Mann 2.0 – Wonderwoman ist nichts dagegen!

9. Mai 2012 | Schlagworte: , , , , , , , , | 17 Kommentare »

Männer dürfen das letzte Wort haben

Alles begann damit, dass ich vor ein paar Monaten die Erstausgabe der deutschen Wired in meinen Händen halten wollte und das nur über den Umweg „GQ-kaufen“ ging. Der Aufmacher mit Justin Timberlake „Deutsche Männer mögen kein Machogehabe“ war mein erster Berührungspunkt mit dem Thema „Wie ist Man(n) heutzutage“.
Dann bin ich in der „Welt“ auf einen Artikel auf der ersten Innenseite aufmerksam geworden: „Was wären wir ohne Machos“.
Dann noch ein langer (Rotwein)-Abend mit Freunden (Männern wie Frauen), an dem wir diskutiert haben, wie Mann heutzutage sein muss, um Frau zu beeindrucken.

All diese Impulse haben also dazu geführt, dass ich mich jetzt ernsthaft an das Thema „Männer“ wage. Damit kann man sich ungefähr so gut in die Nesseln setzen wie mit Themen wie „Kind und Karriere“, „Frauenquote“ oder „Euro-Rettung“. Denn die Meinungen gehen weit auseinander, sind stark subjektiv, emotional geprägt und es ist eigentlich von vornherein klar, dass einem tendenziell mehr Menschen widersprechen als einem zustimmen werden.

Und es so gut wie nichts zu gewinnen gibt.

Eigentlich gar nichts.

Aber wie Ihr Euch vorstellen könnt, stellt die Aussicht auf Gegenwind eher einen Anreiz als eine Hemmschwelle dar und deshalb tue ich es.

Ich schreibe heute über Männer.

Und zwar darüber, was wir an Männern lieben, was wir bewundern und wie Mann heutzutage sein muss, um Frau zu beeindrucken. Bzw. was wir Mann 2.0 abverlangen.

Das „wir“ wähle ich, um mich in der Masse der Frauen zu verstecken, die ungefähr genauso heterogen ist wie die Masse der Männer, die ich jetzt alle über einen Kamm schere. Deshalb ist es von vornherein ein kalkuliertes Risiko, dass ich alle Frauen in einen Topf schmeiße und mir anmaße zu beschreiben was sie alle gleichermaßen vom Stereotyp Mann erwarten.

Gegenwind vorprogrammiert.

Um es vorweg zu nehmen. Ich möchte nicht tauschen. Was wir Mann 2.0 abverlangen ist unmenschlich. Frauen heutzutage sind weniger kompromissbereit und anspruchsvoller als sie es je in der Vergangenheit waren. Anspruchsvoll im Sinne von „voller Ansprüche“, die sie an Männer, aber auch an sich selbst richten.

Die Kombination aus „weniger kompromissbereit“ und „anspruchsvoller denn je“ hat es in sich. Diese Mischung führt im Ergebnis dazu, dass wir mehrere Männer in einem Mann haben wollen. Phasen- und Situationsabhängig gerne immer eine andere Facette.

Aber dabei natürlich immer denselben Mann.

Also: Wenn wir einen Mann kennenlernen und uns in ihn verlieben sollte er bitte erstmal Macho sein: Beliebt, hard-to-get, nicht sofort interessiert, aber interessant. Humorvoll, schlagfertig, leidenschaftlich, unabhängig, freiheitsliebend und wild.

Sobald wir dann sein Herz erobert haben, hätten wir gerne den Gentleman. Immer noch humorvoll, schlagfertig, leidenschaftlich und interessant, aber statt unabhängig, freiheitsliebend und wild bitte charmant, zuvorkommend, tiefgründig, aufmerksam und sehr an uns und unserem Leben interessiert. Ach ja und natürlich intelligent. Das gilt natürlich in jeder Phase. Er sollte Entscheidungen rational treffen, aber auch Emotionen zeigen können. Wir wollen uns bei ihm anlehnen können, aber gleichzeitig auch sagen dürfen wo es lang geht. Er soll uns ungeschminkt bildhübsch und natürlich, und geschminkt sexy und attraktiv finden. Er soll romantisch sein. Er soll Actionfilme lieben, aber mit uns Notting Hill auf DVD sehen. Er soll kochen können, aber bitte keine Rezepte mit seinen Freunden austauschen.

