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Happy new year – mein persönlicher Jahresrückblick

Samstag, 31. Dezember 2011

Was für ein Jahr! Ich glaube ich habe noch nie in meinem Leben so viel erlebt wie in den letzten zwölf Monaten. Es war alles dabei. Die volle Achterbahn des Lebens im Zeitraffer eines Jahres. Wenn ich es in einem Satz zusammenfassen müsste, dann würde das Lieblingszitat meines Großvaters das Rennen machen:

“Das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden.”

Und so habe ich mehr denn je am Ende dieses ereignisreichen Jahres das Bedürfnis zurückzuschauen auf das was war und mich zu freuen auf das was kommt.

Strong

Diesen Spruch habe ich vor einigen Tagen an der facebook-Pinnwand (oder muss man jetzt schon “in der Chronik” sagen) einer Bekannten gesehen und lächelnd genickt. Denn er stimmt. Die Kräfte, die man freisetzt, wenn man keine andere Wahl hat als stark zu sein sind unglaublich. Und sie machen einem Mut. Denn sie haben mir gezeigt, dass man auch dann funktioniert, wenn eigentlich alles dagegen spricht. Dass man auch dann wieder aufsteht, wenn liegenbleiben so viel einfacher wäre. Und dass man auch dann wieder Licht sieht, wenn man eigentlich denkt, dass man gerade in einen Tunnel ohne Ausgang gefahren ist.
Der Spruch, der in meinem Lieblingsrestaurant “Dudu” in Berlin hängt geht auf abstraktere Weise in eine ähnliche Richtung.

Don´t fall

Wenn ich hier jetzt so sitze und über das vergangene Jahr nachdenke, dann kommen mir folgende Gedanken und Erkenntnisse in den Kopf:

Schwäche zeigen öffnet Türen

Aus irgendeinem (dummen) Grund war ich bis zu diesem Jahr der Annahme, dass “Schwäche zeigen” eine Schwäche sei. Gerade als Geschäftsführerin, gerade als Mutter, gerade als Frau. Ich habe einfach immer genug plausible Gründe gefunden, warum ich geglaubt habe, dass es besser sei, Zweifel, Ängste und schwache Momente mit mir selbst oder meinem engsten Umfeld auszumachen und die Außenwelt nur an den starken und selbstbewussten Momenten teilhaben zu lassen. Und nicht etwa nur um mich zu schützen, sondern weil ich vor allem der Annahme war, dass kein Mensch diese schwache Seite sehen möchte und ich praktisch mein Umfeld davor schützen muss.
Als es dann dieses Jahr einfach Momente gab in denen ich nicht stark sein konnte, in denen das Verbergen von Traurigkeit oder sogar Tränen einfach nicht geklappt hat, da hat es mich überwältigt zu sehen, welche positiven Reaktionen es hervorruft, wenn man einfach mal schwach ist. Einfach mal nicht funktioniert. Und dass das Menschen – seien es Freunde, Familie, Mitarbeiter, Investoren oder Geschäftspartner – nicht abschreckt, sondern dass man dadurch eine viel engere Bindung, viel mehr Vertrauen und Loyalität aufbaut als je zuvor. Für Viele von Euch vielleicht keine große Erkenntnis. Für mich persönlich der größte Schritt dieses Jahr.

Mehr Unternehmerinnen und Gründerinnen braucht das Land

Keine Sorge. Das ist kein feministisches Manifest was jetzt folgt. Mir geht es in diesem Moment gerade null um Frauenquote, Frauen in Führungspositionen oder irgendeine geschlechterspezifische Pro/Contra-Diskussion. Sondern schlicht und ergreifend um die Tatsache, dass ich noch nie zuvor in meinem Leben in einem Jahr so viel tolle Frauen kennengelernt habe und es einfach so eine unglaubliche Verschwendung wäre, wenn nicht mehr dieser Frauen eine starke Rolle in Unternehmen, Management- und Gründungsteams, in der Internetbranche oder im Berufsleben im Allgemeinen spielen würden.
Es würde die Unternehmen einfach so viel besser machen.
Nicht weil es Frauen sind. Sondern weil es tolle Frauen sind!
Und das war eines der Highlights dieses Jahres für mich. Diese Frauen durch meinen Job, durch Freunde, durch mein Blog, durch facebook, durch Social Media im Allgemeinen, durch Vorträge oder durch Workshops kennenzulernen. Und einen Beitrag leisten zu können, sie zu motivieren und im Idealfall zu inspirieren oder sogar in mancher Hinsicht ein Vorbild sein zu können.

Raus aus der Komfortzone

Beruflich haben wir bei Young Internet dieses Jahr keinen Stein auf dem anderen gelassen. Alles hinterfragt, alles auf den Prüfstand gestellt, uns komplett neu erfunden. Wir sind echt nicht bequem gewesen. Und haben echt alles getan, um alle Komfortzonen jeglicher Art hinter uns zu lassen. War das anstrengend? Ja! Braucht man das jedes Jahr? Nein! War es trotzdem richtig und wichtig? Absolut! So wichtig, dass ich meinen TEDtalk im November diesem Thema gewidmet habe. Da die Energie, Motivation und Innovationskraft, den dieser Prozess in uns und unserem Unternehmen freigesetzt hat so unglaublich war und ist, dass ich einfach viel mehr Unternehmen motivieren möchte, ihr volles Potential auf diese Weise zu entfalten.

Enjoy the moment oder “planlos glücklich”

Zum ersten Mal seit ich denken kann habe ich keine Pläne und Vorsätze für das neue Jahr.
Ich lasse es einfach auf mich zukommen.

Es wird schon gut werden.

Noch vor einem Jahr war ich so eine Niete in “enjoy the moment”. Ich habe mich einfach immer schon zu sehr auf das gefreut, was als nächstes kam, als den eigentlichen Moment in der Gegenwart zu genießen. Das habe ich dieses Jahr nun endlich gelernt. Dass es so viel schöner ist Erfolge zu feiern, Momente bewusst zu erleben , innezuhalten und das Leben einfach zum Quadrat zu genießen als sich in Plänen, ToDo-Listen, Zielen und next steps zu verlieren. Die sind auch wichtig, aber nicht alles.

So kann ich am Ende dieses Jahres sagen, dass ich viel vorwärts gelebt und viel rückwärts verstanden habe.

Und wenn morgen um Mitternacht die Korken knallen und 2011 zu Ende geht dann wünsche ich mir den Song “So soll es sein, so kann es bleiben” .

In der Hoffnung, dass 2012 genauso weitergeht wie 2011 aufhört. Happy new year!