Archiv für die Kategorie „Digital Relations“

The age of possible – key insights from DLDWomen 2011

Montag, 4. Juli 2011

Mir brennt es unter den Fingernägeln meine Gedanken und Eindrücke vom diesjährigen DLD Women zu posten. So here we go!

DLD Tasche

Die erste Frage, die sich mir (und wahrscheinlich vielen Anderen) stellte war: Braucht es wirklich einen DLD Women? Es gibt sicherlich viele gute Gründe, warum es eigentlich keinen braucht. Aus zwei Gründen glaube ich aber, dass der DLD Women ein echter Mehrwert ist. Zum einen schafft es dieser Event, dass Frauen endlich mal miteinander networken. Ihnen bleibt auch gar nichts anderes übrig, weil kaum Männer da sind. Und genau das ist wichtig. Denn beim DLD Women gehen plötzlich Frauen aufeinander zu, machen sich Komplimente, vernetzen sich, wollen sich wiedersehen, einander helfen, sich weiterempfehlen. So wie Männer das untereinander jeden Tag und ohne Anlass machen.

DLD World Cup Night - the girls

Zum Anderen ist es ziemlich beeindruckend, eine so geballte female power auf Podien, in Vorträgen, bei Workshops und im Gespräch zu erleben wie beim DLD Women. Eine tolle Frau jagt die nächste und die Tatsache, dass man so viele innerhalb der zwei Tage sieht ist eine echte Inspiration. Es bestätigt das, was ich immer sage. Wir müssen nicht so viel über Frauen, Frausein, den Unterschied zwischen Frauen und Männern und Gleichberechtigung reden, sondern einfach erfolgreiche Frauen zu Wort kommen lassen, die als Vorbilder dienen. Das bringt viel viel mehr.

Weshalb Vorbilder und Bilder im Kopf so wichtig sind, hat Maria Furtwängler am ersten Morgen sehr gut gesagt. Sie stellte richtig fest, dass uns für bestimmte Situationen Bilder im Kopf fehlen und wir die Situationen daher eigenartig oder ungewöhnlich und deshalb unnatürlich finden. Wenn uns beispielsweise ein weiblicher Pilot auf unserem Flug von Hamburg nach München begrüßt, erwischen wir uns dabei, wie wir kurz denken “Kann die das oder soll ich lieber aussteigen”. Denn uns fehlt einfach ein Bild einer blonden Pilotin im Cockpit. Daher gilt es Bilder im Kopf zu schaffen, die Ausnahmesituationen normal erscheinen lassen. Dafür ist der DLD Women großartig, denn nirgendwo sonst hat man nach zwei Tagen so viele neue, positive und beeindruckende Bilder von Frauen in den unterschiedlichsten Situationen im Kopf.

Mein absolutes highlight des DLD Women sind daher die tollen Frauen, die ich dort getroffen und kennengelernt haben. Katharina Borchert, CEO von Spiegel Online, Konstanze Frischen, Gründerin von Ashoka, Sara Hürlimann, Gründerin und Geschäftsführerin von zahnarztzentrum.ch, Caroline Drucker, Partner Marketing Manager von Soundcloud, Joana Breidenbach von betterplace und viele viele mehr.

Ein weiteres highlight war der Auftritt von Leonie Casanova mit ihrem song “I wanted New York” über Gegensätze, Widersprüche und Kontraste im Leben. Der Song geht wirklich unter die Haut und ist seitdem mein No. 1 Ohrwurm. Das Video ist von einer diesjährigen TEDx-Veranstaltung, weil es leider keinen Mitschnitt vom DLD gibt.

Ein weiteres highlight war der Kurz-Film, den Ernst & Young extra für den DLD Women gemacht hat. Er zeigt die technologische, gesellschaftliche, politische Entwicklung und the rise of women der letzten 60 Jahre und ist absolut sehenswert. Leider gibt es ihn nicht in abstrahierter Form, aber beim folgenden Video läuft er ca. ab der 5. Minute.

Dann gab es eine sehr spannende Podiumsdiskussion über Consumer Trends. Aus dieser session kann ich ganz besonders den folgenden Kurzfilm empfehlen, der eindrucksvoll zeigt, in welche Richtung sich das Shoppingverhalten der Zukunft verändert und wie die mobile revolution unsere Art zu leben und einzukaufen verändern wird.