Im Rahmen unserer beruflichen Karriere möchten wir gerne den Teamplayer: verständnisvoll, hilfsbereit, bewundernd, aufmunternd. Denjenigen, der uns das Gefühl gibt unsere Karriere sei genauso wichtig wie seine. Der uns alle Freiheit gibt uns zu entfalten und uns unterstützt voranzukommen. Der uns nicht bremst, sondern stolz auf uns ist.

Wenn wir dann Kinder haben, möchten wir gerne die Allzweckwaffe: Beruflich erfolgreich genug, um die Familie zu versorgen, aber gleichzeitig bitte auch genug Zeit, um für die Kinder da zu sein. In dieser Phase erwarten wir permanente Dankbarkeit für alles, was wir rund um Haushalt und Kind leisten, Verständnis für schlechte Laune, Verständnis für unsere post-Schwangerschaftsfigur, die Einsicht, dass er als Mann eigentlich ein viel einfacheres Leben hat, weil er ja keine Kinder bekommen kann und nicht so fremdgesteuert ist wie wir, Geschenke und spontane Aufmerksamkeiten in Form von Blumensträußen und Wellness-Wochenenden, aktive Mithilfe bei den Kindern vor allem nachts und früh morgens am Wochenende. Akzeptanz für unsere Müdigkeit, aber bitte kein Vorschützen der eigenen.
Ach ja: und natürlich sollte Mann auch in dieser Phase immer noch humorvoll, schlagfertig, leidenschaftlich, interessant, charmant, zuvorkommend und tiefgründig sein. Das ist ja sozusagen das Grundrauschen, was immer gilt. Denn wir wollen schließlich nicht in dieser für uns so anstrengenden Phase auch noch sagen müssen „Damals als ich mich in Dich verliebt habe warst Du viel liebevoller und aufmerksamer und…“

Wenn wir dann beruflich wieder durchstarten wollen, soll Mann bitte nicht den Hausmann spielen und uns anbieten die Kinder und den Haushalt zu übernehmen. Er soll uns aber natürlich den Rücken stärken, bei den Kindern unterstützen, plus „all of the above“. Aber bitte nicht Karriere auf Kosten unserer Karriere machen. Und schon gar nicht glauben, seine wäre wichtiger. Und bitte auch nicht seine Karriere wichtiger finden als die Kinder. Oder gar uns.
Denn gerade in dieser für uns so herausfordernden und anstrengenden Kind & Karriere – Phase möchten wir den best-of-all-worlds Mann an unserer Seite haben. Ausgeglichen, entspannt, beruflich erfolgreich, liebevoll, aufmerksam. Denjenigen, der seine Familie an erste Stelle stellt, im Job befördert wird und uns jeden Tag das Gefühl gibt, die absolute Traumfrau zu sein.

Liebe Männer: ich möchte nicht tauschen.

Wonderwoman ist nichts dagegen.

Schlagworte: , , , , , , , ,

17 Kommentare zu „Mann 2.0 – Wonderwoman ist nichts dagegen!“

  1. Sebastian sagt:

    So viel Text, soviel "Problem".

    Dabei ist die Lösung ganz einfach: Um dem zu entkommen, muss man(n) einfach wieder Mann sein. Die Ratio mag sich in den letzten Jahren dramatisch gewandelt haben. Der evolutionäre Unterbau aber nicht.

    Männer und Frauen funktionieren heute nach den gleichen Mustern wie vor tausenden von Jahren.

    Wenn ein Mann es versteht, eine Frau in seinen Bann zu ziehen und sie restlos ins emotionale Chaos zu schießen, vergisst sie alle rationale Erwartungen. Dann kann er all das sein, was sie nie wollte und sie liebt ihn trotzdem.

