Unsere Kinder sind kein Projekt

7. Februar 2013 | Schlagworte: , , , | 2 Kommentare »

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Alle paar Monate kommt dieser Moment. Dass mir ein Thema plötzlich so unter den Fingernägeln brennt, dass ich nicht anders kann als meinen Gedanken freien Lauf zu lassen und sie ohne viel Nachdenken herunterzuschreiben.

Am Sonntag gab es mal wieder so einen Moment. In der „Welt am Sonntag“ habe ich den Artikel „Die Geschichte vom ewigen Zappelphilipp“ gelesen mit der Unter-Überschrift „Nie zuvor wurden in Deutschland so viele ADHS-Fälle diagnostiziert“.

Dieser Artikel hat eine Flut von Gefühlen und Gedanken bei mir freigesetzt, die ich jetzt ungefiltert mit Euch teile.

Der Stein meines Anstoßes ist das folgende Zitat einer Mutter in dem WamS-Artikel:

„Wenn im Kindergarten alle malten, zog mein Sohn sich zurück und las. Und heute noch, wenn ich in sein Zimmer komme, und er sitzt mit dem Rücken zur Wand, dann erschrickt er sich zu Tode, weil er sich in einer Parallelwelt befindet“.

Ja und?

Ist es nicht toll, wenn Kinder in unserer Welt aus Reizüberflutung, Konsum und Frühförderung die Phantasie und Ruhe haben, sich Parallelwelten zu schaffen? Wenn sie in diesen versinken und alles um sich herum vergessen?  Nur weil wir das selber verlernt haben (siehe mein Blogpost zu „Nomophobie“) sollten wir doch unseren Kindern diese Momente erst recht gönnen. Dieses Innehalten, diese Rückzugsmöglichkeit, dieses Eintauchen in Phantasiewelten.

Was kann es Schöneres geben, als dass Kinder in selbst gebauten Höhlen sitzen, in ihrem Spiel versinken und sich Phantasiewelten aufbauen.

Ich erinnere mich an so viele Tage als Kind, an denen ich nachmittags oder am Wochenende oder in den Ferien auf dem Sofa lag und komplett in meine Bücher versunken war, während rings um mich herum das Leben seinen ganz normalen Lauf nahm und ich von all dem nichts mitbekam. Oder stundenlang auf dem Bauch im Wohnzimmer lag und Lego gespielt habe ohne von irgendwem Notiz zu nehmen.

Wenn meine Eltern mich dabei unterbrachen, dann schreckte auch ich hoch aus der Parallelwelt, der ich entrissen wurde. Aber nie war die Reaktion oder der Gedanke meiner Mutter „Oh nein, mein Kind hat eine Krankheit, weil sie sich immer in ihre phantasievolle Parallelwelt flüchtet.“

Nein, ich war einfach ein Kind, welches gerne las und spielte und darüber Zeit und Raum vergaß.

Warum also analysieren wir unsere Kinder heutzutage so sehr? Warum verlassen wir uns nicht mehr auf unser Bauchgefühl? Warum schlagen wir alles in Elternratgebern und Magazinen nach? Warum rennen wir wegen jeder kleinen Ungereimtheit oder vermeintlichen Fehlentwicklung zum Arzt? Warum haben wir ständig das Gefühl unser Kind nicht optimal zu fördern? Wo ist die Leichtigkeit geblieben und das Vertrauen in uns und unser Kind?

Das eine Kind spricht mit 2 Jahren fließend, das andere bekommt (wie mein kleiner Sohn) mit fast 3 Jahren kaum einen richtigen Satz heraus.

Das eine Kind kann 20 Kinderlieder, das andere singt schief und krumm und kann sich keine Zeile merken.

Das eine Kind stürzt sich mit Begeisterung in neue Situationen und Herausforderungen, das andere ist schüchtern und zurückhaltend und versteckt sich lieber hinter dem Bein der Mutter oder des Vaters.

Das eine Kind braucht sehr lange einen Schnuller, das andere wollte nie einen haben.