Ich selber durfte auch an einer Podiumsdiskussion rund um Unternehmertum, Erfolg und Misserfolg teilnehmen und war schwer beeindruckt von unserer Moderatorin Daniela Hinrichs und meinen Mitstreiterinnen Sara Hürlimann, Claudia Dietze und Benita Justus. Meiner Meinung nach ist es uns wirklich gelungen, unsere eigenen Erfahrungen anschaulich zu teilen und das Publikum zu motivieren, aufzuwecken, neugierig zu machen und für Unternehmertum zu begeistern.

All in all kann man sagen, dass es zwei tolle Tage in München waren und ich voller Energie, Motivation und neuer Bilder in diese Woche starte.

Open communication rocks

Montag, 20. Juni 2011

Es war schon immer mein Ziel – wenn nicht sogar Traum – ein Unternehmen so zu führen, dass man gegenüber Mitarbeitern, dem Managementteam und den Gesellschaftern offen, ehrlich und transparent kommuniziert. Die Dinge beim Namen nennt. Einfach sagt wie es ist. Nicht um den heißen Brei herumredet.
Das klingt zunächst mal ziemlich cool, modern und idealistisch.

Ist es auch.

Wenn man es konsequent macht, dann gewinnt man mit open communication Vertrauen und Respekt. Ist glaubwürdig, greifbar, ehrlich und menschlich.

Das ist aber weder einfach noch bequem.

Wie oft habe ich mich dabei erwischt, Dinge, die mich oder das Unternehmen in einem guten Licht erscheinen lassen, gerne offen kommunizieren zu wollen und die schwierigen Themen unter den Tisch fallen zu lassen.
Doch so funktioniert das leider nicht. Besonders Mitarbeiter merken, ob sie immer nur die halbe Geschichte bekommen. Und sie merken erst an unangenehmen, persönlichen oder kritischen Themen, dass man offene Kommunikation wirklich ernst nimmt.

Das Resultat offener Kommunikation ist nicht nur Vertrauen, Glaubwürdigkeit und Respekt. Es gibt auch viele Nebeneffekte.
Positiver und negativer Art.
Positive Effekte sind, dass die Gerüchteküche kleiner, der „Flurfunk“ deutlich unspannender und damit weniger ausgeprägt ist und die Unsicherheit sicherer wird. Es wird weniger gemutmaßt und mehr über Fakten gesprochen. Man beschäftigt sich mehr mit der Gegenwart und Zukunft als mit der Vergangenheit. Und Menschen fühlen sich ernst genommen und geben den Vertrauensvorschuss, den offene Kommunikation mit sich bringt, dem Unternehmen im Idealfall in Form von Loyalität und Motivation zurück.
Negative Auswirkungen sind, dass manchmal gerade erst offene Kommunikation zu Unsicherheit führt, weil man unangenehme Wahrheiten hört, über die man sich sonst gar keine Gedanken gemacht hätte. Außerdem wäre es leichter, wenn es verschiedene Abstufungen von offener Kommunikation geben dürfte, um jedem die verdauliche Menge an Offenheit zu geben, die er am besten verträgt. Das wäre aber nicht offen, sondern eingeschränkt oder abgestuft offen.

Natürlich ist offene Kommunikation nicht wahllos auf jedes Unternehmen gleichermaßen anwendbar. Natürlich müssen börsennotierte Unternehmen mit offener Kommunikation anders umgehen als kleine Startups. Aber die Grundidee, die hinter offener Kommunikation steht, nämlich sich zu trauen die Wahrheit zu sagen, sollte für jeden guten Unternehmer die Basis seines Handelns sein.

Um offen kommunizieren zu können und als Mitarbeiter mit offener Kommunikation umgehen zu können braucht es ein gesundes Maß an Kritikfähigkeit, Selbstreflexion und Selbstbewusstsein. Und man muss bereit sein, Verantwortung zu tragen. Für das was man sagt und für das, was es in Menschen auslöst. Die Wahrheit ist häufig schonungsloser und schmerzhafter als eine Variante, Veränderung oder Abschwächung der Wahrheit. Die Abschwächung ist kurzfristig für Alle angenehmer. Aber sie holt einen ein. Und tut dann mehr weh und wirkt wesentlich länger nach.

Offene Kommunikation ist übrigens keine Bringschuld des Managements gegenüber den Mitarbeitern, sondern eine gegenseitige Pflicht. Die Mitarbeiter sind gleichermaßen aufgefordert, offen ihre Probleme, Wünsche, Kritik, Zweifel und Verbesserungsvorschläge zu kommunizieren. Und werden dafür gelobt und nicht bestraft. Offene Kommunikation darf aber nicht als Automatismus falsch verstanden werden, dass sich alles, was man an- oder ausspricht auch ändert oder berücksichtigt wird. Es wird diskutiert, evaluiert und abgewogen. Und danach wird entschieden. Wie bei jedem anderen Thema auch.