    Oder anders herum: Solange eine Frauen rationale Erwartungen an einen Mann stellt, ist es einfach nicht der Richtige.

  2. Andreas sagt:

    Viel Spaß beim Backen :-)

    Liebe Frauen hier ein Tip "Wer Erwartungen hat, kann nur enttäuscht werden!"

    • Verena sagt:

      Wir wollen ja eigentlich gar nicht backen:-) Denn wenn jemand dann fertig gebacken ist, ist er nicht mehr der, in den wir uns verliebt haben.

  3. Christian sagt:

    Super Post Verena!

    Super Comment, Sebastian!

  4. Susanne sagt:

    *gähn* und jetzt? ich versteh den Sinn dieses Posts nicht. Nicht wirklich. Hier schreibt eine Frau über Frauen (oh, wie ich dieses Aufeinandereindreschen hasse, Frauen haben das leider perfektioniert), die sich einen Mann wünschen, der in allen Lebens- und Gefühlslagen an ihrer Seite ist, der sie liebt, unterstützt, eben ein echter Partner ist. Im Idealfall sind diese Frauen ihren Partnern dann auch genau das in allen Lebens- und Gefühlslagen: eine echte Partnerin. Augenhöhe, Respekt und der ganze Kram. Achtung: so etwas ist möglich, lebbar und: macht glücklich! Beide, Mann und Frau.
    Wo ist also das Problem?
    .

    • Verena sagt:

      Das glaube ich sofort, dass das möglich ist! Sonst gäbe es nicht so viele glückliche Ehen und Beziehungen. Dass es in der heutigen Zeit aber immer schwieriger wird solche frei von allen Einflüssen und eigenen Ansprüchen an sich und den Partner zu führen ist auch klar. Bzw. dass die Kompromissbereitschaft abgenommen hat. Dafür ist nicht zuletzt die stetig wachsende Scheidungsquote ein Beweis. Insofern ist der Sinn dieses Posts eine (überspitzte) Bestandsaufnahme eines bestimmten Typs Frau mit der impliziten Lösung, dass wir wieder kompromissbereiter und weniger anspruchsvoll (besonders an uns selbst) werden müssen, um weder uns noch unseren Partner zu überfordern. Mit Aufeinanderdreschen hat es ziemlich wenig zu tun, außer Du meinst, dass ich mich selbst verprügelt habe.

  5. Liebe Verena, wundervoll geschrieben! Unterschreibe ich alles. Finde das aber überhaupt nicht anmaßend sondern natürlich völlig nachvollziehbar und normal. So ein zärtlicher Held, feingeistiges Muskelpaket, humorvoller Redenhalter, multitasking Papi darf in keinem deutschen Haushalt fehlen!
    Und wo das alles hinführt, wenn alle Männer erst mal so sind:
    -> glückliche, strahlende Frauen mit rosig-geküsstem Teint
    -> glückliche Frauen mit umwerfender Power und Lust auf tolle Jobs
    -> glückliche Unternehmerinnen, die viele tolle neue Jobs schaffen und Steuern zahlen
    -> glückliche Frauen die wahnsinnig Lust auf 2, 3, 4 oder 5 Kinder haben
    -> eine Explosion unserer Geburtenrate
    -> eine rosige Zukunft.

    Also, es lohnt sich, am Projekt "Mann" weiter zu arbeiten! Vollgas!
    Glückliche Grüße,
    Susanne

  6. Christina sagt:

    Wahrscheinlich gibt es solche o.g. Frauen, ABER es gibt auch andere Ansichten. Hier ein paar herausgegriffene Punkte:
    1. Frauen wollen einen Macho: ICH will keinen Macho! Ich will einen normalen Mann, der selbstbewusst, aber total understated ist. Machos sind nach meinem Verständnis narzistisch, aggressiv o. angeberisch und somit beziehungsunfähig.

    2. Hard-to get und nicht interessiert: No way! Er sollte TOTAL interessiert sein und es mir auch ganz deutlich zeigen. Ich möchte erobert werden und nicht selber jagen.