Das eine Kind hat unheimlich viel Ballgefühl, das andere trifft auch noch nach 2 Jahren im Fußballverein kaum einen Ball.

Das eine Kind kann sich mit 2,5 Jahren alleine anziehen, das andere hat mit 5 Jahren noch Schwierigkeiten.

Na und?

Irgendwann kann sich jedes gesunde Kind alleine anziehen. Irgendwann hat es keinen Schnuller mehr. Irgendwann kann es sprechen.

Warum entspannen wir uns nicht einfach? Und üben damit weniger Druck auf uns und unsere Kinder aus?

Unsere Kinder sind kein Projekt, welches es zu optimieren gilt. Sie sind keine Maschinen, die wir optimal einstellen und bei der kleinsten Fehlstellung korrigieren müssen. Anders als im Berufsleben sollten wir bei unseren Kindern nicht in best practices, benchmarks und milestones denken. Nicht in Ergebnissen sondern in Erlebnissen. Unsere Kinder sind Individualisten so wie wir auch. Sie haben ihre eigene Persönlichkeit und ihre eigene Geschwindigkeit. Und sie haben ihre eigene innere Uhr. Und die kann ruhig mal vor- oder nachgehen.

Der Weg ist das Ziel. Und Wege kann und darf es viele geben.

Am Sonntagabend habe ich in die „Goldene Kamera“ gezappt und die Verleihung des Nachwuchspreises an Max von der Groeben gesehen. Ein cooler, sympathischer, humorvoller junger Schauspieler, der bestimmt nicht nur mich begeistert hat.  Doch wenn ich nun ein Interview mit seiner Mutter oder seinem Vater führen würde über die 10 Dinge, welche dazu geführt haben, dass er so ein toller Junge geworden ist und versuchen würde, diese dann bei meinen eigenen Kindern nachzumachen würde ich scheitern. Weil das genauso wenig funktionieren würde, wie Richard Branson zu fragen, was die 10 Dinge waren, weshalb er Milliardär wurde. In beiden Fällen hängt so viel von den Lebensumständen, den Genen, Talenten, Freunden, den Eltern und der Familie ab, dass man es einfach nicht übertragen kann. Ja klar, beruflich holen wir uns ganz viel Input und lernen gerne von Anderen. Aber in Bezug auf unsere Kinder sollten wir uns mehr auf uns und unser Gefühl verlassen. Denn am Ende werden unsere Kinder am meisten aufblühen, wenn sie sich unserer Nähe und Liebe gewiss sind und sich nicht wie ein durchgeplantes Projekt fühlen.

Natürlich liegt die Verantwortung bei uns Eltern, Impulse zu setzen, das richtige Maß aus Anleitung und eigener Kreativität zu finden und zu fördern. Freies Spiel genauso zu ermöglichen wie sich Zeit für gemeinsame Erlebnisse zu nehmen. Grenzen zu setzen ohne sie in ein Korsett zu zwängen. Geduld zu haben ohne ihnen alles durchgehen zu lassen. Sie zu loben ohne sie zu verherrlichen. Ihnen eine Freude zu machen ohne dass Ausnahmen die Regel und Geschenke tägliche Normalität werden.

Das ist wahnsinnig anstrengend und schwierig. Keine Frage! Es ist eine tägliche Herausforderung, die man nur selten wirklich gut hinbekommt. Aber es sollte der Anspruch sein. Dass man seine Kinder ohne Medikamente, ohne ein Dauerfeuer an Aktivitäten, ohne ständige Arztbesuche und ohne Tranquilizer aufwachsen lässt und sie zwischendurch einfach mal in Ruhe lässt. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Der Stress kommt noch früh genug.

Passion

19. September 2012 | Schlagworte: , , , , , | 1 Kommentar »

I am very passionate. About a lot of things. It is basically my „conditio sine qua non“, something I cannot live without. Passion is my personal basis for motivation, enthusiasm and success. If I am not passionate about something I will not be very good at it. Neither try particularly hard. And people will notice that it is something I have to do rather than something I love doing.

So when I got the invitation to speak at the Hasso Plattner Forum last week about passion I passionately said „yes“!