Bei Young Internet haben wir „open communication rocks“ zu einem unserer vier zentralen Unternehmenswerte gemacht, um die Wichtigkeit dieses Grundsatzes für das Unternehmen zu unterstreichen.

Es gab bereits viele Momente, in denen open communication zu großem Zusammenhalt im Team geführt hat, aber auch Tage an denen offene Kommunikation Unverständnis, Unsicherheit und Verärgerung ausgelöst hat. Diese Tage sind wichtig, denn sie machen einem immer wieder bewusst, dass offene Kommunikation kein Selbstläufer ist.

Denn wenn es einfach wäre, würde es ja jeder machen.

Young Internet – the kids company

Montag, 30. Mai 2011

Unser nagelneuer Unternehmensfilm über Young Internet, Panfu und Oloko ist da!
Zwei Wochen lang haben wir selber Interviews gefilmt, geschnitten, vertont und optimiert und nun ist er fertig. Definitiv ein must-see :-)
Der Film ist auf Englisch, da ca. 60% unserer Mitarbeiter nicht Deutsch sind und wir mit Panfu und Oloko in über 12 Ländern aktiv sind. Daher war Englisch wie immer der kleinste gemeinsame Nenner.

P.S. Leitet den Film gerne an jeden weiter, der gerade auf Jobsuche ist:-) Mehr Infos gibt es auf unserer Website.

Social Media für B2B-Unternehmen – was ist wirklich sinnvoll?

Donnerstag, 20. Januar 2011

Seit Wochen habe ich hier nichts geschrieben. So viele Themen sind in meinem Kopf gewesen, aber bei keinem habe ich mich wirklich kompetent oder berufen gefühlt, darüber zu schreiben. Und es waren einfach auch noch so viele andere Themen in meinem Kopf, über die ich nicht schreiben wollte, so dass ich eine regelrechte Schreibblockade hatte. Heute war der Relaunch von Panfu in 12 Ländern und nachdem dieser nun erfolgreich live gegangen ist, habe ich wieder Platz frei für andere Gedanken.

Beim Thema Social Media für B2B-Unternehmen fühle ich mich auch nicht kompetent, aber ich habe zumindest eine klare Meinung. Und die stelle ich gerne zur Diskussion.

Der Grund, warum ich über dieses Thema schreibe ist, dass ich von vielen Unternehmen angesprochen wurde, die keine Endverbraucher als Kunden haben, sondern in erster Linie andere Unternehmen oder Händler. Und deren Marken beim Endverbraucher so gut wie nicht bekannt sind. Und auch nicht bekannt sein müssen. Trotzdem fragen sich diese Unternehmen natürlich, ob nicht auch sie transparenter und präsenter im Internet sein müssten? Und vor allem wie sie das richtig anstellen? Und ob das überhaupt Sinn macht? Und wenn ja, welchen?

Meine Antwort ist: Ja.

Ja, es macht Sinn, wenn sich auch B2B- Unternehmen mit mehr als einer Standard-Unternehmenswebsite im Netz präsentieren. Und zwar nicht, weil man das heutzutage macht, sondern weil auch sich für sie genauso wie für jedes B2C-Unternehmen Mitarbeiter, potentielle Mitarbeiter, Presse, Öffentlichkeit und Kunden interessieren. Und da sich Social Media in den seltensten Fällen als echte Vertriebsmaschinerie eignet, sondern in erster Linie der Kommunikation mit der Öffentlichkeit dient und im besten Fall Vertrauen in ein Unternehmen stärkt und Neugier für dieses weckt, sollte Social Media nicht allein B2C-Unternehmen vorenthalten sein.

Nur machen bei B2B-Unternehmen viel weniger Social Media Kanäle, Tools oder Instrumente Sinn (oder wie immer man facebook, Twitter, Flickr, Youtube, foursquare, Blogs etc. nennen möchte). In meinen Augen sogar nur eins: Das Unternehmens-Blog.

Twitter macht für ein B2B-Unternehmen überhaupt keinen Sinn. Denn auf Twitter sind zwar viele Multiplikatoren und Meinungsmacher, aber was nutzt es einem, wenn man kein Produkt hat, welches sich am Ende per word-of-mouth verbreiten kann.