    3. Wünschenswerte Eigenschaften für eine Frau (am Anfang):
    - Beliebt: Nein – im Gegenteil: Männer mit 1000 Freunden auf Facebook o. solche, die auf jedem "wichtigen" Event rumhüpfen, machen mich eher skeptisch.
    -Wild: Wild hört sich so nach "exzessiv" an. Die wilden Kerle sind doch meist total egomanisch. Lieber den Bodenständigen. Eine Schnarchnase sollte er trotzdem nicht sein, aber es gibt ja auch etwas dazwischen.
    - Emotional: Ein Mann hat bereits in jungen Jahren gelernt, seine Emotionen zu verstecken und kein Interesse, seine Gefühle zur Schau zu stellen. Für lange emotionale Gespräche habe ich Freundinnen, Schwule und Psychotherapeuten.

    • Verena sagt:

      Absolut richtig, dass die beschriebenen Wünsche und Ansprüche nicht allgemeingültig sind. Finde Deine Punkte sehr nachvollziehbar. Das macht es ja am Ende auch aus: Dass jeder einen anderen Traummann/Traumfrau sucht und wir nicht alle den- oder dieselbe.

  7. Phil sagt:

    Liebe Verena, es gibt keine perfekten Männer, aber auch keine perfekten Frauen…Um wirklich glücklich zu werden müssen wir an unserem Partner, egal welchen Geschlechts, auch das nicht Perfekte lieben! LG aus HH

    • Verena sagt:

      Absolut 100% richtig! Mein Post soll auch in keinster Weise sagen, dass wir perfekt wären und deshalb berechtigterweise so hohe Ansprüche an die Männer stellen. Im Gegenteil es soll zeigen, dass dieses Hochschaukeln in den Erwartungen und das versuchen alles unter einen Hut zu bekommen und dabei noch die perfekte Beziehung zu führen nicht funktionieren kann. Und das auch nicht der Anspruch sein darf. Sonst ist das Unglück von vornherein vorprogrammiert.

  8. Roberto sagt:

    Liebe Verena,

    hast Du mal überlegt, was ein Mann zur “Frau 2.0″ schreiben würde?

    Genau, das wäre sehr kurz und würde sich weniger mit Charaktereigenschaften auseinandersetzten.

    Und da ist das Problem.

    Denkt weniger. Fordert weniger. Seid mehr.

    :)

    • Verena sagt:

      Ne, eigentlich eine ganz spannende Frage! Wahrscheinlich würde er Frau 2.0 ziemlich ähnlich beschreiben wie ich in meinem Post, nämlich, dass sie in erster Linie ziemlich viele Erwartungen an sich stellt, um am Ende zu dem Schluss zu kommen, dass es mehr um das im "Jetzt und Hier" leben geht als um das planen und optimieren für die Zukunft.

      "Denkt weniger, fordert weniger, seid mehr" finde ich super – nehme ich mir jetzt zum Leitsatz:-) Hoffentlich funktionierts!

    • Andrea sagt:

      Also das würde mich ja mal interessieren! Wie soll die Frau von heute sein?

  9. Ralf Tometschek sagt:

    Drama, baby. Gute Beziehung ist, wenn Frau und Mann Hand in Hand und Herz an Herz ihre DNA-Programme überwinden lernen.

  10. steffen sagt:

    Schöner Artikel. Ist mal interessant zu erfahren, was das andere Geschlecht so erwartet ;-)

    Ich glaube die meisten Männer sind rational. Das Problem ist, dass die meisten Frauen es nicht sind. Rationalität hängt auch immer von der Situation ab. Es gibt Situation wo Rationalität extrem gefragt ist und Situation wo Rationalität eher hinderlich ist. Zu krieseln beginnst immer dann, wenn Rationalität ind Irrationalität in der selben Situation aufeinanderprallen.

    Meine Frau 2.0 (in dieser reihenfolge):

    - kompromissbereit
    - ehrlich
    - liebevoll
    - verständnisvoll
    - bescheiden

Kommentieren