I was running through the Volkspark Friedrichshain a few days before the Forum and started thinking about my speech and what passion actually means to me in business life. And what the ingredients of passion are. I came up with 7 things that drive and show my passion. Their first letters make up the word „passion“. So here we go:

Seven principles of passion

People – You might say this is a no-brainer. Or something everybody would say. But seriously, if you think about passion it is almost naturally linked to the people around you. In my eyes you can only be passionate about something if you are surrounded by the right people. And with that I don´t only mean team members, but also customers, investors, the press, your peer group and your family. We are a tech company and could easily hide behind our computers and devices. So it is absolutely vital that we experience real moments with real people. And that we show and receive human reactions to our products. I am most passionate about our company and the Apps we develop when I experience kids or their parents playing our Apps. That is our purpose of existing as a company. It makes us passionate that we create Apps and games that add fun, colour, laughter and entertainment to peoples lives.

Authenticity – You have to love what you do. And you have to identify with your company and your products to be authentic. I can only be passionate about something I really see a value in. And products I would really use. You can see the difference in attitude and charisma if I am not authentic and pretending to be passionate. It doesn´t work.

Stop Doing – You can´t be passionate about everything. Once in a while you have to get rid of routines and tasks that prevent you from being passionate. Obviously there will always be things that you won´t enjoy doing, but that have to be done. But there are also a lot of things that are unnecessary, things we have loaded on our desks over time, which prevent us from being passionate and which we should stop doing straight away.

Success – To stay passionate everybody needs small signs of success. I don´t mean big exits and cover stories. What I mean are little success stories along the way that show us that we are moving into the right direction. You can fail with something you are passionate about. But you can´t succeed with something you don´t like doing. At least inside it will always feel wrong.

Passion

Innovation – I am most passionate when we are creating something new. Of course you can earn a lot of money or fame by successfully copying somebody else. And it is definitely less risky. But it will never feel like you are really making a difference. Because it will always be “same same” of something that is already there. Yes, innovation is a big word and we can definitely not claim this for our company if we are talking about real game-changing, ground-breaking innovation. But we are innovative enough in the way we run our business and create our products to feel passionate about what we do.

Opportunity – What I mean by opportunity is that the field and market we are playing in has to be big enough to allow us to think big. You need this feeling that you could continue building and developing your company for years as there are so many ideas and opportunities you want to bring to life. If you feel that you have put everything into a company you can think of and see no further opportunities of adding new products or going new ways it is very difficult to stay passionate.

No Plan B – This is the most important point for me. If you are really passionate about something you do not have a Plan B. You go full risk, make no compromises and either fail or succeed. But nothing in between. If you already have one hand on the telephone to call the headhunter in case plans don´t work out or hop from one job to the other because the next one offers you more salary or a better title then you can definitely have a lot of drive, ambition, energy and enthusiasm, but you are not passionate about what you do. Which doesn´t matter. You can still be happy.

But in the end I believe in what Friedrich Hegel said: “Nothing great in the world has been accomplished without passion”.

Nomophobie – eine Selbsterkenntnis

31. Juli 2012 | Schlagworte: , , , , , , | 2 Kommentare »

out of order

Nomophobie heißt laut Wikipedia “No Mobile Phone – Phobia’” und bedeutet übersetzt “Kein-Handy-Angst”‘. Als Nomophobie bezeichnet man die Angst, mobil unerreichbar für soziale und geschäftliche Kontakte zu sein. Die Verunsicherung und Leere, die man spürt, wenn das Handy aus, kaputt oder unerlaubt ist. Die Abhängigkeit, die man verspürt. Das Gefühl, ohne sein Handy nicht leben zu können.

Ja, ich hatte Nomophobie.

Nicht im Endstadium, aber schon absolut kritisch.

Wenn es einen Fragebogen mit 10 Fragen gäbe „Wie erkenne ich, dass ich Nomophobie habe“, dann würde ich im negativen Sinne sicherlich stark an die Höchstpunktzahl heranreichen. 66% der Briten sind übrigens nomophob. Und wenn ich mich in Deutschland umschaue, vermute ich ähnliche Raten.