Für facebook gilt im Prinzip dasselbe. Auch hier werden weder zukünftige Mitarbeiter, noch B2B-Kunden, noch die Presse sich ein Bild über das Unternehmen machen. Denn es wird verdammt schwierig sein eine B2B-facebook-Seite wirklich zum Leben zu erwecken und am Leben zu halten, wenn man eine beim Endverbraucher unbekannte Marke/unbekanntes Unternehmen ist. Denn das wird kaum jemanden interessieren.

Für Flickr, Youtube, foursquare und alle weiteren “Endverbraucher-Tools” gilt dasselbe. Wie soll ein Textilfabrikant oder ein Chiphersteller von foursquare profitieren, wenn maximal die eigenen Mitarbeiter in die Lager- oder Fabrikhalle einchecken und dafür dann auch sicherlich nichts umsonst bekommen.

Was bleibt ist ein Unternehmens-Blog. Nichts Neues werdet Ihr denken, aber definitiv etwas Neues für B2B-Unternehmen. (Ich nehme alle Werbe-, Online- und Social-Media-Agenturen aus, die sich hauptberuflich mit diesem Thema beschäftigen).

Denn mit einem Unternehmens-Blog haben unbekannte, kleine oder große, schwer einzuschätzende hidden champions, die großartige Chance ihrem Unternehmen ein Gesicht zu geben. Und Kompetenz auszustrahlen. Und ein Thema zu besetzen. Und sympathisch zu sein.

Wenn z.B. ein Textilunternehmen, welches beinahe ausschließlich technische Gewebe, Funktions- und Objektstoffe produziert ein solches Blog hätte, dann würden neue Mitarbeiter, Kunden sowie jeder, den dieses Thema interessiert, eine Anlaufstelle haben, bei der man mehr über das Unternehmen hinter den Kulissen erfährt als irgendwo sonst. Die Mitarbeiter müssten die Blogposts natürlich selbst verfassen. Das sollte keine Agentur machen. Man würde 6-10 Mitarbeiter auswählen, die gerne schreiben und Spaß an einem solchen Blog hätten. Sie würden ca. zwei Mal pro Woche bloggen, so dass jeder alle 3-5 Wochen an der Reihe wäre. Sie würden Fotos ihrer Büros posten, ein Video eines Messebesuchs drehen, über die Trends der Branche schreiben, Mitarbeiter des Unternehmens vorstellen, von Geschäftsreisen berichten, den Produktionsprozess darstellen und vieles mehr. So ein Blog wäre im Minimum ein sehr starkes Recruiting-Instrument, welches eine deutliche Differenzierung zu anderen Unternehmen darstellen würde. Im Maximum wäre es mehr wert als jede Hochglanz-Unternehmensbroschüre da das Blog authentisch, menschlich, offen, sympathisch, aktuell und lesenswert wäre.

Das leisten Unternehmensbroschüren in den seltensten Fällen.

Kinderleicht

Mittwoch, 15. Dezember 2010

Wie oft denke ich: wie unbeschwert unsere Kindheit war! Wir hatten wenig Pflichten und viele Freiheiten. Wenig Zwänge und viel Platz für Kreativität und Phantasie. Wir waren kleiner und die Probleme auch. Das Leben war einfach kinderleicht.

Noch öfter denke ich allerdings wie unnötig schwer wir Erwachsenen uns das Leben machen. Als Kind waren wir einfach wir selbst – ohne Agenda.

Wir waren ehrlich. Hauptsächlich weil wir gar nicht wussten wie unehrlich geht. Das war zwar häufig schonungslos, eventuell auch beleidigend und manchmal peinlich. Aber es war ehrlich. Und damit wusste jeder wo er stand.

Wir waren naiv. Einen Luxus, den wir uns als Erwachsene gar nicht mehr leisten können ohne gleich als dumm deklassiert zu werden. Naivität beinhaltet eine unendliche Freiheit und Unschuld. Man denkt nicht jedes Szenario zu Ende, man wägt nicht jede Handlung genau ab, man denkt nicht in Konsequenzen, sondern in Chancen. Und Möglichkeiten. Das ist sicherlich naiv, aber auch sehr erfrischend.

Wir haben uns getraut zu fragen. Und zwar alles. Lange “Warum”-Frageketten, die unsere Eltern bestimmt genervt, aber dazu geführt haben, dass wir zum Kern des Themas vorgedrungen sind. Und uns sicher waren, dass wir es verstanden hatten. Und uns nicht zu schade waren, noch zwei Mal (oder mehr) nachzufragen, wenn wir es noch nicht verstanden hatten. Wie oft erleben wir es heute als Erwachsene, dass wir es verlernt haben die richtigen Fragen zu stellen. Oder überhaupt welche.