Sehr vielen von Euch mag das völlig absurd erscheinen. Nach dem Motto „Ist die gaga?“, „Wovon redet die?“, „Will die uns ernsthaft weißmachen, man könnte von seinem Handy abhängig sein?“

Viele andere werden sagen „Na, das wurde ja auch mal Zeit, dass die das merkt. Diese Erkenntnis hätte ich ihr aber auch schon vor Monaten wenn nicht Jahren mitteilen können, die Sucht war ja offensichtlich!“

Wie dem auch sei. Ihr Alle wisst, dass Erkenntnisse erst dann etwas wert sind, wenn man sie selber hat. Denn Menschen können noch so oft Bedenken äußern oder auf Missstände hinweisen, erst wenn man selber das Gefühl hat, dass etwas nicht stimmt oder man sich falsch verhält, ist man bereit etwas zu ändern.

An dem Punkt war ich vor ein paar Wochen.

Ich habe gemerkt, dass ich einfach verlernt habe abzuschalten. Nicht nur das Handy, sondern vor allem mich selbst.

Ich habe mich nicht mehr auf mein Gegenüber konzentrieren können. Mich nicht mehr treiben lassen. Nicht mehr in Erlebnissen gedacht, sondern nur noch in Statusmeldungen. Immer wenn die echte Welt nicht mehr genug war, habe ich mich in die virtuelle Welt geflüchtet.

Ich bin nicht mehr in einen Flow gekommen. Jenen Zustand, in dem man nicht mehr auf die Uhr schaut. In dem die Zeit verfliegt und man alles um sich herum vergisst.

David Brooks, der Autor von „Das soziale Tier“ beschreibt den Zustand dieses Flows sehr passend:

“Der bewusste Teil unseres Geistes sehnt sich nach Dingen, die in irgendwelchen Lifestyle-Zeitschriften beschrieben werden: nach Geld, nach Erfolg, nach Ruhm. Unser Unbewusstes hingegen sehnt sich eigentlich nach den Momenten, in den das Bewusstsein des Selbst in den Hintergrund tritt und verschwindet. Wenn man sich zum Beispiel in irgendeiner Arbeit verliert wie ein Schreiner, der ein Stück Holz bearbeitet, oder ein Künstler, der an einem Gemälde arbeitet. Wenn man sich in der Natur verliert, weil man sich wie verschmolzen fühlt mit ihr, wenn man in Gottes Liebe aufgeht oder in der Liebe zu einem anderen Menschen. Unser Geist ist dann am glücklichsten, wenn er die Hülle des Bewusstseins abzulegen vermag und in etwas aufgeht das größer als er selbst ist.”

Genau darum geht es und das ist es, was mir gefehlt hat. Die Hülle des Bewusstseins abzulegen. Dafür musste ich kein Yoga machen, dafür musste ich nicht ins Kloster gehen oder mich auf einer einsamen Berghütte einschließen. Dafür musste ich einfach lernen, mein Handy mal wegzulegen oder es gar nicht erst mitzunehmen. Mich auf den Moment einzulassen. Ihn zu genießen. Und dem Moment die Chance zu geben über sich hinaus zu wachsen. Wieder zu lernen durch die Straßen zu gehen und auf Kleinigkeiten zu achten. Wieder zu lernen, dass der Weg das Ziel ist.

Soweit die Selbsterkenntnis und Analyse.

Was habe ich also in den letzten Wochen geändert?

Ich habe nichts mehr auf facebook gepostet und keine Mails mehr gelesen, wenn ich mit meinen Kindern oder anderen Menschen in meiner Freizeit zusammen war. Auch nicht, wenn sie kurz aus dem Zimmer oder zur Toilette gegangen sind oder kurz in die Luft geguckt haben.

Ich habe kein facebook und keine Mails mehr im Auto an der Ampel, beim Warten an der Supermarktkasse, beim Entlanggehen der Straße, auf dem Fahrrad, im Fitness-Studio oder beim Joggen gecheckt. Total crazy, ich weiß.