Nach Podiumsdiskussionen und Vorträgen herrscht immer ein verschämtes Schweigen, weil jeder Angst hat sich mit seiner Frage zu blamieren und nicht eloquent und intelligent genug zu wirken. Außerdem ist es eigentlich schon peinlich genug zugeben zu müssen, dass man überhaupt eine Frage hat. Wenn man dann doch eine stellt ist es eher ein Statement oder eine Ergänzung zum Vortrag als eine wirkliche Frage. Denn die Blöße geben wir uns nicht.

Dabei gibt es eigentlich nichts Bewundernswerteres und Tiefgründigeres als Menschen, die die richtigen Fragen stellen. Und sich nicht zu schade sind, einfache Fragen zu stellen. Denn es sind die einfachen Fragen, an denen wir selber merken, ob wir ein Thema überhaupt verstanden haben. Denn einfache Fragen erlauben einfache Antworten. Und damit wird uns die Chance genommen uns hinter komplexen, verwirrenden und komplizierten Antworten zu verschanzen, weil wir tief im Inneren wissen, dass wir das Thema eigentlich selber noch nicht richtig durchdrungen haben. Wie oft möchte man seinem Gesprächspartner sagen “Erklär es doch bitte mal so, wie Du es einem 8-jährigen Kind erklären würdest”. Und wie oft trauen wir uns das nicht. Weil wir denken, dass es ein schlechtes Bild auf uns wirft.
Ich glaube ganz ehrlich, dass wir viel weniger Probleme im Privat- und Berufsleben hätten, wenn wir wieder mehr fragen würden. Und den Anspruch hätten, die Antworten auch zu verstehen. Und nicht schon mit dem Nicken beginnen würden, bevor die Antwort überhaupt angefangen hat. Doch dafür haben wir einfach unsere kindliche Unschuld verloren.

Wir waren intuitiv. Wir haben keinen Plan oder eine roadmap gemacht, um Themen, Probleme oder Aufgaben anzugehen. Sondern wir haben intuitiv gehandelt. Learning by doing. Nicht learning und dann doing. Wir waren unverkrampft und unverkopft. Und wir haben Einfachheit geliebt und Komplexität gemieden.

Es ist für uns als Erwachsene heute der größte Lerneffekt, wenn wir Kindern etwas in die Hand geben, um zu sehen, wie sie es bedienen und ob sie es bedienen können. Das fängt bei realen Produkten an und hört bei Webseiten auf. Steve Jobs’ neue Devise “mobile first” ist eigentlich nichts anderes als ein Aufruf zu mehr Einfachheit, intuitiver und übersichtlicher Bedienbarkeit. Etwas einfach darzustellen und intuitiv benutzbar zu machen ist viel schwerer als sich hinter künstlicher Komplexität zu verstecken. Es zu schaffen eine komplexe Anwendung auf einem kleinen Iphone-Bildschirm darzustellen und erlebbar zu machen ist eine große Leistung. Den Mut zu haben diese Einfachheit und Klarheit auf eine große Website zu übertragen ist dagegen echte Kunst. Die noch von viel zu wenigen praktiziert wird.

Wie sehr wünsche ich mir manchmal, dass kindliche Denke bei Erwachsenen mehr als Stärke denn als Schwäche gesehen wird. Warum legen wir in Bewerbungsgesprächen nicht mehr Wert auf diese Eigenschaften? Warum zwingen wir uns bei Antworten nicht darauf kindlich einfach, klar und geradlinig zu antworten?

Die Welt am Sonntag hat eine Beilage, die sich “kinderleicht” nennt. Dort ist die Welt der Erwachsenen für Kinder dargestellt.

Vereinfacht.
Auf den Punkt gebracht.
So dass Kinder sie verstehen.

Ich habe ein Interview für diese Beilage gegeben, welches am Sonntag erscheint und gemerkt, wie ehrlich, selbstkritisch und transparent man wird, wenn man weiß, dass Kinder einen verstehen müssen. Wie schwer es ist sich nicht hinter aussagelosen Fachbegriffen zu verschanzen, sondern die Dinge beim Namen zu nennen. Ich bin sehr gespannt auf das Ergebnis am Sonntag.
Und ich nehme dieses Interview zum Anlass meinen Vorsatz für 2011 zu formulieren:

Ich möchte mich wieder mehr wie ein Kind benehmen und mehr in die kindliche Denke hineinversetzen.

Sollte eigentlich zu schaffen sein. Sollte eigentlich kinderleicht sein. Sollte man meinen.

Nachtrag: Hier der Artikel in der Welt am Sonntag.