Ich bin zwei Wochen in den Urlaub gefahren und habe in der ersten Woche keine Mails gecheckt. In der zweiten Woche lediglich jeden 2. Abend. Aber auch das hätte ich rückblickend lassen können.

Ich habe auf Twitter nur noch reagiert und nicht mehr aktiv dort gepostet. Und habe auch das Gefühl, dass ich verlernt habe wie das geht. Und dass mich die Twitter-Community eh nicht mehr ernst nehmen würde.

Das war der erste Schritt, um überhaupt mal wieder den Kopf freizubekommen.

Dann habe ich mir den TEDtalk von Thimon von Berlepsch nochmal angesehen. Dieser hat mich schon im November sehr beeindruckt, als ich ihn live beim TEDxBerlin gesehen habe. Und zwar nicht nur wegen der Zaubertricks und Thimons beeindruckender Aura, sondern besonders wegen seines Aufrufs mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und nach magischen Momenten zu suchen. Nach den kleinen magischen Momenten des Alltags, die man nur sieht, wenn man den Kopf frei hat, wenn das Handy aus oder zumindest nicht in der Hand ist und wenn man sich vollständig auf seine Umgebung einlässt.

Für manche von Euch völlig selbstverständlich. Für viele von Euch nicht sonderlich schwierig.

Für mich eine ganz neue Erfahrung.

So bin ich für zwei Wochen mit meiner Familie in den Urlaub in die Toskana gefahren und habe mein Handy ausgeschaltet. Zumindest für die ersten 7 Tage.

Kein facebook, kein Twitter, kein Pinterest, keine Mails, keine Anrufe, keine Fotos.

Nachdem sich das die ersten zwei Tage so angefühlt hat, als ob die Welt stehen geblieben sei, setzte dann am dritten Tag eine Tiefenentspannung ein. Eine Mischung aus dolce vita und Flow. Gar nicht so sehr, weil ich mehr Zeit für meine Familie hatte, mehr gelesen habe, mehr Sport gemacht habe, mehr in der Sonne lag, mehr im Meer gebadet habe, mehr den Moment genossen habe und bewusster gelebt habe. Sondern in erster Linie, weil es kein Störfeuer mehr gab.

Keine virtuelle Fremdeinwirkung.

Nichts, das meine Gedanken aus der Toskana weggelenkt hat. Nichts, das irgendwer kommentiert hat. Ich konnte Gedanken nicht nur fassen, sondern sie vor allem zu Ende denken. Ich konnte Eindrücke auf mich wirken lassen, ohne sie zu kommentieren oder sie zu fotografieren. Ich konnte zuhören, ohne mir Notizen zu machen oder Statusmeldungen zu schreiben. Total irre:-)

Sicherlich bin ich in meiner Beschreibung der letzten Wochen jetzt extra schonungslos. Und sicherlich übertreibe ich auch ein bisschen um den Punkt besonders deutlich zu machen. Natürlich habe ich auch vor der Nomophobie-Erkenntnis nicht wie ein Junkie an meinem Handy gehangen und völlig apathisch und geistesabwesend irgendwelche Statusmeldungen ins Orbit geschossen. Aber ganz normal war ich eben auch nicht mehr.

Ich möchte also nach diesen letzten Wochen nicht behaupten, dass ich jetzt total geheilt wäre oder nicht ab und zu auch mal rückfällig werde. Und es ist auch völlig in Ordnung, dass ich weiterhin Spaß daran habe, mich mitzuteilen und Menschen an meinem Leben teilhaben zu lassen.

Denn das bin einfach ich. Und es wäre falsch es komplett abzustellen.

Aber es fühlt sich alles wesentlich un-nomophober an als vorher. Und das Wichtigste ist eigentlich, dass erstmalig seit langer Zeit wieder magische Momente möglich sind.

Sie sind nicht spektakulär oder weltbewegend.

Not news-worthy.

Und damit um so schöner.

P.S. Joel, der Chefredakteur von Gründerszene hat einen sehr guten Artikel über “Mehr Zeit dank weniger Mails” geschrieben. Da sind viele gute Tipps dabei, wie man das Problem von zu viel online-Zeit im Keim erstickt.

Ein guter Tag für goodbeans

3. Juni 2012 | Schlagworte: , , , , , , , , , | Keine Kommentare »

Der letzte Donnerstag war ein guter Tag für goodbeans. An diesem Tag haben wir die Übernahme drei der schönsten Apps für kleine Kinder besiegelt: „Schlaf gut“ (Englische Version: Nighty night), „Kleiner Fuchs Kinderlieder“ (Englische Version: „Little fox music box“ und „Piet – und das Geheimnis des Fliegens“.

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Diese Apps sind für uns ein Beispiel wunderschöner Graphik gepaart mit bekannten Sprechern, einer schönen Geschichte und liebevollen Animationen. Wenn Eltern mich in der Vergangenheit gefragt haben, welche Apps sie für ihre Kinder zwischen 2-6 Jahren herunterladen sollen, dann habe ich neben Grollys Tierwelten und Grollys Memory immer diese Apps empfohlen. Denn sie sind einfach ein must-have für jede Familie mit kleinen Kindern und einem iPad oder iPhone.

Und seit dem 1. Juni gehören diese Apps jetzt zu goodbeans. Darauf bin ich sehr stolz.

Und das ist für mich die Grundvoraussetzung für Erfolg, Visionen, Unternehmenswerte und Mitarbeitermotivation: Der Stolz auf die eigenen Produkte.

Als wir vor 9 Monaten die Entscheidung gefällt haben, uns zukünftig auf Apps für Kinder und Familien zu fokussieren und zu spezialisieren und unser bisheriges Geschäftsfeld zu verlassen bzw. nicht weiter zu entwickeln, da war uns einer unserer vier Unternehmenswerte besonders wichtig: Quality first!

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Übersetzt haben wir Quality first mit keine Kompromisse bei der Qualität unserer Produkte. Wir wollen Apps entwickeln, die unsere eigenen Kinder spielen dürfen, Apps, die wir Freunden und unserer Familie empfehlen, Apps, auf die wir stolz sind, wenn kleine Kinder sie mit ihren Eltern spielen. Apps, die keine kurzfristigen Umsatzoptimierer, sondern langfristige Erfolgsgeschichten sind. Und dieser Unternehmenswert gilt gleichermaßen für eigens entwickelte Produkte so wie für zugekaufte Apps.

Neben dem Kauf der drei Apps steht der launch zwei weiterer eigener Apps kurz bevor. Die erste ist eine App, die ich schon immer vergeblich im Appstore gesucht habe und von der ich glaube, dass sie das Finden von Apps für Familien revolutionieren wird: WeWantApps! heißt unser neuer App-Finder für Familien.

Auf facebook, Pinterest und Twitter wirft unsere WeWantApps!-Familie Henry, Sally und Charly bereits ihre Schatten voraus und seit einer Woche kann man sich auch auf unserer Website als Beta-tester anmelden und zu den Ersten gehören, die unsere neue App testen können.

Gleichzeitig launchen wir Anfang Juli die Geschichte des Dschungelbuchs als wunderschön gezeichnete und animierte App. Die Idee eine weltweit bekannte Erfolgsgeschichte mit edukativen Inhalten für kleine Kinder zu kombinieren ist für uns ein wichtiger Schritt das Beste aus dem iPad herauszuholen: Spaß & Bildung, Lernen & Entertainment.

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Es bewegt sich also viel bei goodbeans und es geht voran.

Und während ich diesen Blogpost schreibe merke ich, dass es sich fast so anfühlt oder anhört, als ob alles, was gerade passiert ein Selbstläufer wäre und alles, was wir in die Hand nehmen funktioniert. Oder wir Pläne machen und sie dann auch genau so eintreffen. Doch das stimmt nicht. Es ist immer einfach an Tagen wie diesen alles so aussehen zu lassen als hätte man immer gewusst, welchen Weg man einschlagen muss, welche Produkte erfolgreich werden würden und wo die Reise hingehen würde. Doch so klar war das im vergangenen Jahr nicht. Da war viel Risiko, viel Unsicherheit, viel Ausprobieren und viel (Zweck)Optimismus.
Die Zukunft bleibt spannend und das Ende ist offen. Wir sind mittendrin in einem spannenden, jungen, dynamischen Markt und in einem halben Jahr kann schon wieder alles ganz anders aussehen als heute.

Aber einer meiner großen Mentoren hat mal gesagt „When you reach the top of the mountain enjoy the view“ und das machen wir jetzt heute einfach mal.

Morgen kann das Wetter dann wieder schlechter werden.

keep playing

Das sagt deutsche startups über den deal: goodbeans kauft erfolgreiche Kinder-App Schlaf gut.

Und hier noch unsere eigene Pressemitteilung.

Mann 2.0 – Wonderwoman ist nichts dagegen!

9. Mai 2012 | Schlagworte: , , , , , , , , | 17 Kommentare »

Männer dürfen das letzte Wort haben

Alles begann damit, dass ich vor ein paar Monaten die Erstausgabe der deutschen Wired in meinen Händen halten wollte und das nur über den Umweg „GQ-kaufen“ ging. Der Aufmacher mit Justin Timberlake „Deutsche Männer mögen kein Machogehabe“ war mein erster Berührungspunkt mit dem Thema „Wie ist Man(n) heutzutage“.
Dann bin ich in der „Welt“ auf einen Artikel auf der ersten Innenseite aufmerksam geworden: „Was wären wir ohne Machos“.
Dann noch ein langer (Rotwein)-Abend mit Freunden (Männern wie Frauen), an dem wir diskutiert haben, wie Mann heutzutage sein muss, um Frau zu beeindrucken.

All diese Impulse haben also dazu geführt, dass ich mich jetzt ernsthaft an das Thema „Männer“ wage. Damit kann man sich ungefähr so gut in die Nesseln setzen wie mit Themen wie „Kind und Karriere“, „Frauenquote“ oder „Euro-Rettung“. Denn die Meinungen gehen weit auseinander, sind stark subjektiv, emotional geprägt und es ist eigentlich von vornherein klar, dass einem tendenziell mehr Menschen widersprechen als einem zustimmen werden.

Und es so gut wie nichts zu gewinnen gibt.

Eigentlich gar nichts.

Aber wie Ihr Euch vorstellen könnt, stellt die Aussicht auf Gegenwind eher einen Anreiz als eine Hemmschwelle dar und deshalb tue ich es.

Ich schreibe heute über Männer.

Und zwar darüber, was wir an Männern lieben, was wir bewundern und wie Mann heutzutage sein muss, um Frau zu beeindrucken. Bzw. was wir Mann 2.0 abverlangen.

Das „wir“ wähle ich, um mich in der Masse der Frauen zu verstecken, die ungefähr genauso heterogen ist wie die Masse der Männer, die ich jetzt alle über einen Kamm schere. Deshalb ist es von vornherein ein kalkuliertes Risiko, dass ich alle Frauen in einen Topf schmeiße und mir anmaße zu beschreiben was sie alle gleichermaßen vom Stereotyp Mann erwarten.

Gegenwind vorprogrammiert.

Um es vorweg zu nehmen. Ich möchte nicht tauschen. Was wir Mann 2.0 abverlangen ist unmenschlich. Frauen heutzutage sind weniger kompromissbereit und anspruchsvoller als sie es je in der Vergangenheit waren. Anspruchsvoll im Sinne von „voller Ansprüche“, die sie an Männer, aber auch an sich selbst richten.

Die Kombination aus „weniger kompromissbereit“ und „anspruchsvoller denn je“ hat es in sich. Diese Mischung führt im Ergebnis dazu, dass wir mehrere Männer in einem Mann haben wollen. Phasen- und Situationsabhängig gerne immer eine andere Facette.

Aber dabei natürlich immer denselben Mann.

Also: Wenn wir einen Mann kennenlernen und uns in ihn verlieben sollte er bitte erstmal Macho sein: Beliebt, hard-to-get, nicht sofort interessiert, aber interessant. Humorvoll, schlagfertig, leidenschaftlich, unabhängig, freiheitsliebend und wild.

Sobald wir dann sein Herz erobert haben, hätten wir gerne den Gentleman. Immer noch humorvoll, schlagfertig, leidenschaftlich und interessant, aber statt unabhängig, freiheitsliebend und wild bitte charmant, zuvorkommend, tiefgründig, aufmerksam und sehr an uns und unserem Leben interessiert. Ach ja und natürlich intelligent. Das gilt natürlich in jeder Phase. Er sollte Entscheidungen rational treffen, aber auch Emotionen zeigen können. Wir wollen uns bei ihm anlehnen können, aber gleichzeitig auch sagen dürfen wo es lang geht. Er soll uns ungeschminkt bildhübsch und natürlich, und geschminkt sexy und attraktiv finden. Er soll romantisch sein. Er soll Actionfilme lieben, aber mit uns Notting Hill auf DVD sehen. Er soll kochen können, aber bitte keine Rezepte mit seinen Freunden austauschen.

Im Rahmen unserer beruflichen Karriere möchten wir gerne den Teamplayer: verständnisvoll, hilfsbereit, bewundernd, aufmunternd. Denjenigen, der uns das Gefühl gibt unsere Karriere sei genauso wichtig wie seine. Der uns alle Freiheit gibt uns zu entfalten und uns unterstützt voranzukommen. Der uns nicht bremst, sondern stolz auf uns ist.

Wenn wir dann Kinder haben, möchten wir gerne die Allzweckwaffe: Beruflich erfolgreich genug, um die Familie zu versorgen, aber gleichzeitig bitte auch genug Zeit, um für die Kinder da zu sein. In dieser Phase erwarten wir permanente Dankbarkeit für alles, was wir rund um Haushalt und Kind leisten, Verständnis für schlechte Laune, Verständnis für unsere post-Schwangerschaftsfigur, die Einsicht, dass er als Mann eigentlich ein viel einfacheres Leben hat, weil er ja keine Kinder bekommen kann und nicht so fremdgesteuert ist wie wir, Geschenke und spontane Aufmerksamkeiten in Form von Blumensträußen und Wellness-Wochenenden, aktive Mithilfe bei den Kindern vor allem nachts und früh morgens am Wochenende. Akzeptanz für unsere Müdigkeit, aber bitte kein Vorschützen der eigenen.
Ach ja: und natürlich sollte Mann auch in dieser Phase immer noch humorvoll, schlagfertig, leidenschaftlich, interessant, charmant, zuvorkommend und tiefgründig sein. Das ist ja sozusagen das Grundrauschen, was immer gilt. Denn wir wollen schließlich nicht in dieser für uns so anstrengenden Phase auch noch sagen müssen „Damals als ich mich in Dich verliebt habe warst Du viel liebevoller und aufmerksamer und…“

Wenn wir dann beruflich wieder durchstarten wollen, soll Mann bitte nicht den Hausmann spielen und uns anbieten die Kinder und den Haushalt zu übernehmen. Er soll uns aber natürlich den Rücken stärken, bei den Kindern unterstützen, plus „all of the above“. Aber bitte nicht Karriere auf Kosten unserer Karriere machen. Und schon gar nicht glauben, seine wäre wichtiger. Und bitte auch nicht seine Karriere wichtiger finden als die Kinder. Oder gar uns.
Denn gerade in dieser für uns so herausfordernden und anstrengenden Kind & Karriere – Phase möchten wir den best-of-all-worlds Mann an unserer Seite haben. Ausgeglichen, entspannt, beruflich erfolgreich, liebevoll, aufmerksam. Denjenigen, der seine Familie an erste Stelle stellt, im Job befördert wird und uns jeden Tag das Gefühl gibt, die absolute Traumfrau zu sein.

Liebe Männer: ich möchte nicht tauschen.

Wonderwoman ist nichts dagegen.